Östlich von Oberhof, mitten im dichten Wald und an einem Abhang gelegen, befindet sich der Ausgebrannte Stein, der nur zu Fuß zu erreichen ist. Der ausgebrannte Stein ist ein kleiner Tunnel, in dem man aufrecht stehen und die Arme ausbreiten kann. Ab und an seilt sich eine Spinne von oben ab, aber der Felsen ist nicht lang und daher schnell durchquert.

Hinweis: Der Inhalt dieses Blog-Artikels stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer mit dem Titel „111 Orte im Thüringer Wald die man gesehen haben muss„.
Der Durchgang ist nicht natürlichen Ursprungs, sondern entstand als Teil des Lütsche-Flößgrabens. Dieser wurde im ausgehenden 17. Jahrhundert angelegt, um das Holz vom heutigen Oberhof bis zum Fluss Apfelstädt zu transportieren, ohne Gebühren auf fremdem Territorium zahlen zu müssen. Heute würde man wohl sagen, die Oberhofer wollten die Maut umgehen. Im Jahr 1702 war es dann so weit, und das Holz konnte zum ersten Mal in dem eigens dafür angelegten Graben transportiert werden. Er führte von Oberhof am Hang entlang bis zum Ausgebrannten Stein, am Oberen Stieglitzer Teich und der heutigen Lütschetalsperre vorbei bis Luisenthal.
Zu Fuß durch den Fels
Die größe Herausforderung bei diesem Projekt war der Bau des Tunnels. Das Porphyrgestein des Felsens wurde langsam mit Feuer erhitzt, mit eisigem Wasser abgekühlt und dann Stück für Stück abgeschlagen. Nach der Redewendung »Steter Tropfen höhlt den Stein« dauerte es mehrere Jahre, bis der Fels auf einer Länge von 38 Metern durchstochen war.

Fortan konnte das Holz auf diesem Weg ins Tal verbracht werden – ganze elf Mal. Nach 17 Jahren stellte man den Holztransport auf dem Lütsche-Flößgraben bereits wieder ein und gab die Nutzung auf. Heute würde so ein Projekt vermutlich im Schwarzbuch des Bundes für Steuerzahler aufgeführt werden, denn wirtschaftlich waren der Graben und der Ausgebrannte Stein ein Desaster. Immerhin ist so ein interessanter Wanderweg entstanden, der mit seinen 23 Kilometern Länge an den Stationen des Flößgrabens entlang führt. Für weniger Wanderfreudige besteht auch die Möglichkeit, einem neun Kilometer langen Rundweg ab Oberhof zu folgen und auch auf dieser Tour den Tunnel zu durchqueren.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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