Aussicht dort, wo vermessen wurde

Von der Ukraine nach Norwegen

„Von der Ukraine nach Norwegen“ klingt wie ein interessantes Reiseabenteuer. Auf Grund der aktuellen politischen Lage könnte man natürlich auch einen Zusammenhang mit der Krim-Krise suchen. Beides falsch. Der heutige Beitrag ist vielmehr wissenschaftlich zu sehen und beschreibt den Struve-Bogen.

Observatorium in Tartu

Observatorium in Tartu

Dieser verläuft nämlich vom norwegischen Hammerfest bis in die Ukraine und durchquert dabei Schweden, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen, Weißrussland und Moldawien, bevor er am Schwarzen Meer in der Ukraine endet. Wobei der russische Anteil sehr gering ist. Es handelt sich nur um zwei kleine russische Inselchen, die sich zwischen Finnland und Estland im Golf von Finnland befinden.

Vermessungspunkt des Struve-Bogens

Vermessungspunkt des Struve-Bogens

Doch was genau ist denn nun der Struve-Bogen? Nun, es handelt sich um ein Netz von Vermessungspunkten, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angelegt wurde und der Vermessung der Erde diente – einfach ausgedrückt.

 

Meridiansäule in Hammerfest

Meridiansäule in Hammerfest

Aber so einfach, wie ich es hier schreibe, war es damals ganz sicher nicht. Auf einer Länge von fast 3.000 Kilometern wurden 265 Vermessungspunkte installiert, die in ihrer gesamten Länge einem Meridianbogen glichen – eben von Norwegen bis zur Ukraine.

 

Weltkugel auf der Meridiansäule

Weltkugel auf der Meridiansäule

Heute weiß man, dank GPS, dass die Vermessung durch das damalige Forscherteam sehr präzise war, was ich persönlich wirklich erstaunlich finde. Denn man stelle sich vor, man stehe irgendwo in der finnischen Natur und vermisst nun ohne die modernen Hilfsmittel die Erde. Respekt vor dieser Leistung. Und diesen Respekt hatten wohl auch andere, denn der Struve-Bogen wurde im Jahr 2005 in die Liste der Weltkulturerbestätten der Unesco aufgenommen.

Meridiansäule in Hammerfest

Meridiansäule in Hammerfest

Ich traf zum ersten Mal bei einer Baltikumreise im Jahr 2004 auf den Struve-Bogen. Und zwar am Observatorium des estnischen Tartu, übrigens nur einer von zwei Messpunkten, die sich in einem Gebäude befinden. Erst Jahre später habe ich Spuren des Struve-Bogens wieder gesehen, als ich auf meiner Wohnmobilreise durch Norwegen in Hammerfest Halt machte. Dort steht eine Meridiansäule als Erinnerung an die damalige Vermessung, die den ansonsten natürlich nicht sichtbaren Struve-Bogen repräsentiert.

Vermessungspunkt in Finnland

Vermessungspunkt in Finnland

Einige Tage später fuhr ich mit dem Wohnmobil durch Finnland wieder zurück in Richtung Heimat, als ich eher zufällig am Straßenrand den Hinweis auf ein nahe gelegenes Weltkulturerbe sah. Nach einer kleinen Wanderung von rund zwei Kilometern erreichte ich schließlich einen Hügel, auf dem heute ein Aussichtsturm steht und auf dem noch Spuren des einstigen Vermessungspunktes zu sehen sind.

Plakette am Aussichtsturm

Plakette am Aussichtsturm

Spätestens hier war mein Respekt dann vollends perfekt, denn um mich herum sah ich nur Baumwipfel und ich hatte keine Vorstellung davon, wie man damals bei der Vermessung feststellen konnte, dass die Erde nicht ganz rund, sondern an den Polen abgeflacht ist.

 

Aussicht dort, wo vermessen wurde

Aussicht dort, wo vermessen wurde

Mal schauen, vielleicht werde ich in Zukunft noch weitere Punkte des Struve-Bogens kennenlernen.

Schreibe einen Kommentar


Kleine Rechenaufgabe Die Zeit für die Eingabe ist abgelaufen. Bitte aktivieren Sie das Captcha erneut.

Mehr in Blog, Nordkap-Tour
MIt Schutzzaun vor Vögeln
Insektenhotels am Wegesrand

Eines Tages baue ich mir eine eigene Unterkunftsstätte für Reisende und bin dann stolzer Hotelier. Klar, an das Hilton, Adlon...

Schließen