Seetag Nummer 3 auf der Queen Mary 2 begann anders als üblich. Denn um viertel vor 10 wurde praktisch der gesamte Service eingestellt. Grund hierfür war ein Drill der kompletten Crew. Diese gesetzlich vorgeschriebenen Übungen erlebt man ja eigentlich immer wieder mal. Mal wird „Mann über Bord“ trainiert, ein anderes Mal „Feuer an Bord“. Kennt man, bekommt man nur am Rande mit. Aber eine Übung, bei der sich sämtliche Crew-Mitglieder am Heck des Schiffes einzufinden haben, war auch für uns neu und ein besonderes Ereignis.

Nach der Übung ging die Reise wie gewohnt weiter und wir genossen natürlich wieder die Fahrt bei bestem Wetter. Es folgte das Morgen-Trivia, die Ansage des Kapitäns um 12 Uhr, das Lunch und um halb 2 begaben wir uns zur Golf Putting Competition. Wir kennen das schon. Das ist wieder eines dieser kleinen Deckspiele, bei denen sich eine kleine Gruppe Passagiere versammelt und gegeneinander antritt. Das gibt es als Baggo (Säckchen werfen), Ringe werfen, Shuffleboard oder eben auch als eine Art Minigolf.
Ja genau. Minigolf. Bei aller Liebe zur Queen Mary 2, aber so viel Platz für eine ausgiebige 18-Loch-Golfrunde kann man auch hier an Bord nicht erwarten. Bei der Golf Putting Competition soll man schlicht und einfach putten, auf eine Entfernung von vielleicht drei Metern, und etwas treffen, was der Entertainment Host vorgibt. In diesem Fall reden wir von kleinen, mit Klettband überzogene Plastikbälle, die auf einen Teppich geputtet werden sollen. Dieser Teppich mit einer Größe von 0,50 x 1 Meter zeigt eine Landschaft mit verschiedenen Punktezonen. Man erhält die Punkte, die dort angegeben sind, wo der Klettball kleben bleibt. Ganz simpel, einfach nur ein Spiel.
Manchen Passagieren gehen wir aus dem Weg
Aber es gibt Passagiere an Bord, die wohl etwas anderes erwarteten. Etwas überkandidelte Personen trefen ein, die sich offenbar kannten und allesamt ihren eigenen Golfschläger aus Kabine mitbrachten. Und nicht nur das. Einige der Damen und Herren trugen sogar noch einen Golfhandschuh – ihren eigenen selbstverständlich. Wir staunten nicht schlecht, hatten wir das doch auf den anderen Überfahrten noch nie erlebt.


Üblicherweise geht man zu so einem Golf Putting oder auch Chipping, je nachdem, was man gerade machen möchte, um neue Leute zu treffen, 20 Minuten Spaß zu haben, um zu lachen und im besten Fall einen Aufkleber oder Stempel für das Stempelheft zu gewinnen. Man geht dort nicht hin, um zu zeigen und zu prahlen, wie toll man auf dem Golfplatz sei. Wir waren hier, um mit lustigen Menschen eine lustige Runde „Minigolf“ zu spielen. Um sich gegenseitig anzufeuern, zu applaudieren und um zu lachen. Diese Leute waren aber mit ihrem seltsamen Gehabe und gegelten Haaren dort, um anzugeben und um verbissen so zu tun, als seien sie die Besten. Uns war das zuwider und zum ersten Mal auf allen Reisen haben wir abgebrochen.
Unsympathische Personen, mit denen ich an Land nichts zu tun habe, brauche ich schon gar nicht an Bord. Zum Glück bietet dieses Schiff noch viel mehr Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Bei Spielen an den Folgetagen waren diese Damen und Herren erfreulicherweise nicht mehr anwesend.
Nur ein kurzer Showabend für uns
Nach dem Dinner am Abend gab es wieder Showtime und zwar dieses Mal mit einem irischen Comedian. Wir kannten ihn schon von einer früheren Reise und leider ist er uns nicht positiv in Erinnerung geblieben. Denn wir hatten ihn damals einfach nicht verstanden. Wir fanden, er sprach sehr undeutlich – so undeutlich, dass unser Englisch hierfür nicht ausreichte. Und wenn wir ihn akustisch verstanden, dann inhaltlich nicht. Seine Witze waren eher Insider für Bewohner der britischen Inseln.

Hatten wir also mal etwas verstehen können, so waren wir trotzdem die einzigen im Saal, die nicht lachten. Einfach, weil wir es nicht begriffen. Nun war er wieder Teil der abendlichen Bordunterhaltung. Wir beschlossen, kurz hinzugehen, um zu schauen, ob wir dieses Mal mehr verstünden. Aber das war nichts. Nach ein paar Minuten drehten wir uns weg und beendeten auch diese Veranstaltung für uns frühzeitig. Was das betraf, war das wohl nicht ganz so unser Tag. Aber toll war dieser Reisetag dennoch wieder.
Zur Inhaltsangabe für die weiteren Reisetage

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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