Ausblick auf Kröv

Wanderung oberhalb von Kröv an der Mosel

Sanft schwingen die Baumspitzen hin und her, Eichelhäher flattern durch den Wald, ein kleiner Bach plätschert einen Hang hinab. Und wir Wanderer werden Teil dieser idyllischen Waldkulisse bei Kröv. An romantischen Picknickplätzen genießen wir Fernsichten auf die Berge der Mosel und auf einem Schieferpfad lernen wir Interessantes über dieses Gestein, auf dem auch der Wein besonders gut gedeiht.

Der folgende Text stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer „Wanderungen an der Mittelmosel“. Die Angaben können daher veraltet sein.

An der Parkmöglichkeit vor dem Campingplatz informiert uns eine Hinweistafel über die lokalen Wanderwege. Wir entscheiden uns für den Weg, der uns mit einem blauen Dreieck vor dem Campingplatz nach links wandern lässt. Der schotterige Untergrund knirscht unter unseren Füßen, wenn wir den Parkplatz verlassen und an einem Spielplatz vorbei gemütlich in den Wald hinein wandern. Unser Weg verläuft zunächst sanft, nach einer Rechtskurve jedoch deutlicher steiler bergab. Schon bald schwenken wir nach links in einen einmündenden Weg.

Der noch junge Weinbergpfirsich

Der noch junge Weinbergpfirsich

Wir genießen die Stille im Wald, die nur vom fröhlichen Gesang zahlreicher Vögel unterbrochen wird. Ab und an lassen sich Drosseln und Rotkehlchen blicken und verneigen sich vor uns, als ob sie einen Applaus für ihre unterhaltsame Darbietung erwarten. Die hohen Fichten geben immer wieder mal einen Ausblick nach Süden frei, wo wir das schmale Band der Mosel und die Dächer des Weinstädtchens Kröv erkennen.
In kräftigen Farben leuchten die Blüten des Roten Fingerhuts am Wegesrand. Doch Vorsicht, die schöne Pflanze mit den herzwirksamen Wirkstoffen ist hochgiftig – sie war Giftpflanze des Jahres 2007.

Auch mit dem gelb strahlenden Jakobskreuzkraut ist nicht zu spaßen. Daher lassen wir die schönen Pflanzen besser unberührt und folgen einem Wegweiser nach rechts. Der schmale Pfad führt uns hinab, nicht nur zu einer schönen Aussicht in das Moseltal, sondern auch an einen Picknickplatz, der zu einer Pause einlädt. Unter einer Eiche genießen wir daher den Blick auf das idyllische Kröv.

Kröv ist ein kleiner, ruhiger Weinort mit einer gemütlichen Fußgängerzone, an der sich einige rustikale Fachwerkhäuser aneinanderreihen. Mehrere Cafés und Straußwirtschaften laden zur Einkehr im pittoresken Ortskern oder an der lieblichen Moselpromenade ein. Bekannt ist Kröv vor allem für seine Weingroßlage mit dem außergewöhnlichen Namen Kröver Nacktarsch. In zwei der vier Einzellagen des Nacktarschs werden Rieslingreben angebaut, auf den anderen beiden wachsen Müller-Thurgau- und Spätburgundertrauben. Ungewollte Aufmerksamkeit erlangt das kleine Kröv im Jahr 1966, als einer der 24 Nationalsozialisten, die in Nürnberg verurteilt wurden, sich nach seiner 20-jährigen Haftstrafe in Kröv niederließ. Sein Grabstein auf dem Kröver Friedhof trägt die Inschrift „Ich war einer von euch“.

Kirche in Kröv

Kirche in Kröv

Am Picknickplatz steigen wir die Treppen hinab, benetzen unser Gesicht mit dem kühlenden Wasser eines Brunnens und biegen dann nach rechts ab. Nach nur wenigen Metern erfahren wir, dass wir uns nun auf dem Schieferwanderweg befinden. Informationstafeln vermitteln uns Interessantes und Wissenswertes zum Schiefer, welcher für das Tal der Mittelmosel besonders wichtig ist.

Das Wort Schiefer stammt vom althochdeutschen scivaro ab und steht für das Wort Splitter. Charakteristisch, und daher auch der Name, sind die dünnen Platten, aus denen Schiefer besteht. Entstanden ist Schiefer über einen Zeitraum 300 bis 400 Millionen Jahren, von der Ablagerung bis zur Faltung. Die aneinander gepressten dünnen Platten des Natursteins Schiefer sind leicht spaltbar. Manche Schieferplatten lassen sich sogar von Hand trennen, was in der Weiterverarbeitung einen deutlich geringen Energieaufwand bedeutet.

Am häufigsten kommen die Schieferplatten im Hausbau zum Einsatz. Neben der Verkleidung von Außenwänden werden sie vor allem als Dachschindeln verwendet. Da sich der Stein von Schieferstätte zu Schieferstätte unterscheidet, kann die Nennung der Stätte, ähnlich wie bei einer Weinbaulage, Rückschlüsse auf die Qualität geben. Der Moselschiefer macht heute über die Hälfte des bundesdeutschen Schieferabbaus aus.

Mit tollen Ausblicken wandern wir nicht nur oberhalb der Weinlagen Letterlay und Steffensberg, sondern auch an Obstbäumen vorbei. Der Schieferwanderweg endet mit verschiedenen eindrucksvollen, aus dem Fels geschlagenen Schieferstücken. Gleich darauf endet auch unsere Aussicht auf das Moseltal, denn unser Weg bringt uns wieder in den Wald hinein. An einem Wegweiser mit dem blauen Dreieck und einer Sitzbank verlassen wir den breiten Schotterweg nach rechts. Auf dem weichen Waldboden führt uns der Pfad bergauf. Farne kitzeln uns an den Unterschenkeln, wenn wir durch das knöchelhohe Gras spazieren und nach kurzer Zeit einen Forstweg überqueren.

Straßen und Weinberge kreuz und quer

Straßen und Weinberge kreuz und quer

Unter moosbewachsenen Ahornbäumen gelangen wir zu einer weiteren Sitzbank, an der wir uns nach rechts wenden. Am Waldrand entlang wandernd, werden wir von Schwarzen Stockrosen überrascht, doch schon bald tauchen wir wieder in den dichten Wald ein. Der Waldweg führt uns aufwärts und vom Hang zu unserer Rechten erreicht uns das plätschernde Wasser des kleinen Schneiderbachs, den wir – da nicht breiter als ein Rinnsal – trockenen Fußes überqueren.

Die Baumwipfel hoch über unseren Köpfen wiegen sich im Wind, und es dauert ein Weilchen, bis der Weg uns wieder an den Waldrand führt.
Wir biegen rechts ab und sehen auf der anderen Seite der Mosel – am unbewachsenen Hang zwischen den Bäumen gut zu erkennen – den sogenannten Kröver Felssturz.

Ausblick auf Kröv

Ausblick auf Kröv

Felssturz gegenüber von Kröv

Wir schreiben den 23. Mai 1992. In den Abendnachrichten wird neben den Lottozahlen berichtet, dass der Außenseiter Hannover 96 DFB-Pokalsieger wurde und dass es an der Mosel zu einer Explosion kam, die 60.000 Kubikmeter Gestein in Bewegung brachte.
Doch was war passiert? Seit Tagen drohte ein Fels gegenüber der Ortschaft Kröv aus dem Moselberg hinab in die Mosel zu stürzen und damit eine Flut auszulösen, die den Ort überschwemmen könnte. Das lockere Schiefergestein ragte wie ein kaputter Zahn aus dem Berg heraus.

Es war natürlich nicht nur eine Gefahr für die Ortschaft, sondern auch für die Schifffahrt und den Straßenverkehr. Nur eine gezielte Sprengung konnte ein Unglück verhindern. Und so erfolgte unter dem Beifall Tausender Schaulustiger und vor laufenden Kameras der kontrollierte Felssturz.
Felsstürze sind in der Region keine Seltenheit. Ostern 1996 fiel ein fünf Tonnen schwerer Schieferbrocken bei Traben-Trarbach auf die Bundesstraße. Und 2001 lösten sich mehrere Tonnen Geröll aus einem nahe gelegenen Weinberg.

Weinberge wohin man schaut

Weinberge wohin man schaut

Und wieder nimmt uns der Wald auf. Wir erkennen es am typischen Geruch der Nadelhölzer, der sich in der Nähe von frisch geschlagenen und gestapelten Holzstämmen am Wegesrand noch verstärkt. An einer Kreuzung biegen wir scharf nach rechts ab und folgen dem blauen Dreieck, das uns sicher mit einen weiten Linksbogen durch den Wald führt. Und wir Zeit haben, geschäftige Eichhörnchen beim Anlegen ihres Wintervorrates zu beobachten. Kurz nachdem sich der Wald zu unserer Linken lichtet und den Blick auf ein Feld frei gibt, biegen wir nach rechts ab und wandern an hohen Sträuchern entlang. Dazwischen verstecken sich die weißen Blüten der Schafsgarbe, einer Heilpflanze, die schon die Griechen kannten. Doch wir erreichen schon bald den Campingplatz, gehen nach links und nach rechts um die Rezeption herum zu unserem Ausgangspunkt.

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