Venushöhle im Thüringer Wald

Wenn es nach den Märchenbrüdern Grimm gehen würde, dann läge nördlich des Thüringer Waldes ewig Schnee. Dort erhebt sich nämlich der kleine Gebirgszug der Hörselberge. Höchster Punkt ist der Große Hörselberg mit einer Höhe von 484 Metern, gefolgt vom Großen Herrenberg. 50 Meter niedriger als der Großer Hörselberg ist der Kleiner Hörselberg, der wiederum vom Kleinen Herrenberg gefolgt wird.

Sie bestehen aus Muschelkalk und sind vom Tal aus gut erkennbar, da sie wie eine Abbruchkante aus den Wäldern hervorstehen. Und genau in dieser Abbruchkante befinden sich zwei sehenswerte Höhlen, die als Heimat der legendären Frau Holle bezeichnet werden. Die größere von ihnen ist die Tannhäuserhöhle, sie wurde erst im Jahr 1928 entdeckt. Benannt wurde sie von einem findigen Gastronomen aus der Region nach Richard Wagners Oper. Diese spielt zu Beginn im Inneren des Hörselbergs beziehungsweise des sogenannten Venusbergs.

Heimat von Frau Holle

Und damit kommen wir zur zweiten Höhle, die bereits früher bekannt war und schon damals Venushöhle genannt wurde. Sie ist mit einer Länge von gerade einmal 15 Metern deutlich kleiner als die Tannhäuserhöhle und wird oft als Schauplatz der Oper bezeichnet. Doch nicht nur Wagner soll hier seinen Protagonisten angesiedelt haben, sondern auch die Gebrüder Grimm. Ihrem Märchen nach springt ein Mädchen in einen Brunnen und muss mehrere Prüfungen bestehen. Dabei trifft sie auf Frau Holle, die über den Wolken lebt und bei der sie die Betten ausschütteln soll. Die Federn in den Kissen fallen schließlich als Schnee zu Boden.

Ob Frau Holle wirklich dort wohnt oder im nicht weit entfernten Hessisch-Lichtenau das als Frau-Holle-Land bezeichnet wird, ist nicht gesichert, denn die beiden Höhlen können nicht betreten werden. Sie sind, und das ist sicher, Winterquartier von sieben verschiedenen Fledermausarten. Dennoch lohnt sich der Aufstieg auf die Hörselberge und zu den verschlossenen Höhleneingängen, weil man von dort einen wunderbaren Ausblick auf den Thüringer Wald genießen und den markanten Großen Inselsberg in der Ferne sehen kann.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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