Tourist mit Mückenschutz am Mývatn

Mücken und Midges in Skandinavien, Schottland und Island

Mücken und Midges sind in Ländern wie Schottland, Schweden oder Island immer ein Thema. Ich habe sie in allen drei Ländern erlebt und überlebt, wobei ich einfach mal Skandinavien pauschal für Schweden einsetze. Denn die Biester kennen keine Grenzen und sind im hohen Norden natürlich auch auf norwegischer und auf finnischer Seite anzutreffen.
Vorab will ich aber kurz darauf hinweisen, dass ich kein Biologe bin. Das bedeutet, dass ich bei Begrifflichkeiten vielleicht auch daneben liege. Und im Grunde ist es mir schnurz, ob die Plagegeister mich beißen oder stechen. Sie tun es auf jeden Fall ungefragt und ohne meine Erlaubnis.

Mücken in Schweden, Norwegen und Finnland

Üblicherweise hält man Skandinavien für eine Region mit großen Mückenproblemen. Das kann ich persönlich nicht behaupten. Natürlich trifft man an ruhigen Seen auf die stechenden Insekten und es kann auch schnell zur Plage werden. Wenn man dann gerade an diesem Ort länger auf einem Campingplatz verweilt, behält man diesen Urlaub noch lange in Erinnerung. Vielleicht ist das genau der Grund, warum ich in den drei skandinavischen Ländern bisher wenig Kontakt zu Mücken hatte. Ich halte mich selten länger als einen Tag an einem Ort auf, sondern fahre mit dem Wohnmobil von Ort zu Ort.

Typische Seenlandschaft in Lappland

Typische Seenlandschaft in Lappland

Dennoch unternehmen wir ja immer wieder Wanderungen und sind tagsüber auch ständig in der freien Natur unterwegs. Trotzdem hatten wir auf unseren beiden Nordkap-Reisen und den vielen Aufenthalten im übrigen Skandinavien nur zwei Mücken-Erlebnisse. Eines davon gab es bei Lakselv, als ich die Überreste eines ehemaligen Feldlazaretts anschauen wollte. Diese befanden sich mitten in einem Wald, nahe eines ruhigen Flusses. Hier auf dem schmalen Pfad durch den Wald zu spazieren, war einfach nur extrem nervend. Es gab so viele Mücken, dass man den kleinen Rundweg nur ganz schnell hinter sich bringen wollte.

Große Mücken in Norwegen

Große Mücken in Norwegen

Die zweite Mückenbegegnung in Skandinavien hatten wir bei der Wanderung zum Dreiländereck von Norwegen, Schweden und Finnland. Es befindet sich in einer seenreichen Region und der exakte Punkt ist sogar in einem dieser Gewässer. Auf dem Weg zum See mit dem Dreiländereck wurden es im Laufe der Wanderung immer mehr Mücken. Diese Mücken waren deutlich größer als unsere kleinen Mücken, die wir beispielsweise an deutschen Badeseen gewöhnt sind. Ich denke, das kann man auf dem Foto ganz gut erkennen. Allerdings hatten sie einen großen Vorteil: Sie waren zwar eindeutig in der Überzahl und daher sehr nervig, aber sie hinterließen keine Stiche. Wir sind mehrere Stunden zu zweit durch die mückenverseuchte Landschaft gelaufen – ganz ohne Mückenschutz. Und trotzdem konnten wir keinen einzigen Stich feststellen. Ob das nun der Standard ist, vermag ich nicht zu behaupten. Aber es war auf jeden Fall sehr angenehm.

Mücken und Midges in Schottland

Die Midges in Schottland, auch Highland Midge genannt, sind Mückenarten aus der Familie der Gnitzen. Sie sind sehr klein und mit den Mücken in Skandinavien überhaupt nicht vergleichbar. Auch in Schottland verbrachten wir mit dem Wohnmobil insgesamt schon einige Monate auf mehrere Reisen aufgeteilt. Ernsthafte Begegnungen mit Midges hatten wir allerdings erst drei.

Hier trafen wir auf die ersten schottischen Midges

Hier trafen wir auf die ersten schottischen Midges

Beim ersten Mal lernten wir sie auf einer kurzen Wanderung kennen und konnten feststellen, dass die Tiere in höheren Lagen weniger werden. Das war schon mal ganz angenehm, führte aber dazu, dass wir nach der Wanderung den weiter unten gelegenen Parkplatz nicht als Übernachtungsplatz nutzten, sondern viel lieber weiter fuhren.
Das brachte allerdings nicht viel. Denn in einigen Kilometern Entfernung hatten wir die Midges ein weiteres Mal angetroffen. Wir ließen zwar sämtliche Türen und Fenster zu, es hatte ohnehin geregnet, doch die Biester sind so verdammt klein, dass sie durch die kleinsten Ritzen in unser Wohnmobil kamen.

Midges auf der Windschutzscheibe

Midges auf der Windschutzscheibe

Zu unserer großen Verwunderung setzten sie sich außerdem auf die schwarzen Türgummis und waren dort für uns am Anfang gar nicht wirklich erkennbar. Es wirkte beinahe so, als seien das extrem intelligente Tiere, die sich getarnt hatten und sich für einen großen Angriff auf uns zusammenrotteten. Als der Regen aufhörte, stellten wir fest, dass es sprunghaft mehr Midges wurden. Es waren letztendlich so viele, dass sie uns erfolgreich in die Flucht schlugen. Wir fuhren gut 30 Kilometer weiter und erreichten die Küste. Am Meer erfüllte sich unsere Hoffnung, dass es etwas windiger sei und die Tiere sich dort nicht wohlfühlten.

Doch es war schon zu spät. Moni hatte über 70 Stiche bzw. Bisse und hatte noch einige Zeit darunter zu leiden, während ich hingegen komplett verschont geblieben bin. Das hat aber nichts zu sagen, beim nächsten Mal wäre ich vielleicht dran.

Vergleichsbild einer Midge mit USB-Stick

Vergleichsbild einer Midge mit USB-Stick

Ein drittes Mal trafen wir ebenfalls auf einem Wanderparkplatz auf die Biester. Doch dieses Mal waren wir bereits in Küstennähe. Um unser Wohnmobil flog eine Wolke aus diesen Midges und wir weigerten uns, die Tür auch nur ansatzweise zu öffnen. Allerdings wollten wir auch nur ungerne weiterfahren und versuchten das Problem auszusitzen. Gleichzeitig konnten wir beobachten, wie ankommende Pkw-Fahrer ausstiegen, wie wild um sich schlugen und sich schnell wieder ins Auto setzten, um weiter zu fahren. Kurioserweise kamen die Tiere dieses Mal nicht zu uns ins Auto. So vergingen ein bis zwei Stunden und es war auszuhalten.

Doch plötzlich stellten wir fest, dass die Wolke verschwunden war. Von jetzt auf gleich haben wir durch die Scheiben unseres Autos keine Midges mehr gesehen. Es saß auch keines der Tiere auf dem Fenster. Nichts, rein gar nichts. Wir dachten erst mit einem Augenzwinkern, dass es eine Falle sei. Doch wir öffneten die Tür und konnten wirklich aussteigen ohne von den Tieren überfallen zu werden. Sie kamen an dem gesamten Tag nicht mehr wieder.

Mücken in Island

Das größte Vorkommen an Mücken hatten wir jedoch, als wir mit der Queen Elizabeth nach Island fuhren und in Akureyri zu einem Landgang aufbrachen. Im Nordosten des Landes befindet sich der Mývatn. Dieser See trägt die Bezeichnung Mücke bereits in sich, denn Mý steht im Isländischen für Mücke. Diese Kriebelmücken sind extrem nervig. Ich war der Ansicht, dass man sie weniger als Mücke empfindet denn als Fliege. Sie hatten sehr kleine Körper und flogen extrem schnell. Außerdem fehlte das typische Geräusch der uns bekannten Mücken. Die Kriebelmücken vom Mývatn sind zwar deutlich kleiner als die Mücken in Skandinavien, doch auch wiederum wesentlich größer als die kleinen Midges in Schottland.

Auch hier sieht man die Mücken noch deutlich

Auch hier sieht man die Mücken noch deutlich

Dafür flogen sie aber überall hin, wo sie nur konnten. Man hatte die Biester in den Ohren, in den Nasenlöchern und wenn man genervt aufgeschrien hat, waren sie auch im Mund. Ja, ich habe tatsächlich mindestens eines dieser Viecher versehentlich verschluckt. Ekelig. Geschadet haben sie uns aber überhaupt nicht. Entgegen anderer Berichte, wo die Tiere stechen und zwar besonders schmerzhaft, blieb uns dieses Leid zum Glück erspart. Aber dennoch können sie einem einen längeren Aufenthalt am Mývatn verleiden. Denn es macht nur wenig Spaß zwischen diesen Mückenwolken zu wandern.

Tourist mit Mückenschutz am Mývatn

Tourist mit Mückenschutz am Mývatn

Soweit meine Erfahrungen mit den fliegenden Plagegeistern aus den genannten Ländern. Die Mitnahme eines Mückenschutzes, den man sich über den Kopf streifen kann, schadet in allen drei Ländern nicht.

Idealer Mückenschutz auf Island

Idealer Mückenschutz auf Island

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