Regen über Las Cruces

Sturzflut in der Wüste

Es heißt, in der Wüste ertrinken in der Wüste mehr Menschen als das sie verdursten. Ob diese Behauptung richtig ist, weiß ich nicht. Aber vorstellen kann ich mir das mittlerweile schon. Es ist nicht so, dass mir das beinahe passiert wäre. Aber ich habe Regen in der Wüste erlebt. Und damit meine ich richtigen Regen, eine Sturzflut.

Dunkle Wolken über der Wüste

Dunkle Wolken über der Wüste

Es geschah, als wir nichts Böses ahnend, durch den Süden der USA fuhren und auf dem Weg vom Saguaro-Nationalpark in Arizona zum White Sands Nationalpark in New Mexico unterwegs waren. Dabei durchquerten wir den nördlichen Teil der Chihuahua-Wüste. Die Chihuahua-Wüste ist die größte Wüste in Nordamerika, erstreckt sich aber überwiegend auf mexikanischem Gebiet.

Regenwolken über der Wüste

Regenwolken über der Wüste

Eines der ungewöhnlichsten Phänomene in der Chihuahua-Wüste ist die darin befindliche Wüste White Sands. Wir kannten sie schon und zwar als wunderschöne weiße Landschaft aus Gipssand unter strahlend blauem Himmel. Und da wir später zur Trinity Test Site auf der White Sands Missile Range wollten, planten wir einen weiteren Besuch des White Sands Nationalparks. Wir ahnten nicht, wie unterschiedlich die Landschaft wirken kann, wenn es aus tiefdunklen Wolken regnet.

Sturzflut-Warnung in der Wüste

Schon auf dem Weg von Arizona, also von Westen kommend, zog sich der anfangs blaue Himmel langsam zu. Wir fuhren gemütlich auf der Interstate 10 auf Las Cruces in New Mexico zu. Dabei blickten wir auf die in einer weiten Senke liegende Stadt und auf die dahinter liegende Bergkette. Eine tolle Aussicht – normalerweise. Doch dieses Mal war der Blick teilweise durch tief hängende Wolken versperrt. Nicht nur, dass es überhaupt Wolken gab. Nein, sie hingen auch noch tief und über Teilen der Stadt entluden sie schon ihren wässrigen Inhalt. Deutlich konnten wir die Regenfelder über Las Cruces erkennen.

Regen über Las Cruces

Regen über Las Cruces

Aber was sollten wir machen? Wir hatten einen Termin in New Mexico und wir wollten noch bis Alamogordo, um dort zu übernachten. Daher fuhren wir durch den noch halbwegs normalen Regen in Las Cruces und folgten dem Highway 70 über den San Augustin Pass. Auch den Ausblick von dem Pass kannten wir schon, doch dieses Mal war die Sicht eben deutlich schlechter. Vor uns breitete sich die weite und flache Landschaft aus, in der sich ein Teil der White Sands Missile Range befindet.

Dunkle Wolken auf dem Weg nach Alamogordo

Dunkle Wolken auf dem Weg nach Alamogordo

Dunkle Wolken über der Chihuahua-Wüste

Normalerweise würde man hier sehr weit blicken können, doch nun war es beinahe schon unheimlich. Der Himmel bzw. die Wolken wirkten zum Teil bedrohlich. Wir fuhren weiter, wir hatten noch eine knappe Stunde Fahrzeit vor uns. Und in dieser einen Stunden geschah etwas, was wir noch nicht kannten. Während wir gebannt nach vorne auf die immer dunkler werdende Landschaft blickten, alarmierte uns plötzlich das Smartphone auf der Mittelkonsole mit einem so schrillen Alarm, dass ich vor Schreck beinahe das Lenkrad verrissen hätte.

Screenshot von der Sturzflut-Warnung

Screenshot von der Sturzflut-Warnung

Das kannte ich noch nicht. Das war neu. Eine SMS erschien auf dem Bildschirm und zwar mit der Warnung vor einer Sturzflut. Jetzt hatten wir es auch noch amtlich. Sturzfluten sind nicht ungefährlich. Besonders in Wüstenregionen fällt irgendwo weit entfernt Regen in Massen, kann nicht versickern und fließt im rasanten Tempo durch ein ausgetrocknetes Flussbett. Schlecht, wenn man dann dort gerade sein Zelt aufgeschlagen hat oder entlang wandert. Insofern: Ertrinken in der Wüste ist möglich.

Große Pfütze hinter dem weißen Auto

Große Pfütze hinter dem weißen Auto

Ankunft in Alamogordo im Regen

Als wir uns Alamogordo näherten, war es dann auch mittlerweile so weit. Der Himmel hatte seine Schleusen geöffnet und das Wasser fiel wie aus Eimern auf den Boden. Wie waren froh, dass unser Hotel, wie üblich, ein Vordach besaß und wir halbwegs trocken in unser Hotelzimmer kamen. Dummerweise hatten wir nicht daran gedacht, Bilder zu machen. Erst als wir auf dem Zimmer waren, fotografierten wir ein wenig mit dem Handy durch die Scheibe. Wie immer war das Fenster nicht wirklich zu öffnen. Dass es dennoch nicht komplett geschlossen war, merkten wir einige Zeit später.

Wir dichten unser Hotelzimmer selber ab

Wir dichten unser Hotelzimmer selber ab

Wasser tropfte durch den Fensterrahmen in unser Hotelzimmer und zwar nicht zu knapp. Wir stoppten den Wasserlauf mit einem Handtuch und hielten für uns fest, dass die Häuser in der Region vermutlich nicht für Regen gebaut wurden. Das bestätigte sich auch, als wir einen abendlichen Einkauf im örtlichen Walmart durchführten. In einigen Gängen standen dort zahlreiche Eimer, scheinbar wahllos verteilt. Aber so wahllos war das gar nicht. Die Eimer dienten dazu, das Wasser aufzufangen, dass durch das Dach des Supermarktes tropfte. Irgendwie erstaunlich, die gesamte Halle – und aus mehr besteht so ein Supermarkt in Walmart-Größe ja eigentlich nicht – war undicht.

Wanderung im White Sands Nationalpark

Wir nahmen das mittlerweile mit Humor. Wir mussten ja nicht draußen herumlaufen. Das hatten wir für den nächsten Tag vorgesehen. Doch als wir nach einer regnerischen Nacht wach wurden und nach draußen blickten, sah es immer noch nicht viel besser aus. Der Regen hielt an. Da der Wetterbericht für den Mittag aber Besserung gelobte, fuhren wir am späten Vormittag dennoch zum White Sands Nationalpark und hatten Glück. Gerade als wir dort ankamen, hörte es auf zu regnen und langsam, ganz langsam, wurden aus den grauen Wolken weiße Wolken und später rissen diese sogar ein wenig auf, um blauen Himmel zu zeigen.

Pfützen am Picknickplatz in der Wüste

Pfützen am Picknickplatz in der Wüste

Zuvor hatten wir aber noch nasse Füsse im Besucherzentrum des Nationalparks bekommen, weil auch hier zu viel Wasser gleichzeitig ankam. Vom Wandern ließen wir uns aber nicht mehr abhalten. Aus der geplanten großen Runde wurde zwar nur eine kleinere Runde, doch interessant war es schon, dass der weiße Sand in White Sands sehr viel grauer war. Schade, aber so erlebten wir wenigstens auch mal, was es heißt, wenn es in der Wüste stark regnet.

Schreibe einen Kommentar


Kleine Rechenaufgabe Die Zeit für die Eingabe ist abgelaufen. Bitte aktivieren Sie das Captcha erneut.

Mehr in Blog, USA-Reisebericht
Michael Moll
20 Jahre DieWeltenbummler

Am 13. November 2000 wurde Geschichte geschrieben. An diesem Tag ging die Seite www.dieweltenbummler.de zum ersten Mal ans Netz. Damals...

Schließen