Zweifarbig kommt sie daher, die breite Front einer Fabrikmauer in der Eisenacher Wartburgallee. Die lachsfarbenen Streifen sind noch gut erkennbar. Das Gelb weicht langsam einem Farbton aus Graubraun und wirkt nicht nur schmutzig, sondern alt. An einem breiten Tor weisen zwei Schilder auf die maximale Durchfahrtshöhe von drei Metern und achtzig hin. Dass so mancher Lkw-Fahrer die Angabe ignoriert hat, erkennt man gut am Mauerwerk des Torbogens.

Hinweis: Der Inhalt dieses Blog-Artikels stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer mit dem Titel „111 Orte im Thüringer Wald die man gesehen haben muss„.
Das Gebäude der Eisenacher Brauerei ist von außen wahrlich keine Schönheit. Den Anspruch erhebt sie zwar auch nicht, doch es wirkt alles etwas altbacken. Aber das Alter ist eben auch das, was die Brauerei ausmacht. Und hier muss sich das Unternehmen eigentlich gar nicht so bescheiden geben. Dennoch weisen nur zwei kleine Schilder oberhalb des Torbogens darauf hin, dass die Brauerei bereits seit dem Jahr 1828 besteht – immerhin fast 200 Jahre.
Wohl bekomm’s
Damals lebten über 240 sogenannte Brauereiberechtigte allein in Eisenach, die sich zusammenschlossen und einen gemeinsamen, rund 100 Meter langen Felsenkeller errichteten, was oft als Grundsteinlegung für die heutige Brauerei bezeichnet wird. Im Laufe der Jahre folgten ein Malzhaus und ein Sudhaus. Letzteres wurde im Jahr 1911 erneuert und gilt seither als das Wahrzeichen der Brauerei.

Heute werden hier mehrere Biersorten gebraut. Der Klassiker ist das Wartburg-Pils. Hinzu kamen in jüngerer Zeit das Wartburg-Export und das Wartburg-Radler. Stolz ist man aber auch auf den Schwarzen Esel, ein Schwarzbier, auf dessen Etikett der Kopf von Eselin Anja zu sehen ist. Anja ist eine von den Eseln, die tagein tagaus die Besucher zur Wartburg hinauf bringen und damit ein Wahrzeichen der Region sind. Der damalige amerikanische Präsident Bill Clinton und Bundeskanzler Helmut Kohl sind zwar nicht auf Eseln auf die Wartburg geritten, doch 1998 waren sie zusammen in den Felsenkellern und haben bei einem Glas Bier auf den 170. Geburtstag der Eisenacher Brauerei angestoßen. Wohl bekomm’s.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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