Ein Tag im Leben eines Reisebuchautors

Oft werde ich gefragt, wie mein Alltag aussieht, wenn ich nicht zu Hause bin und an Texten oder Bildern arbeite, sondern wenn ich auf Reisen bin. Viele verbinden meine Reisen mit Urlaub und Erholung. Nun, ich will mal einen typischen Tagesausflug darstellen, wie er immer wieder mal vorkommen kann.

Dabei gilt aber zu erwähnen, dass ich an diesem Tag im Juni 2012 keine Recherche betreiben musste. Alle Orte, die ich angesteuert habe, kannte ich bereits von früheren Aufenthalten. Das Einzige, was noch fehlte, waren Bilder. Bilder, die ich zuvor wegen des anhaltend schlechten Wetters nicht machen konnte. Das bedeutet, es fallen keine Wanderungen an und ich muss keine Interviews führen. Campingplätze und Wohnmobilstellplätze muss ich nicht aufsuchen. Auch kann ich Hinweistafeln getrost ignorieren und ich muss nicht in jedem Ort die Touristeninformation aufsuchen – also alle Dinge, die ich auf mehrtägigen Reisen für gewöhnlich täglich mache, fallen schlicht weg. Dieses Mal sollen es einfach nur Bilder werden und nun sollte es endlich soweit sein. Der Wetterbericht versprach blauen Himmel und klare Sicht.

Der Wecker reißt mich an einem Sonntagmorgen kurz vor 7 aus dem Bett. Schnell frisch gemacht, die bereits gepackte Tasche genommen und los geht’s. Gefrühstückt wird auf der Autobahn, zum ersten Ziel ist es rund eine Stunde. Das reicht für ein paar Schokoriegel und für das langsame daran gewöhnen, dass der Tag begonnen hat. Die A 3 bei Köln erlebt man selten so leer, alleine hierfür lohnt sich schon das frühe Aufstehen.  Gegen 8.30 Uhr bin ich da – am Drachenfels in Königswinter. Die Zahnradbahn auf den Gipfel fährt erst um 9 Uhr. Also doch wandern. Und dann noch mit 250 Metern Höhendifferenz. Na gut, ich werde zwar erst nach der ersten Bahn oben sein, aber Warten ist einfach doof. Und außerdem spare ich so Geld und kann schon unterwegs erste schöne Bilder machen.

Oben angekommen werde ich nicht nur mit einer tollen Aussicht bis Köln und Bonn belohnt, sondern auch mit der Tatsache, dass sonst keiner hier ist. Und wieder bewahrheitet sich: Früher Vogel fängt den Wurm. Allerdings war es knapp, denn beim Abstieg kommen mir schon nach wenigen Metern die ersten Besucher entgegen – gruppenweise. Und ich bekomme eine ungefähre Vorstellung davon, was heute noch auf dem Drachenfels soll sein dürfte.Nach dem Abstieg geht es direkt weiter nach Linz. Dort wird die Burg ins rechte Licht gerückt und es folgen noch ein paar Aufnahmen vom Marktplatz, bevor ich meine letzten Euro-Münzen in einer Bäckerei lasse. Gegessen und gekrümelt wird natürlich im Auto.

Der Limes-Turm in Rheinbrohl erscheint im wunderbaren Licht und wird direkt auf die Speicherkarte geannt, bevor ich gegen Mittag die Festung Ehrenbreitstein in Koblenz erreiche. Zunächst husche ich über das Gelände der ehemaligen Bundesgartenschau und erspähe einen Generationenparcours. Schade, die Zeit lässt nur zu, dass ich zwei, drei Stationen austeste. Gleich dahinter geht es auf die Aussichtsplattform, wo ich mittlerweile natürlich nicht mehr der Einzige bin. An langsam schlendernden Sonntagsausflüglern zische ich vorbei, um weitere schöne Aufnahmen zu ergattern.

Die Kasse an der Festung Ehrenbreitstein wird zum Rastplatz für mich, denn hier muss ich erst einmal aufwändig erklären, warum ich kommerzielle Bilder machen möchte und dass ich für so etwas kaum Möglichkeiten habe, langfristige Termine zu vereinbaren. Nach der Ausgabe von 6 Euro zische ich durch die hohen Wände der Festungsanlage. Ich weiß genau, wo ich welche Bilder machen möchte, platziere mich mit meiner Kamera und warte, bis die Wolken verschwinden. Nachdem die dicke Wolke verschwunden ist, warte ich, bis die Besucherin vor „meinem“ Motiv die Sicht wieder frei gibt. Langsam entfernt sie sich, gerade noch rechtzeitig bis der nächste Besucher ins Blickfeld spaziert. Noch ein paar nicht geplante Aufnahmen zwischendurch und schon geht es wieder zurück zum Parkplatz.

Der Rhein ist schnell überquert, doch die Parkplatzsuche im Koblenzer Zentrum wird auch an einem Sonntag zur Geduldsprobe. Zufällig erwische ich eine Lücke direkt am Moselufer. So nah habe ich gar nicht mit einem Parkplatz gerechnet. Entlang der Mosel gehe ich zum Deutschen Eck, erklimme die Treppen hinauf zum Reiterstandbild und muss mich mal wieder damit zufrieden geben, dass das Reiterstandbild nur von hinten zu fotografieren ist. Ansonsten fotografiere ich bloß in das Gegenlicht. Nach der Mosel folgt der Rhein.

Am Kurfürstlichen Schloss ertönt Tschaikowskys 1812 aus vollen Rohren – im wahrsten Sinne des Wortes. Zum gut besuchten Open Air-Konzert wird passend zur Ouvertüre aus Kanonen geschossen. Das heißt, ein Großteil der Flächen vor dem Schloss ist abgesperrt oder mit Publikum belegt. Aber irgendwie bekomme ich es trotzdem hin, dass mir ein paar gute Aufnahmen gelingen. Ich bin ja geübt darin, mich für Bilder in alle möglichen Positionen zu verrenken. Der weitere Gang durch das Zentrum führt mich an zahlreichen Cafes vorbei, über den Plan bis zu einer Eisdiele, vor der sich eine lange Menschenschlange gebildet hat. Schade, keine Zeit. Zurück am Auto, es ist mittlerweile 16 Uhr, tippe ich das nächste Ziel in das Navigationsgerät.

Eine Stunde Fahrt wird mir versprochen, die ich als willkommene Pause betrachte. Linksrheinisch geht es nämlich jetzt zum Poppelsdorfer Schloss in Bonn, das sich im späten Sonnenlicht präsentiert. Zum Abschluss fahre ich noch schnell in das Bonner Zentrum, beneide die vielen Menschen in den Cafes am Alten Rathaus überhaupt nicht und mache meine letzte Aufnahme für den heutigen Tag. Noch eine weitere Stunde Fahrt bis ich wieder zu Hause bin. Dort schnell geduscht, die Bilder gespeichert und dann schaue ich mir an, wie sich ab 20.45 Uhr die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der EM schlägt.

Dabei geht mir durch den Kopf, dass ich bei mehrtägigen Reisen normalerweise um diese Uhrzeit noch stimmungsvolle Abendbilder schieße und eigentlich länger als nur diese 12 Stunden unterwegs bin. Fazit des Tages laut GPS: Ich habe rund 350 Kilometer mit dem Auto zurückgelegt und bin 18 Kilometer gelaufen, also alles im normalen Rahmen.

Kein Urlaub, keine Erholung, kein Eis, kein Generationenparcours – egal, ich habe trotzdem den schönsten Beruf der Welt 😉

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