2 Monate USA – Tag 7 – Silent Disco

Wir sind mit der Queen Mary 2 mitten auf dem Nordatlantik. Mittlerweile sogar näher an Kanada als an Europa. Da kommt Wehmut auf, wenn man auf den Monitor schaut, um zu sehen, wo wir uns befinden. Da scheint Neufundland schon gar nicht mehr so weit weg. Aber gut, dass wir noch zwei volle Seetage haben. Und schön auch, dass wir fast jede Nacht die Uhr um eine Stunde zurückstellen. So hat man beinahe täglich eine Stunde länger Schlaf. Auf der Rückreise wird die Uhr tagsüber vorgestellt und die Zeit rinnt einem nur so dahin. Aber so weit sind wir noch lange nicht.

Unser heutiger Tag verläuft im Groben natürlich ähnlich wie die vorherigen Seetage. Das heißt, wir frühstücken, drehen unsere Runden auf dem Außendeck auf Deck 7 und nehmen an den englischsprachigen Trivias teil. Bei einem dieser Trivias sitzt am Nebentisch eine Gruppe Passagiere, die am Quiz nicht teilnehmen, sondern Karten spielen. Sollen sie ruhig machen. Auffällig ist jedoch der Hund in ihrem Beisein. Es ist ein kleiner, beinahe schon ängstlicher Hund auf einer orangefarbenen Decke. Niedlicher Anblick – eigentlich.

Doch wir sind mittlerweile ein wenig enttäuscht, wie sehr der Begriff Service Dog interpretiert, ausgereizt und ausgenutzt wird. Hunde, und auch Katzen, können an Bord der Queen Mary 2 mitgenommen werden. Es gibt dafür eine lange Warteliste und im Zuge eines Refits des Schiffes im Jahr 2027 wird dieser Bereich auch umfassend ausgebaut. Aber es ist eben ein Bereich für die Tiere, die von ihren Besitzern stets besucht werden können und wo andere Passagiere selbstverständlich keinen Zugang haben. Warum muss man ein Tier also als Service Dog deklarieren, wenn offensichtlich keine Betreuung des Hundes notwendig ist?

Begleithunde sind für Menschen mit Behinderung gedacht. Meines Wissens für körperliche Behinderungen, um den Menschen zu helfen. Dass Hunde als Begleithund bezeichnet werden, weil der Besitzer psychische Probleme besitzt, hat sich vor einigen Jahren irgendwie dazu entwickelt. Es gibt Menschen mit psychischen Problem, keine Frage. Und davon gibt es jede Menge. Aber hier den Begriff Service Dog für die Haustiere anzuwenden, ist definitiv zum Nachteil derer, die eine körperliche Behinderung besitzen und auf Unterstützung durch einen echten Begleithund angewiesen sind.

Später werden wir auf dieser Reise erfahren, dass zum Beispiel der Bundesstaat South Dakota seit jüngster Zeit gegen dieses Ausnutzen vorgeht. Wir finden das gut so. Und wir sahen einen völlig schüchternen, teilweise sogar verängstigten Hund, der am Tisch einer kartenspielenden Gruppe auf eine Decke gesetzt und völlig ignoriert, beinahe schon vergessen, wurde. Da stellt sich die Frage, wer hier eigentlich Hilfe benötigt. Vielleicht ja doch eher der Hund. Da wir auf unseren Schiffsreisen schon öfter den angeblichen Service Dogs begegnet sind, hoffen wir, dass Cunard zukünftig genauer hinschaut, ob das wirklich ein medizinisch notwendiger Hund ist.

Ansonsten waren wir auf dieser Reise wieder mit diversen gehosteten Spielen beschäftigt. Ringe werfen auf dem Außendeck stand genauso an wie ein nettes Dartturnier. Nach den Erfahrungen des Golfturniers erwarteten wir hier ein paar angebende Dartspieler, die ihre eigenen Pfeile mitbrachten. Aber dem war zum Glück nicht so und alles lief so, wie wir es üblicherweise kennen.

Das Wetter war wieder einmal vorzüglich, das Wetter spielte auch wunderbar mit. Aber trotzdem mussten wir uns kurzzeitig dazu aufraffen, Wäsche zu waschen. Wir erwarteten, dass die Waschmaschinen an den folgenden beiden Tagen gut besucht sein würden und wollten daher schon wenig Vorsorge treffen. Aber der Plan ging nicht ganz auf. Auch an diesem heutigen Tag waren die Waschräume stark frequentiert. Da wir unsere Wäsche bzw. die Maschinen, die gerade unsere Wäsche waschen bzw. trocknen, ungerne unbeaufsichtigt lassen, hat uns das ein bisschen was vom Nachmittag genommen. Aber so ist es halt. Aber besser so, als wenn jemand fremdes unsere Wäsche irgendwo in die Ecke pfeffert, weil wir eine Minute zu spät waren, oder weil – noch schlimmer – die Maschine frühzeitig von demjenigen beendet wurde. Alles schon gesehen…

Dafür hatten wir aber auch wieder einen interessanten Abend mit einer Show im Theater. Harry the Piano spielte auf Zuruf des Publikums diverse Songs, die er spontan zu einem Medley gestaltete. War gar nicht so schlecht. Im Anschluss gingen wir noch in die Disco bzw. den Nachtclub G32. Dort fand die Silent Disco statt. Das kannten wir noch nicht und war eine witzige Angelegenheit. Jeder Teilnehmer erhält einen Kopfhörer mit drei verschiedenen Musikkanälen, aus denen er seinen Favorit wählen kann. Im Raum selbst ist es ansonsten still, während man auf der Tanzfläche zu der Musik tanzt, die man durch den Kopfhörer hört. So passiert es ganz von allein, dass Menschen zusammen tanzen und dabei ganz unterschiedliche Musik hören. Fast schöner als daran teilzunehmen, ist es, den Tanzenden zuzuschauen.

So oder so war es wieder ein wunderschöner Seetag. Der vierte mittlerweile und es bleiben nur noch zwei.

Zur Inhaltsangabe für die weiteren Reisetage

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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