Kleiner Bach

Gemütliche Runde durch den Heissiwald in Essen

Im dichten Heissiwald von Bredeney treffen wir nicht nur auf Wildschweine und Mufflons, sondern können diese ausgiebig beobachten. Ein mitgeführtes Fernglas kann hier dienlich sein, wird aber auf dem weiteren Wanderweg von den Teleskopen einer Sternwarte übertroffen. Nach einem Hauch von Milchstraße gehen wir abschließend auf ganz irdischen Wegen durch das vornehmste Viertel Essens.

Der folgende Text stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer „20 Wanderungen in und um Essen“. Die Angaben können daher veraltet sein.

Schaf im Heissiwald

Schaf im Heissiwald

Wir starten am Wanderparkplatz in der Straße Weg zur Platte. Wanderer, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, wandern von der Haltestelle Waldschänke bergauf bis zur Kreuzung und über den Weg zur Platte bis zum Parkplatz, wobei sie gelegentlich zwischen den Villen einen Blick auf den Baldeneysee genießen können. Eine etwas in die Jahre gekommene Informationstafel unterrichtet am Parkplatz über drei Rundwege durch den Heissiwald, die aber mit unserer Route nichts gemein haben.

Wir gehen am Parkplatz an der Beschilderung „Zur Platte“ vorbei, und hinter der Absperrung wenden wir uns direkt nach links. Der geschotterte Waldweg führt uns leicht bergab und bereits nach wenigen Metern stoßen wir auf den kleinen Metallzaun, der das sechs Hektar große Areal des Wildgeheges Heissiwald umfasst.

Über die Höhen im Essener Süden

Über die Höhen im Essener Süden

Das bereits seit 1964 bestehende Wildgehege wurde Mitte der 1990er Jahre vom extra dafür gegründeten Förderverein Wildgatter-Essen-Heissiwald e. V. vor dem Aus bewahrt. Der Verein übernimmt die Kosten der Bewirtschaftung und setzt sich mit seinen über 300 Mitgliedern für den Erhalt des Geländes ein. Mufflons, Damwild, Wildschweine und Rotwild können von Beobachtungsplattformen aus gut betrachtet werden. Die Besichtigung des Geheges ist kostenlos, ebenso wie der sich am Gehege befindliche Picknickplatz und der Lehrpfad, der die Fauna des Waldes präsentiert.

Auf dem Lehrpfad lassen wir das Wildgehege zu unserer Rechten liegen und zweigen am Ende des Zauns, der Beschilderung A1 folgend, links ab. Vor uns erhebt sich ein gewaltiger Sendemast für den Mobilfunkbetrieb. Gleich daneben befindet sich linker Hand das Restaurant Zur Platte mit einem schönen Ausblick auf den Baldeneysee. Wir wenden uns vor dem Antennenmast nach rechts und wandern den Wilhelm-Bernsau-Weg ein Stück bergab, passieren das nächste Restaurant Wirtshaus Zum Purzel und gehen an den Durchfahrt-Verboten-Schildern vorbei.

Wanderweg in Essen

Wanderweg in Essen

Nach wenigen Metern zweigt der Weg A1 nach links in den Anna-Lindner-Weg ab, zu einem beliebten Aussichtspunkt mit einem tollen Panoramablick auf die Ruhr und das Werdener Stauwehr, welches den Baldeneysee aufstaut. Ein kurzer Abstecher ist hier durchaus lohnenswert. Wir aber gehen hier am Anne-Linder-Weg geradeaus weiter und sehen am Mast des Straßenschildes einen Wegweiser der GeoRoute Ruhr.

Ausblicke auf den Baldeneysee

Die GeoRoute ist ein neu angelegter Wanderweg, der auf einer Länge von 185 Kilometern einzelne Geotope und Industriedenkmäler verbindet. Er führt unter dem Motto „Durch das Tal des schwarzen Goldes“ von Schwerte bei Dortmund nach Mülheim.

Wir folgen weiter dem Wilhelm-Bernsau-Weg hinab, doch schon an der nächsten Straßenkreuzung halten wir uns links, während die GeoRoute nach rechts verschwindet. An einer Ziegelsteinmauer entlang, gelangen wir in ein ruhiges Wohnviertel und biegen am Ende in die Straße Plattenweiler nach rechts ab.

Ausblick auf den Baldeneysee

Ausblick auf den Baldeneysee

Damit haben wir den niedrigsten Punkt der Route erreicht und wandern fortan überwiegend bergauf. Wir wenden uns nach links in die Dahler Höhe und erkennen schon bald linker Hand die imposante Anlage des Kardinal-Hengsbach-Hauses.

Das Kardinal-Hengsbach-Haus ist eine bischöfliche Tagungsstätte und dient der Priesterfortbildung. Neben einem Meditationszentrum beherbergt es auch eine Seminarkirche. Das Gebäude ist jedoch nicht öffentlich zugänglich.
Benannt ist es nach Franz Kardinal Hengsbach, dem ersten Bischof von Essen. 1957 wurde dieser zum Bischof berufen und beinahe drei Jahrzehnte später durch Papst Johannes Paul II. zum Kardinal ernannt. Berühmt wurde Kardinal Hengsbach aber nicht nur durch seine glanzvolle Arbeit im Bistum Essen, sondern auch durch die Übergabe eines Lösegeldes in Höhe von sieben Millionen Mark im Jahre 1971, als Theo Albrecht, einer der verbrüderten Aldi-Gründer, entführt und 17 Tage lang festgehalten wurde. Theo und Karl Albrecht stammen beide aus Essen und leben in Bredeney.

Wanderung durch den Heissiwald

Am Kardinal-Hengsbach-Haus biegen wir nach rechts in die Straße Am Korintenberg.
Über eine schmale Straße geht es ruhig an Feldern vorbei zurück nach Bredeney. Nur ab und an wird die Ruhe durch Flugzeuge im Landeanflug auf den Düsseldorfer Flughafen gestört. Wenn wir die Straße Kanonenberg erreichen, biegen wir links in sie ein und genießen die herrliche Aussicht in das Ruhrtal hinein.

Walter-Hohmann-Sternwarte

Walter-Hohmann-Sternwarte

An einer Parkbank deuten Mauerreste auf einen ehemaligen Bauernhof hin. Wir biegen an ihnen nach rechts in die Straße Am Heissiwald ab. Vereinzelte Häuser lassen wir links liegen und überqueren eine Anhöhe. Am Ende des Wegs gehen wir rechts um das letzte Grundstück herum. Auf schotterigem Untergrund führt der Weg uns in Serpentinen steil hinab. Er bringt uns nicht nur zu einer Kreuzung, sondern auch zu einer Fußgängerbrücke über den Wolfsbach.

Die Brücke mit dem roten Geländer überspannt den kleinen Fluss Wolfsbach. In zahlreichen Windungen fließt er durch das gleichnamige und idyllische Wolfsbachtal und mündet später in die Ruhr. Ein Schild weist auf die sogenannte Wasserroute, einen 19 Kilometer langen Radweg, hin. Die im September 2009 fertiggestellte Wasserroute verbindet die Ruhr mit dem Rhein-Herne-Kanal und ermöglicht so eine Fahrt von Süd nach Nord.

Ein Blick ins All mit der Sternwarte

Wir überqueren die Brücke und halten uns danach rechts. Der Weg steigt erneut an und bringt uns zu einer Schafkoppel, an der wir das Wolfsbachtal nach links verlassen. Noch immer geht es bergauf, doch hinter einer Rechtskurve haben wir die Höhe erreicht und werden mit schönen Ausblicken in die grün leuchtende Landschaft belohnt. Rechter Hand erkennen wir ein flaches Gebäude, die Walter-Hohmann-Sternwarte.

Die Walter-Hohmann-Sternwarte ist nach Walter Hohmann, einem Bediensteten der Stadt Essen benannt. Er widmete sich in seiner Freizeit der Astronomie. Seine Publikationen über grundlegenden Prinzipien der Raumfahrt fanden auch bei der NASA Gehör. Er gilt als Pionier der Raumfahrt und hat beachtliche wissenschaftliche Leistungen erbracht. Nicht nur die hiesige Sternwarte, sondern auch ein Mondkrater wurde nach ihm benannt. Die Sternwarte wird von einem gemeinnützigen Verein betrieben und dient der Beobachtung von Kleinplaneten und Asteroiden. Gegenüber dem Haupthaus, in dem zahlreiche Vorträge gehalten werden, befinden sich mehrere Beobachtungsstationen. Unter ihren Schiebedächern sind verschiedene Teleskope untergebracht.

Bach im Heissiwald

Bach im Heissiwald

Wir verlassen das Gelände der Sternwarte, passieren ein Versuchsgelände der Universität Essen zur Ermittlung von Luftverunreinigungen und zweigen am Ende der Straße nach rechts ab. Wir wandern zwischen Feldern hindurch. Rechts vor uns erkennen wir in der Ferne über den Baumwipfeln die grüne Kugel eines Wasserturmes in Bredeney, der heute als Wohnhaus ausgebaut ist.

Zwischen den Villen von Essen-Bredeney

Wenn wir linker Hand einen einsamen Kotten erreichen, biegen wir nach rechts in einen landwirtschaftlichen Weg ein. Wir folgen dem mit einem Dreieck als Wanderweg markierten Weg durch die wellige Landschaft. Dabei überqueren wir einen kleinen Zufluss zum Wolfsbach und befinden uns schließlich im Villenviertel von Bredeney.

Hier in diesen Straßen des Bredeneyer Villenviertels sind die beiden Aldi-Brüder so nah und doch unerreichbar. Denn seit Jahrzehnten sind sie nicht mehr fotografiert worden. Das letzte Foto von Theo Albrecht wurde einen Tag nach seiner Freilassung aus der Entführung im Jahr 1971 aufgenommen. Aber man kann sich in diesen Bredeneyer Villenstraßen dem Mythos der reichsten Deutschen nähern.

Kleiner Bach

Kleiner Bach

Wir halten uns halbrechts, gehen am Transformatorhäuschen vorbei in die Straße Reckmannshof. Dann wenden wir uns links in die Westerwaldstraße und an der nächsten Kreuzung rechts in die Straße Brucker Holt. Wenn wir die prächtigen Villen auf den gepflegten Grundstücken hinter uns gelassen haben, ist aus dem Brucker Holt ein Waldweg geworden. Diesem folgen wir bis zu einer kleinen Kreuzung, wo abermals der Wolfsbach zu überqueren ist.

Danach biegen wir scharf rechts ab und wandern nun fast in die entgegengesetzte Richtung, bis wir schließlich zur Bredeneyer Straße gelangen. Wir folgen ein kurzes Stück der viel befahrenen Straße und wenden uns an der ersten Möglichkeit nach rechts. Wenige Meter später befinden wir uns vor der Gaststätte Waldschänke. Die ÖPNV-Nutzer haben ihren Ausgangspunkt erreicht, und die Autofahrer gehen vor der Gaststätte rechts in den Weg zur Platte. Auf ihrem Weg zum Parkplatz können sie auch den einen oder anderen Blick auf den Baldeneysee erhaschen.

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