Stille Wasser sind tief, so hieß der Titel eines Schauspiels des einstigen Schweriner Theaterdirektors Friedrich Ludwig Schröder, der im 18. Jahrhundert lebte. Das Stück ist heute weitgehend unbekannt, doch der Titel wird immer noch gerne benutzt, wenn man ruhige und unscheinbare Menschen als geheimnisvoll umschmeicheln möchte. Es ist nicht überliefert, ob Friedrich Ludwig Schröder jemals in Thüringen war. Möglich, aber dass er auch noch einen bestimmten kleinen Ort bei Schmalkalden besucht hat – eher unwahrscheinlich.

Hinweis: Der Inhalt dieses Blog-Artikels stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer mit dem Titel „111 Orte im Thüringer Wald die man gesehen haben muss„.
Denn genau dort ist das stille Wasser tief. Die Rede ist von Springstille, wo sich ein kleiner Quellteich befindet. Hier entspringt die Stille, was der Name des Ortes bereits erahnen lässt. Oberhalb des Teiches lädt ein überdachter Picknickplatz zu einer Pause ein, bei der man am Ufer des kleinen Gewässers verweilen kann. Zugegeben, ganz so tief ist der Quellteich nun doch nicht.
Stille Wasser sind tief
Aber das Flüsschen ist die liquide Variante von Schröders Schauspiel. Ganz harmlos und unscheinbar fließt die Stille, ihrem Namen entsprechend, vom Dorfplatz hinaus aus dem Ort. In westliche Richtung erreicht sie schon nach kurzer Zeit den Ort Mittelstille, wo man sich unweigerlich fragt, ob etwas mittelstill sein kann.

Wenig später nähert sie sich Schmalkalden und trifft dort auf den Stadtteil – wer hätte es gedacht – Näherstille. Nach fast neun Kilometern ist Schluss mit der Stille. Dort mündet der kleine Fluss in die Schmalkalde, wo das Wasser mit einigem Getöse durch Werra und Weser die Nordsee erreicht. Auf ihrem kurzen Stück nimmt die Stille das Wasser von immerhin sieben weiteren Flüssen auf und treibt sogar vier Mühlen an. Außerdem ist sie ein wichtiger Zufluss der deutlich bekannteren Schmalkalde und beherbergt ein Drittel des Schmalkalder Einzugsgebiets. Von wegen also ruhig und unscheinbar. Damit wäre vielmehr bewiesen: Stille Wasser sind tief.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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