Nordkap

2012 – (2) Auf dem Weg zum Nordkap


 

Mit dem Wohnmobil zum Nordkap

Wanderung zum Dreiländereck

Montag, 30. Juli 2012
Nach dem Aufstehen waren wir direkt auf der E6, fuhren weiter und machten Halt an einer kleinen Hütte, die von einem Sami betrieben wurde. Dieser bzw. diese verkaufte hier Felle, Sami-Flaggen, Geweihe und noch so allerlei Zeug. Wir waren uns nicht sicher, ob das wirklich traditionelle Handwerkskunst war oder maschinell erzeugte Produkte. Es kam uns eher wie letzteres vor und auch die Lage direkt an der E6 verstärkte unseren Eindruck, weshalb wir nichts einkauften, sondern auf die E8 wechselten. Zum ersten Mal nach Tagen fuhren wir mehr oder weniger in südliche Richtung. Unser Ziel lautete nämlich, Norwegen zu verlassen. Zumindest für ein paar Stunden. Schon bald kam der Grenzübergang. Kein Mensch war zu sehen und ich parkte den Wagen hinter dem Grenzzaun. Es war nicht viel Verkehr hier oben, aber jedes Mal, wenn ein Auto vorbei fuhr, bellte ein Hund. Doch wir sahen niemanden. Weder einen Hund noch einen Menschen. Aber diese unwirkliche Situation kam uns seltsam vor, wirkte sogar etwas unheimlich.

 

Dennoch, die Neugier packte uns und wir versuchten dem auf den Grund zu gehen. Doch als wir draußen suchten und das nächste Auto vorbei fuhr, war alles klar. Die Norweger grenzten sich von der EU ab, indem sie ihre Grenze mit einem Bewegungsmelder und einem Lautsprecher absicherten. Natürlich sollten damit keine Menschen aufgehalten werden, sondern vielmehr Tiere. Welche Art von Tieren ist mir nicht bekannt. Vielleicht Rentiere, Elche oder Bären? Wie auch immer, sobald man sich auf der Straße von Finnland aus der Grenze zu Norwegen nähert, dann bellt es aus einem Lautsprecher. Rechts und links der Straße waren natürlich ewig lange Zäune. Nun ja, wir ließen es bellen und fuhren weiter durch Lappland. Schon bald hinter dem Grenzzaun kam auch ein Grenzhäuschen. Doch niemand interessierte sich für uns, so dass wir direkt durchfahren konnten.

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Weit wollten wir aber nicht, denn auf der rechten Seite wartete ein Parkplatz auf uns. Von diesem Parkplatz aus starteten wir zu einer Wanderung zum Dreiländereck Norwegen, Finnland und Schweden. Ich habe bereits im Blog ausführlich über die Wanderung berichtet, weshalb ich mich hier kurzfassen möchte: Es war schön, einsam und es gab viele Mücken. Man kann auch mit einem Schiff zum Dreiländereck fahren. Doch einerseits wollten wir das nicht, andererseits war die Überfahrt ganz schön teuer. Das war es uns nicht wert, wir hatten ja Zeit.
Nach der ausgiebigen Tageswanderung, auf der wir nicht nur das Dreiländereck aufsuchten, sondern damit auch gleichzeitig den nördlichsten Punkt Schwedens, verließen wir Finnland wieder auf der E8 und fuhren nordwärts.

 

Es war schon spät und es dämmerte, weshalb wir schleunigst einen Rastplatz haben wollten. Wir kannten die Elchgefahr, die besonders in den Dämmerstunden hoch ist. Und das brauchten wir wirklich nicht. Außerdem war es wolkenverhangen auf der Straße, da wir einiges an Höhenmetern gemacht hatten. Man könnte auch sagen, es war nebelig. Daher fuhr ich sehr langsam, war ja eh keiner hinter uns. Und irgendwann lichtete sich der Nebel, da wir immer mehr an Höhe verloren. Kaum war der Nebel weg, die Sicht besser und ich konnte etwas beschleunigen, da tat sich plötzlich was im Gebüsch auf der rechten Seite. Ich hatte es gerade noch im letzten Augenblick bemerkt, als eine Elchkuh völlig ruhig und wie weggetreten auf die Straße trat und sie im gleichen Moment überqueren wollte. Was heißt „wollte“? Der Elch tat es auch. Ich trat so fest wie möglich auf die Bremse, spürte das ABS unter meinem Fuß und lenkte instinktiv nach links. Dabei fiel mir ein, dass ich noch wenige Tage zuvor gelesen hatte, man solle in die Richtung lenken, aus der der Elch kommt und nicht in die Richtung, in die er hingeht. Aber das war nun zu spät.  Glücklicherweise bekam ich die dreieinhalb Tonnen Fahrzeuggewicht noch zum Stehen und der Elch trottete nur einen Meter vor unserer Windschutzascheibe vorbei. Was für ein Anblick. Beide saßen wir auf unseren Sitzen und bekamen den Mund nicht mehr zu. Und bevor auch nur irgendeiner denken konnte, dass wir eine Kamera rausholen sollten, war der Elch auch schon links im Unterholz verschwunden. Genauso ruhig und unbeeindruckt wie er auftauchte.

Der nächste Halt sollte unserer sein. Und so fuhren wir ganz langsam und vorsichtig noch bis in das nahe gelegene Skibotn, stellten uns dort auf einen Parkplatz zwischen der E6 und dem Meer und verdauten erst einmal unser erstes Elcherlebnis. Es sollte nicht das letzte gewesen sein.

 

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9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  3. Das sind ja wundervolle Reisen und schöne Fotos, die Du bisher gemacht hast. Wir sind damals über Schweden hoch zum Nordkap gefahren und über Norwegen wieder nach Hause. 5 Wochen hatten wir dafür Zeit und die braucht man mindestens, denn es sind unglaubliche Entfernungen. Am Nordkap angekommen, reichten die Wolken bis zur Meeresoberfläche. Unsere Enttäuschung war entsprechend groß, aber so ist die Natur.
    Wir wünschen Dir noch viele schöne Reisen.

    • Hallo,
      danke für das Kompliment. Ihr habt aber auch schon so einiges hinter euch, Respekt. Kannte eure Seite noch gar nicht und werde mich mal in den nächsten Tagen ein wenig einlesen. Klingt auch alles ziemlich gut, nur in Sachen Indien weiß ich nicht, ob das etwas für mich wäre. Muss ich mal lesen, was ihr da so erlebt habt.
      Viele Grüße
      Michael

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