Halden im Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet ist flach, langweilig und hat noch nicht einmal Aussichtspunkte. Na was für ein Irrtum. Natürlich können wir hier im Ruhrgebiet nicht mit den Bergen in den Alpen mithalten, auch nicht mit dem Harz und noch nicht einmal mit dem Sauerland. Aber trotzdem – Hügel gibt es hier zuhauf. Wir nennen diese Hügel gerne Halden. Entstanden sind sie weder in der Eiszeit noch durch natürliche Verwerfungen irgendwelcher Kontinentalplatten, sondern ganz schlicht durch Menschenhand. Die jüngere Generation wird das vielleicht nicht mehr ganz so genau wissen, aber Mitte des letzten Jahrhunderts waren viele Menschen im Ruhrgebiet mehr unter der Erde als an der Oberfläche.

Sie gruben sich wie die Maulwürfe durch die Erde und holten kostbare Kohle zu Tage. Mit der Kohle kam allerdings auch ziemlich viel anderes Zeugs ans Tageslicht. Dieses „Zeugs“ nannte man Abraum. Wohin also nun mit dem Abraum, den kein Mensch benötigt? Man hat ihn kurzerhand einfach gelagert, aufgeschüttet, gelagert, aufgeschüttet, gelagert – ach ja, und aufgeschüttet. So entstanden die Abraumhalden des Ruhrgebiets. Und ich rede nicht von einer, zwei oder einem halben Dutzend, sondern von einer Landschaft mit nicht weniger als 80 Halden, die sich über das gesamte Ruhrgebiet verteilen. Manche von ihnen sind recht klein und kaum der Rede wert, doch einige bringen es auf über 100 Meter Höhe und die höchste, die Halde Oberscholven, ragt sogar über 20 Meter in die Höhe.

Doch ausgerechnet diese ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Und damit wären wir auch schon am wichtigsten Punkt: Nach Ende des Bergbaus waren viele der Halden eigentlich überflüssig geworden, da sie natürlich nicht weiter aufgeschüttet wurden. Also begann man damit, sie zu begrünen. Und nicht nur das. Man legte Wege an, auf denen man in Serpentinen oder einmal rund um die Halde bis zum Gipfel wandern kann. Wer lieber den direkten Weg bevorzugt, kann auch eine der Halden besteigen, die mit unzähligen Stufen ausgestattet sind, wie zum Beispiel die Schurenbachhalde in Essen oder die Halde an der Beckstraße in Bottrop. Ideal, um für einen anstehenden Treppenhauslauf zu trainieren. Natürlich bieten diese Halden einen wunderbaren Rundumblick, denn es gibt meist keine höheren Punkte in der näheren Umgebung, die den Blick verstellen. So kann man oftmals mehrere Städte des Ruhrgebiets gleichzeitig überblicken.

Besonders beliebt – und dann auch sehr voll – sind die Halden am Silvesterabend. Ein wahres Lichtermeer ist dann bis zum Horizont zu sehen. Aber als wenn das noch nicht genug ist, so hat man auf vielen Halden jeweils eine Landmarke errichtet. In Moers befindet sich zum Beispiel auf der Halde Rheinpreußen ein überdimensionales Geleucht, also eine Grubenlampe, die an die Tradition des Bergbaus erinnert. In Herten wiederum errichtete man ein Hoirozontobservatorium und eine Sonnenuhr. Letztere gibt es auch auf der Halde Schwerin in Castrop-Rauxel. Die höchste begehbare Halde, die Halde Haniel in Oberhausen, präsentiert sich sogar mit einem Amphitheater, einer Kunstinstallation und einem Gipfelkreuz. Letzteres hat unter anderem auch die Halde Pattberg in Moers, aber auf die Halde Haniel führt sogar ein Kreuzweg, der anlässlich des Besuches von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1981 angelegt wurde.

Deutlich jünger, nämlich erst im Jahr 2011 entstanden, ist die Achterbahn für Fußgänger auf der Heinrich-Hildebrandt-Höhe in Duisburg. Sie trägt den Namen Magic Mountain bzw. Tiger & Turtle und sieht nicht nur spektakulär aus. Lediglich der Looping ist gesperrt, hat irgendwas mit Schwerkraft zu tun. 😉  Aber ansonsten ist die Achterbahn komplett begehbar. Zu den Klassikern zählt jedoch zweifellos das Tetraeder (fälschlicherweise oft auch „der“ Tetraeder genannt). Er befindet sich in Bottrop und als wenn die dortige Halde nicht schon hoch genug wäre, kann man diesen pyramidenförmigen Aussichtsturm auch noch besteigen. Nur nicht wundern: Die dritte, oberste Aussichtsplattform ist schräg angelegt. Ein bisschen Nervenkitzel muss doch sein und nicht jeder wagt den Aufstieg bis zum höchsten Punkt.

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So oder so, von hier aus kann man die Arena Auf Schalke sehen, die Hochhausskyline von Essen, den Gasometer in Oberhausen und natürlich noch viele weitere Halden, die darauf warten, erklommen zu werden. Die Halde Rheinelbe bietet übrigens dieses wunderschöne Panorama (4 MB).

Ich habe mir vorgenommen, sämtliche Halden des Ruhrgebiets zu besuchen und einfach mal damit begonnen, diese detailliert in meinem Reiseforum vorzustellen.

 

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