Mit dem Wohnmobil zum Nordkapp – Teil 1

Das lang ersehnte Ziel meiner siebenwöchigen Skandinavienreise war das Nordkapp. Interessant ist, dass das Nordkapp als Reiseziel ja eigentlich umstritten ist. Die einen halten es für total überlaufen und überteuert, die anderen schimpfen, weil es ja eigentlich nicht der nördlichste Punkt Europas ist. Und die nächsten finden es ziemlich beknackt, dort hinzufahren, nur um sagen zu können, dass man dort gewesen sei. Was ich vom Nordkapp halte? Das erzähle ich gerne:

Für mich ist das Nordkapp nicht nur irgendein Punkt, zu dem man hinfährt. Es ist auch die Fahrt dorthin natürlich. Man durchquert ganz Skandinavien von Süd nach Nord und sieht schon auf dem Weg so viele beeindruckende Landschaften, dass man immer wieder gerne irgendwo anhalten möchte. Ob das nun der spektakuläre Kjeragbolten ist oder die Lofoten, es ist eigentlich überall schön. Zugegeben, man kann es natürlich auch so machen wie der junge Stuttgarter, der mit seinem Mercedes T-Modell in einem Rutsch nordwärts fuhr, vor dem Kassenhäuschen des Nordkapps wendete, weil ihm der Eintritt zu teuer war und schnurstracks wieder zurück fahren. Was er gesehen hat? Die E4 auf dem Hinweg und die E6 auf dem Rückweg.

Wie auch immer. An einem sonnigen Mittwoch war es endlich soweit, nachdem wir Hammerfest verließen und am Nachmittag das Nordkapp erreichten. Am Kassenhäuschen zahlten wir brav und erhielten die Info, dass wir mit dem Wohnmobil 48 Stunden parken dürfen. Na wunderbar, Wassertank ist voll, Abwasser hatten wir rechtzeitig geleert und genug zu essen hatten wir auch an Bord. Warum sollten wir uns also in den nächsten zwei Tagen fortbewegen? Und überhaupt, wer redet eigentlich ständig von dem immer nebeligen Nordkapp an dem man ja gar nichts sehen könnte? Hey, es waren 15° Grad, blauer Himmel und Sonnenschein. Was will man mehr?

Rund 20 Wohnmobile standen auf dem Parkplatz, was ich überschaubar finde. Ich habe schon weniger spektakuläre Stellplätze mit mehr Fahrzeugen gesehen. Wir stellten das Auto ab, schauten uns um und betraten die Nordkapphalle. Dort wurden wir zunächst von einer Vermisstenanzeige überrascht, bevor wir uns umschauen konnten. Ein wenig belebtes Restaurant zur Rechten, ein überschaubarer Souvenirladen zur Linken und geradeaus eine Fensterfront durch die wir bereits den berühmten Globus sehen konnten. Also wieder hinaus ins Freie und das erste standesgemäße Foto des Globus und des sich dahinter erstreckenden Polarmeers gemacht. Es sollten noch viele Bilder folgen. Ich muss zugeben, mir gefiel es. Eine karge Landschaft, relativ wenig Besucher und eine Nordkapphalle mit Toilette, W-Lan und einem faszinierenden Ausblick Richtung Spitzbergen und Nordpol.

Wurden wir am Tag zuvor Mitglied im Eisbärenclub, so stand nun die Mitgliedschaft im Royal North Cape Club an. Auch diese kann man nur vor Ort erwerben, dafür garantiert sie den kostenlosen Besuch des Nordkapps bis zum Lebensende. Und dass dies nicht mein letzter Nordkapp-Aufenthalt sein sollte, war mir schon nach fünf Minuten klar. Ich kann wahrscheinlich nicht richtig beschreiben, warum es mir so gefallen hat. Aber es hatte eine gewisse Ähnlichkeit wie eine Pilgerfahrt. Seit Wochen waren wir unterwegs zu diesem Ziel, haben eine Menge gesehen und erlebt und jedem, wirklich jedem, der hier oben war, ging es unterwegs wahrscheinlich genauso. Jeder hätte tolle, interessante Geschichten und Erlebnisse zu erzählen.

Und ein Jeder freut sich darüber, dass er am Nordkapp angekommen ist. Ob das nun die italienischen Motorradfahrer waren, die – stolz über ihre Fahrleistung – ihre Flagge am Globus ausrollten oder die Fahrradtouristen, denen die letzten 30 Kilometer durch die karge und vor allem hügelige Insellandschaft quälend lang vorgekommen sein müssen. Jeder war stolz, endlich angekommen zu sein. Nach dem Globus machten wir uns auf, das Untergeschoss der Nordkapphalle zu erkundigen, hatten noch einen spektakulären Fototermin und begrüßten die Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes – doch dazu kommen wir in Teil 2.

Hier geht es zum gesamten Bericht der Reise mit dem Wohnmobil zum Nordkap.

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