Pumpspeicherwerk Goldisthal

Ein Ausblick auf die Nordsee, und das im Thüringer Wald. Viel Phantasie wird dazu nicht benötigt, sondern nur ein Besuch am Oberbecken des Pumpspeicherwerks bei Goldisthal. Selbstverständlich ist der Bau eines Pumpspeicherwerks ein großer Eingriff in die Natur beziehungsweise in das Landschaftsbild, doch der Wirkungsgrad ist enorm. Das gilt besonders für das Werk im Thüringer Wald, denn es ist das größte Wasserkraftwerk Deutschlands.

Schon in den 1960er Jahren dachte die damalige DDR-Führung über den Bau eines Kraftwerks dieser Art nach. Erste Bauschritte wurden sogar getätigt, bis dann aber 1981 kein Geld mehr zur Verfügung stand. 1988 wurde das Projekt zwar noch mal in Angriff genommen, aber bekanntlich hörte die DDR wenig später auf zu existieren. Im vereinigten Deutschland wurde erneut die Wirtschaftlichkeit geprüft, und 1997 begannen die Bauarbeiten, die sechs Jahre später beendet waren. Hierfür wurde das Gipfelplateau des 869 Meter hohen Farmdenkopfs komplett umgestaltet und zum heutigen Oberbecken planiert.

Energiewende

Man kann das Becken zu Fuß komplett umrunden, muss jedoch stellenweise einen sehr schmalen Grat überwinden. Während der Wanderung blickt man auf die Wasseroberfläche, die durch den in dieser Höhe herrschenden Wind durchaus Wellen schlagen kann. Dieses Nordsee-Erlebnis wird noch intensiviert, da am gegenüberliegenden Ende des Beckens nur ein waagerechter Horizont zu sehen ist. Anders als an herkömmlichen Seen gibt es hier kein natürliches Ufer. Und Erhebungen des Thüringer Waldes sind auch kaum auszumachen, da der nächsthöhere Berg über 20 Kilometer entfernt ist.

Zum Pumpspeicherwerk gehört auch das Unterbecken, das durch zwei 800 Meter lange Stollen mit dem Oberbecken verbunden ist. Damit kann die Anlage über 1.000 Megawatt Strom erzeugen. Technikinteressierte können das Kraftwerk im Rahmen einer Führung besichtigen, während Naturfreunde bei einer Wanderung rund um das Unterbecken auf ihre Kosten kommen.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


Die Weltenbummler – ältester deutschsprachiger Reiseblog (seit 2000)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert