Schwarzer Brunnen in Eisenach

Wir schreiben das Jahr 1810. Argentinien löst sich aus der Abhängigkeit Spaniens, die Konservendose wird patentiert, und bei Rom kommt Vincenzo Gioacchino Pecci zur Welt, der später Papst Leo XIII. sein wird. Durch das heutige Thüringen ziehen den ganzen Sommer hindurch mindestens jede Woche 30 bis 40 Pferdefuhrwerke der napoleonischen Truppen gen Westen. Beladen sind sie meistens mit Kanonen, Patronen und Granaten.

Der erste September war ein gewöhnlicher Spätsommertag, der langsam seinem Ende entgegenging. Die Sonne war gerade hinter dem westlichen Horizont verschwunden, und die Dunkelheit brach herein. Die Menschen in Eisenach verbrachten den Abend in Familie oder mit Freunden in ihren Häusern. Andere waren noch unterwegs, auf dem Weg nach Hause, als einer dieser Transporte wieder einmal die Altstadt von Eisenach durchquerte und einer der Wagen plötzlich und vermutlich durch Funkenflug eine Kettenreaktion auslöste, die zu einer verheerenden Katastrophe führte. Die ersten drei Fahrzeuge der Kolonne explodierten mit einer ungeheuren Wucht, die im selben Augenblick zwei Dutzend Häuser in Brand steckte und viele weitere Gebäude beschädigte.

Das Unglück von Eisenach

Viele Häuser stürzten ein und begruben ihre Einwohner unter sich. Die Druckwelle fegte durch die Gassen der Eisenacher Altstadt, und den Blitz der Explosion soll man sogar noch in Gotha gesehen haben. Nur weil die letzten zehn Wagen der Kolonne aufgehalten wurden und weiter zurücklagen, ist es nicht zu einer noch größeren Katastrophe gekommen. Diese allein reichte schon, denn 68 Menschen fanden dabei den Tod, und viele weitere wurden schwer verletzt.

In der Folge trafen aus ganz Europa Spenden ein, um den Wiederaufbau zu finanzieren, der durch den Winter bedingt erst im darauffolgenden Jahr erfolgen konnte. An der Unglücksstelle wurde im Jahr 1817 der Schwarze Brunnen errichtet, der zusammen mit einer Gedenktafel an die Schießpulverexplosion von Eisenach erinnert.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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