Kreuzfahrt in den Geirangerfjord

Ich gebe es zu, die Überschrift ist verwirrend. Ich habe nämlich keine Kreuzfahrtreise gemacht. Aber immerhin war ich am Geirangerfjord und konnte das Treiben beobachten, wenn Kreuzfahrtschiffe dort anlegen. Doch fangen wir am besten vorne an…

Ganz harmlos kamen wir nachmittags am Fjord an und konnten zunächst einmal den spektakulären Ausblick von oben herab in das enge Tal genießen. Auf dem relativ harmlosen Weg nach unten warfen wir einen Blick in das Fjordsenter (ja, auf Norwegisch mit s) und schlenderten wenig später durch das kleine Dörfchen Geiranger. Dieses besteht aus ein paar Häusern, Hotels, Souvenirläden, einem Campingplatz und lässt einen fragen: Für wen das Ganze? Denn augenscheinlich ist ja hier so viel nun auch nicht los. Es ist am Fjord sehr schön, keine Frage. Aber ist das ein Grund, die Infrastruktur eines 300 Einwohnerdorfes für mehrere tausend Personen auszurichten?

Die Frage erübrigt sich natürlich, wenn man weiß, was sich tagtäglich im Geirangerfjord abspielt. Doch das sollte uns erst einmal egal sein. Wir fuhren am Campingplatz vorbei und auf einer schmalen Straße direkt am Ufer entlang. Schon von weiter oben sahen wir einige Wohnmobile außerhalb des Campingplatzes übernachten. In etwa dort wollten wir uns auch für eine Nacht niederlassen. Einen Campingplatz benötigten wir an diesem Tag nämlich nicht. Der Frischwassertank und die Batterien waren voll, das Klo und der Abwassertank hingegen leer. Kurz gesagt, wir waren rundum versorgt, parkten unser Wohnmobil am Straßenrand und ließen den Abend in Ruhe ausklingen.

Am nächsten Morgen, wir standen mit dem Auto natürlich immer noch an der selben Stelle, frühstückten wir in Ruhe, als unser Wohnmobil von einem etwas größerem Gefährt in sehr langsamen Tempo überholt wurde. Ich empfand dieses Fahrzeug als etwas zu groß und zu sperrig. Es würde bei uns zuhause nicht in die Parklücke passen. Doch es konnte etwas, was unser Auto nicht kann – schwimmen. Kurz gesagt, es handelte sich um die AidaMar, die erst wenige Wochen zuvor vom Stapel gelassen wurde und langsam an unserem Frühstückstisch vorbeiglitt.

Da es im Geirangerfjord keinen Hafen für Schiffe dieser Größe gibt, war das Schiff auf Reede und die Passagiere wurden über kleine Beiboote zum Bootssteg von Geiranger gebracht. Wir waren mittlerweile fertig mit unserem Frühstück und wollten es uns nicht nehmen lassen, das Schauspiel aus der Nähe zu beobachten. Und während wir inmitten zahlreicher deutscher Touristen, die gerade von Bord kamen, durch den kleinen Ort schlenderten, kam gleich noch ein zweites Kreuzfahrtschiff um die Ecke gebogen – die Caribbean Princess.

Die AidaMar fasst 2.500 Passagiere und ist über 250 Meter lang. Die Caribbean Princess hat Platz für 3.600 Passagiere und bringt es beinahe auf eine Länge von 300 Metern. Und doch wirkten diese gigantischen Schiffe in der Kulisse des Geirangerfjordes wie Spielzeugboote in einer Badewanne. Dass die Souvenirläden im Ort nun völlig überlaufen waren, bedarf wohl keiner weiteren Erklärung. Doch eine große Zahl der Passagiere hat den Ort gar nicht kennenlernen können. Sie gingen sofort in großen Gruppen auf bereitgestellte Reisebusse zu, auf denen in deutscher Sprache ihr Ausflugsziel angeschlagen stand. Ich empfand das alles als etwas seltsam, weil wir nun schon seit mehreren Tagen in der Region unterwegs waren und diese Reiseziele kannten und vor allem ganz in Ruhe kennenlernen durften, während die Passagiere nun nur wenige Stunden Zeit haben, sich dort hin und wieder zurück transportieren zu lassen. Na ja, so ist das eben auf einem Kreuzfahrtschiff, ist sicherlich auch interessant. Aber ich denke, ich bleibe dann doch lieber bei Frachtschiffreisen.

Wir stiegen in unser Auto, fuhren durch das nun wuselige Geiranger zur spektakulären Adlerstraße, die sich in zahlreichen engen Serpentinen in die Höhe windet. Auf dem Bild rechts kann man ein wenig den Verlauf der Straße mit ihren Haarnadelkurven erkennen. Von dort blickten wir auf die Wasserfälle mit dem Namen Sieben Schwestern und machten uns auf zu unserem nächsten Ziel, das nicht weniger interessant ist. Doch dazu demnächst mehr 😉

Hier geht es zum gesamten Bericht der Reise mit dem Wohnmobil zum Nordkap.

Nachtrag: Die Caribbean Princess habe ich fast auf den Tag ein Jahr später im Hafen von Dublin bei meiner Wohnmobilreise durch Irland wiedergesehen.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das ist ja wieder ein schöner Bericht, super schöne Fotos. Bin begeistert. Wie eine andere Welt, einzigartig. Die riesigen Schiffe empfinde ich irgendwie wie Fremdkörper in dieser friedlichen Landschaft. Schade, diese Massen an Touristen…

    • Danke schön. Ja, Fremdkörper ist das richtige Wort. Aber als Größenvergleich interessant. Witzigerweise habe ich die Caribbean Princess am Tag vorher schon in einem anderen Hafen gesehen, weswegen ich ziemlich genau weiß, was die Passagiere bei der Fahrt von einem Ort zum anderen verpasst haben. Aber andererseits weiß ich auch, dass ohne diese Schiffe viele Menschen nicht die Möglichkeit hätten, sich die Ziele anzuschauen. Na ja, und wenn sie alle abends wieder auf ihrem Schiff sind… ist vielleicht gar nicht so verkehrt 😉

  2. Pingback: Mit dem Wohnmobil zum Nordkapp - Teil 2 | molls-reiseblog.de

  3. Ups, jetzt erst diesen Beitrag gesehen.
    Ja, es ist schon Wahnsinn, wenn diese „Riesenpötte“ plötzlich im Fjord auftauchen. Wir zelteten dort und plötzlich kam ein solcher Menschendampfer um die Ecke. Ein Großteil der Menschen stieg um, eben in Reisebusse und schwups war es wieder fast ganz ruhig. Denn eine „Wanderung“ nach oben machte keiner von denen.
    Von dort sah es dann noch gigantischer aus, aber selbst diese Kreuzer waren „nur“ Nussschalen im Fjord, wenn man sie eben von oben sah.

Schreibe einen Kommentar


Kleine Rechenaufgabe Die Zeit für die Eingabe ist abgelaufen. Bitte aktivieren Sie das Captcha erneut.

Mehr in Blog, Nordkap-Tour
Wanderung durch den Torghatten

Eine Wanderung auf einen Gipfel? Hey, das kann man doch praktisch überall haben. Ob nun der Kahle Asten oder der...

Schließen