Mosellandschaft bei Wintrich

Wandern in den Weinbergen von Wintrich

Im Süden der Mittelmosel weitet sich das Tal immer mehr, sodass die Aufstiege durch die herrlichen Weinberge entlang unzähliger Rebstöcke sanft verlaufen. Dennoch, oder gerade deswegen, erleben wir bei Wintrich fantastische Weitblicke in die Eifel hinein. An schönen Picknickplätzen genießen wir die Ruhe und Idylle der Mosellandschaft oder bilden uns auf einem Waldlehrpfad fort. Am ehemaligen Franziskanerinnenkloster vorbei, wandern wir in Ufernähe zurück in das gemütliche Moseldorf Wintrich.

Der folgende Text stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer „Wanderungen an der Mittelmosel“. Daher können die Angaben veraltet sein.

Vom Parkplatz an der Haltestelle Wintrich, Schulstraße in der Moselweinstraße begeben wir uns mit wenigen Schritten zum Zentrum von Wintrich. Wir sehen bereits an Hand von Weinfässern vor den Häusern, dass natürlich auch Wintrich einen großen Bezug zum Wein hat. Gleichzeitig nehmen wir hier die Wanderer auf, die mit dem Bus anreisen.

Bäume vor Weinbergen

Bäume vor Weinbergen

Das Gebiet von Wintrich wurde bereits von den Kelten und Römern bewohnt. Der keltisch-römische Name Vindriacum bedeutet Winzerdorf, von dem sich Wintrich ableiten lässt. Berühmt ist der kleine Ort für seine Passionsspiele, die seit 1902 alle fünf Jahre über mehrere Wochen aufgeführt werden. Die Dorfkirche dient hierbei als Kulisse für die Veranstaltung, die mehrere tausend Besucher anlockt. Die rund fünfstündigen Vorstellungen beginnen im Jahr 2012 immer freitags und samstags um 18 Uhr, sonntags um 15 Uhr. Wer diese verpasst, wird sich bis zum Jahr 2017 gedulden müssen.

An einer Brunnenskulptur, die einen Winzer darstellt, wenden wir uns nach links und spazieren an der Touristeninformation vorbei. Überdimensionale Weingläser vor so manchem Haus und historisches Winzerwerkzeug an den Fassaden unterstreichen die Wichtigkeit des Weins in der Region. An einem Brunnen vorbei folgen wir dem Verlauf der Straße nicht nur leicht bergauf, sondern auch durch eine weite Linkskurve. Der heilige Florian grüßt uns als Schutzpatron der Feuerwehr von der rot leuchtenden Fassade des Feuerwehrgebäudes. Währenddessen können wir uns im Hotel Moselblick bei einem Glas Wein für die Wanderung stärken.

Picknickplatz am Wegesrand

Picknickplatz am Wegesrand

Auf dem Wanderweg bei Wintrich

Im weiteren Verlauf unserer Wanderung lassen wir die letzten Häuser von Wintrich hinter uns. Wir wandern an einem Bildstock vorbei und genießen die ersten Ausblicke über das verhältnismäßig flache und weite Moseltal. Dennoch führt uns die wenig befahrene Landstraße weiter bergauf und durch eine Serpentine, an der wir zum ersten Mal einem kleinen Picknickplatz (GPS: 49.886395, 6.959644) eine Rast einlegen können. Hinter der scharfen Rechtskurve folgt ein Schotterweg nach links, der mit einer Sonne als Wanderweg ausgeschildert ist. Wir biegen dort hinein und wandern oberhalb der Weinlage mit weiten Aussichten über das Tal hinweg.

An einer Gabelung mit einem metallenen Kreuz halten wir uns rechts. Wir lassen das Wohnhaus links liegen und folgen dem grasigen Pfad weiter bergauf. Das hohe Gras streift unsere Waden bis wir an einer Landstraße angelangt sind und unseren Blick über die Felder des Hunsrücks schweifen lassen können. Doch nur kurz, denn wir wenden uns nach links auf den asphaltierten Weg und verlassen auch diesen schon wieder nach rund 100 Metern nach links. An einer Gabelung ebenfalls links haltend, verläuft unser Wanderweg nun eben und oberhalb der Weinberge. Je nach Jahreszeit ernten die Winzer ihre blauen und grünen Trauben oder stecken die Triebe fest und bearbeiten den Boden, in dem die Rebstöcke befestigt sind.

Weinreben

Weinreben

Eine kleine Winzerkunde

Bevor die Winzer lesen und keltern können, müssen sie zwischen den Gescheinen geizen und die Beege machen. Alles klar? Wer nicht aus einer Weinbauregion stammt und vielleicht zum ersten Mal die Mosel bereist, wird sich bei so manchem Begriff wundern, auf den er im Urlaub treffen wird. Das Anbinden der Ruten im Frühjahr zum Beispiel wird als Niederziehen bezeichnet. Dabei wird das Holz stabilisiert, so dass im Sommer eine einheitliche Belichtung und Belüftung der Triebe erfolgt. Auch Straußwirtschaften findet man ausschließlich in Weinbauregionen. In diesem saisonal geöffneten Betrieb können die Weinbauern ihren selbsterzeugten Wein direkt vermarkten und anbieten. Neben einem herben Tropfen erhält man dort auch fachkundige Informationen zum Weinbau aus erster Hand und wird den einen oder anderen Begriff gerne erläutert bekommen.

Kleinere Waldstücke wechseln sich mit Weinbergen ab, die durch Trockenmauern unterteilt sind. Auf unserem Weg treffen wir indes auf eine asphaltierte Einmündung. Hier wenden wir uns nach rechts, um sogleich wieder links auf den schotterigen Weg abzubiegen. Unser Blick reicht weit in die Ferne und wir fragen uns, welche Moselortschaften wir wohl dort erkennen können. Die Auflösung ist ganz einfach: Gleich auf dem anderen Flussufer befindet sich Kesten, gefolgt von Monzel, welches sich auf einer kleinen Anhöhe befindet. Dahinter ist noch Osann zu erkennen und am Horizont erahnen wir die Häuser von Wittlich, der größten Stadt zwischen Trier und Koblenz.

Weintrauben

Weintrauben

Wanderung zum Franziskanerinnenkloster von Filzen

An einem Picknickplatz (GPS: 49.894151, 6.976671) vor einem Wald macht unser Schotterweg eine scharfe Rechtskurve und bringt uns in den Wald hinein. Geradeaus wandern wir an einem Lehrpfad vorbei, der uns die Flora und Fauna eines Waldes näherbringt und uns Holunder, Pilze, Bucheckern und verschiedene Vogelarten erläutert. An einer T-Kreuzung wenden wir uns nach links und wollen dem asphaltierten Weg folgen. Doch ein wunderschön gelegener Picknickplatz mit einer steinernen Schutzhütte (GPS: 49.892682, 6.980207) fordert uns geradezu auf, eine Wanderrast einzulegen. Dieser Aufforderung kommen wir natürlich gerne nach. Anschließend wandern wir an den Apfelbäumen vorbei auf dem Asphaltweg und lesen weitere Informationsschilder auf dem Lehrpfad.

Hinter einem Waldstück grüßen wir eine Schafherde und folgen dem deutlich abwärts führenden Weg bis zu einem Bildstock, der dem heiligen Donatus gewidmet ist, dem Schutzpatron bei Gewitter und Unwetter. Mit einem Blick auf den hoffentlich wolkenfreien Himmel biegen wir am Bildstock links ab und wandern durch eine weite Linkskurve weiter bergab. Vor uns erblicken wir bereits die ersten Wohnhäuser der kleinen Gemeinde Filzen und erreichen diese innerhalb weniger Minuten. Im Zentrum des ruhigen Ortes überqueren wir die Bundesstraße 53 und gehen in die Kirchgasse hinein. Doch schon an der ersten Möglichkeit wenden wir uns nach links und erreichen auf dem gepflasterten Weg das ehemalige Franziskanerinnerkloster von Filzen (GPS: 49.902375, 6.972578).

Mosellandschaft bei Wintrich

Mosellandschaft bei Wintrich

Ende der Wanderung wieder in Wintrich

Mitte des 15. Jahrhunderts wurde das Kloster Filzen gegründet und diente bis zur Säkularisation im Jahr 1802 dem Orden der Franziskanerinnen. Heute beherbergt es noch die Pfarrkirche St. Josef mit seinem frühromanischen Glockenturm. Am Kloster wandern wir entlang bis zum Hotel Lindenhof, wo wir uns halbrechts auf den Asphaltweg halten. Zahlreiche Weinberge in – für die Moselregion untypisch – ebener Landschaft säumen unseren Weg, nur unterbrochen von einem Bildstock und überraschenderweise von – einem Kürbisfeld. An einer T-Kreuzung wenden wir uns nach rechts, um nur kurz darauf wieder nach links abzubiegen.

Am folgenden Campingplatz können wir den einen oder anderen Blick in die Wege hineinwerfen und das dortige Treiben beobachten, bevor wir anschließend entlang von Weinbergen bis zur Bundesstraße 53 angelangen und damit auch wieder Wintrich erreichen. An der Straße halten wir uns links und biegen an der Straußwirtschaft Zum Spundloch nach rechts ab, um dort auf den Abschluss unserer Wanderung anzustoßen. Sollte die Straußwirtschaft geschlossen haben, bietet sich nur kurz darauf das Restaurant Altes Kelterhaus zu einem leckeren Gericht an. Wenig später erreichen wir unseren Ausgangspunkt, den Parkplatz bzw. die Haltestelle.

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