Auf den Spuren der Titanic

41.731944 nördliche Breite und -49.945833 westliche Länge. Das sind die Koordinaten, wo sich das wohl berühmteste Kreuzfahrtschiff der Welt befindet – in einer Tiefe von rund 3.800 Metern. Die Rede ist natürlich von der „unsinkbaren“ Titanic. Schon als Kind war ich von diesem Schiff fasziniert. Lange, bevor ein gewisser Leonardo in einem überfluteten Hollywoodstudio nach seiner Filmpartnerin Rose rief. In den 80ern hatte ich ein Modell des Schiffes von Revell zusammengebaut, das in meinem Kinderzimmer zwar vor sich hinstaubte, aber trotzdem mein ganzer Stolz war. Und alles, was es über die Titanic zu lesen gab, habe ich gelesen. Vielleicht lag das daran, das zu der Zeit das Wrack des Schiffes entdeckt wurde oder weil Peter Schilling während der Neuen Deutschen Welle mit seinem Lied Terra Titanic regelmäßig im Radio zu hören war.

Außerdem waren die Titanic-Filme der 50er-Jahre immer wieder im Fernsehen zu sehen. Man kam also kaum an dem Schiff vorbei. Und natürlich war ich auch Ende des letzten Jahrhunderts im Kino, um mir den oscarprämierten Film von James Cameron anzuschauen. Das war allerdings eine „schwere Zeit“ für mich, denn wenn ich dann gesagt habe, dass mich das Schiff interessiere, dann gehörte man halt zu den Millionen Menschen, die sich plötzlich alle für die Titanic interessierten. 😉

Ich fuhr anschließend noch nach Hamburg, um mir eine Titanic-Sonderausstellung mit gehobenen Wrackteilen und Fundstücken anzuschauen. Und ich nahm sogar voller Hoffnung an einer Verlosung teil, bei der man während des Titanic-Hypes eine U-Boot-Fahrt zum Wrack gewinnen konnte. Ausgerechnet ich, der in geschlossenen Räumen durchdreht und deswegen kein Flugzeug, keinen Fahrstuhl und schon gar kein U-Boot besteigen würde. Na ja, aber ich habe ja eh nicht gewonnen. Als ich erfuhr, dass sich in Belfast nun eine dauerhafte Titanic-Ausstellung befindet, war die Sache natürlich klar. An dieser Stelle nochmal ein Dankeschön an die irische Touristeninformation für den Tipp 😉

Die Ausstellung befindet sich im Hafen von Belfast, genauer gesagt an den Docks, wo das legendäre Schiff gebaut wurde. Seit der Eröffnung im März 2012, pünklich zum 100. Jahrestag des Untergangs, bis Ende Juli 2013, haben die Ausstellung bereits eine Million Menschen gesehen. Und dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr. Schon das Gebäude wirkt spannend und ist einem Schiffsbug nachempfunden. Der Rundgang beginnt in der obersten Etage und man arbeitet sich langsam hinab ins Erdgeschoss. Dabei beginnt die Geschichte mit der Leinenherstellung in Belfast, führt über die Arbeiten in den Docks zum Bau des Schiffes.

Und es ist absolut keine trockene, langweilige Abfolge von Daten und Fakten, sondern eine multimediale Ausstellung mit computersimulierten Elementen, die ich zuvor noch nicht gesehen habe. Manchmal steht man in Räumen, in denen Projektionen an die Wand geworfen werden und wenn man auf diese projizierten Bilder „klickt“ bzw. sie mit der Hand berührt, verändern sich diese. Um die Arbeiten im Trockendock darzustellen, fährt man in der Kabine einer Schwebebahn durch eine große Halle und kann sich alles in Ruhe anschauen. Es folgt natürlich die Kollision mit dem Eisberg, die Informationen über den Untergang mit den beklemmenden Funksprüchen und vieles mehr. So viel, dass man alleine schon für das Museum einen ganzen Tag einplanen sollte, will man wirklich alle Informationen, Videos und Bilder in Ruhe betrachten.

Gleich hinter dem modern gestalteten Museum geht es mit einem zehnminütigen Fußmarsch zu den Docks. Genauer gesagt, zur ehemaligen Werft von Harland & Wolff, in der die Titanic gebaut wurde. Beworben wird diese Sehenswürdigkeit, die dort seit 1911 beinahe unverändert steht, mit dem Hinweis, dass sei die einzige authentische Titanic-Landmarke der Welt. Und tatsächlich, es ist schon irgendwie ein irres Gefühl, in diesem riesigen Trockendock zu stehen, in dem über Monate hinweg das Schiff gebaut wurde. Vom Dock aus führt der Titanic-Trail wieder zurück an der Titanic-Ausstellung vorbei in die Innenstadt von Belfast. Dort erinnern auf dem Donegall Place Stahlskulpturen an weitere Schiffe der Reederei White Star Line wie z. B. die Britannic, Laurentic und die Oceanic.

Am Ende der Straße erreicht man die Belfast City Hall, wo sich am östlichen Parkende der Titanic Memorial Garden befindet. Auf mehreren Bronzetafeln wird sämtlichen Opfern namentlich gedacht. Von Mr. John Henry Stagg, um nur einen zu nennen, bis hin zu Benjamin Guggenheim. Das sollte für mich jedoch nicht der einzige Ort sein, an dem an die Titanic gedacht wird. Einige Tage später war ich natürlich noch in Southampton, wo das Schiff zu ihrer Jungfernfahrt ablegte. Dort gibt es gleich zwei Denkmäler, zum einen für die Musiker, die angeblich bis zum letzten Augenblick auf Deck gespielt haben und zum anderen eines auch für die Maschinisten, die vermutlich die ersten Todesopfer gewesen sein dürften.

Schlussendlich war ich auch in London, genauer gesagt, in Greenwich, das ganz im Zeichen des maritimen Lebens steht. Dort befindet sich im Park des National Maritime Museums ebenfalls ein Titanic-Memorial-Garden, der jedoch recht unscheinbar ist und den man beinahe übersehen könnte. Weitere Stationen, an denen man an die Titanic erinnert werden kann, sind die irische Ortschaft Cobh, wo das Schiff zum letzten Mal ankerte, die französische Stadt Cherbourg und die kanadische Stadt Halifax, wo sich die meisten Gräber der geborgenen Leichen befinden. Über Kommentare und weitere Informationen freue ich mich hier im Blog oder auch im Reiseforum.

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