Sonneninsel bei Minheim

Wanderung um die Sonneninsel bei Minheim

Unsere Wanderung rund um die Sonneninsel bei Minheim führt uns fast beständig zwischen den Weinbergen hindurch. Je nach Jahreszeit binden die Winzer die Triebe ihrer Rebstöcke, schneiden die Geizen ihrer Pflanzen zurück, bearbeiten den Boden oder transportieren mit ihren Traktoren körbeweise Trauben und unten an der Mosel steuern Kapitäne ihre Frachtschiffe durch eine Staustufe. Auf dieser Wanderung genießen wir die angenehme Ruhe und lassen den Alltag hinter uns.

Der folgende Text stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer „Wanderungen an der Mittelmosel“. Die Angaben können daher veraltet sein.

An der Kirche von Minheim beginnen wir mit der Wanderung um die sogenannte Sonneninsel Minheim. Wir können uns aber auch vorab in dem in Sichtweite liegenden Restaurant Zur Brücke stärken.

Staustufe Wintrich an der Mosel

Staustufe Wintrich an der Mosel

Wanderung um die Sonneninsel bei Minheim

In einer engen Schleife der Mosel schmiegt sich die kleine Ortschaft Minheim an der sanft ansteigenden Bergkuppe. An den Hängen des Rosenberg reiht sich hier in der gleichnamigen Weinlage Weinberg an Weinberg. Die Sonne lässt die Trauben hier schon seit fast 1.000 Jahren reifen, sodass die Einwohner auch von der Sonneninsel sprechen.

Am 3. September des Jahres 1061 vermachte der Trierer Erzbischof die Gemeinde dem Benediktinerorden. Dem Orden folgten als Besitzer das St. Simeonsstift, das Trierer St. Marienhospital, der Graf von Blieskastel, die Franzosen und später die Preußen. Heute gehört die Ortschaft mit weniger als 500 Einwohnern zu Neumagen-Dhron und präsentiert sich mit mehreren denkmalgeschützten Bauten. Bei Wohnmobilreisenden ist die Sonneninsel nicht nur wegen der idyllischen Lage beliebt, sondern auch wegen des preisgekrönten Wohnmobilstellplatzes, der direkt am Ufer der Mosel zur Übernachtung einlädt.

Blick auf Piesport

Blick auf Piesport

Wir gehen vor der Kirche ein kleines Stück die Straße hinab und wenden uns nach links in die Moselweinstraße. Dort lockt der Landgasthof Centralhof mit seiner appetitanregenden Speisekarte. Wir schlendern an hübschen Wohnhäusern mit weinumrankten Fenstern vorbei, bis wir nach links in die Klausener Straße einbiegen. Zusammen mit den Nutzern der öffentlichen Verkehrsmittel wandern wir nun gemeinsam bergauf. Eine Pilgermuschel an einer Hauswand weist darauf hin, dass die Straße Teil des Jakobswegs ist. Wir wenden uns nach rechts und vernehmen auf unserem Weg aus dem Ort hinaus Gesprächsfetzen älterer Dorfbewohner. Doch mit dem Verstehen haben wir einige Probleme, denn sie unterhalten sich in Moselfränkisch.

Moselfränkisch bei Minheim unterwegs

„Wäär bisch dann duu?“ fròòd de glään Brins. „De bisch aarisch scheen.“
„Äich sénn e Fox“, saad de Fuggs.
So ähnlich würde es klingen, wenn der berühmte Kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry auf einen Fuchs an der Mosel treffen würde. Dabei ist dieses Beispiel noch nicht einmal reines Moselfränkisch, wie der Dialekt rund um die Mosel genannt wird. Zum Moselfränkischen, welches gerne auch als Moselplatt bezeichnet wird, gehört neben Trierisch auch Siegerländisch, die Eifler Mundart, das West-Westerwäldisch und der Dialekt Untermosellanisch. Mit seiner Aussprache gilt Moselfränkisch als Exot unter den deutschen Mundarten. Da ist es kein Wunder, dass kaum ein Deutscher außerhalb der Region bei einem Dialog zwischen zwei Moselfranken mithalten kann, wenn diese so richtig zu „schwaätzen“ anfangen. Man würde es dann wohl so höflich halten wie der Kleine Prinz:„Jòò, soo langsamm fang isch aan, se begreife“.

Am Ende der Klausener Straße wenden wir uns nach rechts und gelangen zum ehemaligen Eichhaus, in dem wir z.B. verschiedene Glaskolben sehen, typische Utensilien, die man früher zum Eichen von Weinfässern benötigte. Wir wandern am Eichhaus vorbei, lassen die letzten Häuser von Minheim hinter uns und folgen geradeaus einem landwirtschaftlichen Nutzweg. Die ungezählten gradlinig angeordneten Rebstöcke beiderseits unseres Wanderwegs strahlen Ruhe aus. An einer Gabelung halten wir uns halblinks und steigen auf dem sanft ansteigenden Weg zwei Weinbergsterrassen höher und halten uns dann an der Gabelung rechts. Zu unserer Rechten beobachten wir das Treiben auf der Mosel und sehen, wie die Schiffe auf den Einlass in die Staustufe Wintrich warten.

Blick auf Piesport

Blick auf Piesport

Blick auf die Staustufe Wintrich

Ganz langsam und vorsichtig bugsiert der Steuermann das 100 Meter lange Güterschiff in die schmale Lücke zwischen den Kaimauern. Seine Mitarbeiter befestigen den tonnenschweren Kahn mit Seilen, während sich hinter dem Schiff langsam das Schleusentor schließt. Das Schiff ist nun befestigt, doch wer genau hinschaut, wird sehen, dass es trotzdem in Bewegung ist – und zwar abwärts. Wie bei einer großen Badewanne, aus der man den Stöpsel gezogen hat, sinkt das Wasser und damit das Schiff mehrere Meter nach unten. Im Schnitt trifft ein Schiff zwischen dem Grenzübergang und der Mündung in den Rhein alle 19 Moselkilometer auf eine Staustufe und überwindet dabei Höhen zwischen 3 und 9 Metern. Ein Schleusengang dauert rund 20 Minuten, bevor das Schiff wieder klar gemacht wird, und dann heißt es: „Volle Fahrt voraus“.

Die Wehre haben aber neben dem Schleusen oft noch eine weitere Aufgabe, die Stromerzeugung. Das gilt für alle zwölf Moselstaustufen auf deutscher Seite, die insgesamt 180 Megawatt Strom in das Stromnetz einspeisen, und für fünf der 16 Staustufen auf französischer Seite.

Wir genießen den Ausblick auf die Mosel und folgen der Beschilderung des Sonneninselrundwegs nach links. Mit Serpentinen wandern wir an Weinbergen vorbei höher. Wir biegen nach rechts in eine wenig befahrene Straße ab. Aber verlassen sie schon nach wenigen Metern nach rechts, um wieder zwischen Weinbergen zu wandern. In der Kurve am Waldrand machen wir geradeaus einen kurzen Abstecher zur Burglay, einer deutlich sichtbaren Felsnase, die über einen Weinberg herausragt. Zwei Sitzbänke laden an diesem Aussichtspunkt zu einer entspannten Pause ein. Sie bieten uns einen prächtigen Blick auf die Weinberge über Minheim, das Tal der Mosel, auf die Staustufe sowie auf das kleine Örtchen Wintrich. Nach dieser Rast gehen wir zum Weg zurück und folgen der Ausschilderung Römersteig nach Kesten.

Kapelle oberhalb von Minheim

Kapelle oberhalb von Minheim

Auf dem Römersteig an der Mosel

Nach einer leichten Steigung erreichen wir eine Kreuzung, halten uns links, wandern weiterhin durch die duftende Weinlandschaft und queren eine kleine Straße. Schon bald danach biegen wir hinter einem Hochsitz nach links ab. Wir blicken nun auf der anderen Seite der Moselschleife auf das westliche Moseltal und den Ort Piesport hinab. Mit einem weiten Bogen wandern wir zwischen den Weinterrassen. Am Ende des Wegs wenden wir uns nach links und kommen zu einer kleinen für Besucher geöffneten steinerne Kapelle mit schiefergedecktem Dach.

Hummeln brausen summend um leuchtende Blüten, und der Kleine Fuchs, ein Schmetterling, scheint um uns zu tanzen, während wir bergab steigen. Wir kommen an einer Spindelkelter, die den Druck zum Pressen der Trauben mit einer mechanischer Spindel erzeugten, vorbei. Wir genießen noch einmal den Blick nach Piesport, beneiden die Wohnmobilfahrer wegen ihres schönen Übernachtungsplatzes direkt am Moselufer, und vor uns scheint sich die Kirchturmspitze von Minheim langsam aus dem Weinberg zu erheben.

Sonneninsel bei Minheim

Sonneninsel bei Minheim

Hinter einem schönen Picknickplatz locken im Spätsommer und Herbst die Früchte eines Apfelbaums, und wir erreichen nach einer weiten Linkskurve wieder Minheim. Noch vor den Häusern biegen wir rechts ab, an der T-Kreuzung wenden wir uns nach links und schwenken dann nach rechts in die Weinbergstraße. Auf unserem Weg zu unserem Ausgangspunkt, der Minheimer Kirche, versuchen wir nochmals, ein paar moselfränkische Gesprächsfetzen zu verstehen.

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