Wandern auf den Åland-Inseln

Eine schöne und sehr angenehme Wanderung verspricht die Tour am Doniken auf Prästö, gleich neben dem Bomarsund. Wer sich jetzt achselzuckend fragt, wo das liegt, dem sei erklärt, dass wir uns auf den Åland-Inseln befinden – mitten in der Ostsee. Die Åland-Inseln sind mal wieder ein merkwürdiges Konstrukt, was Kultur und Politik angehen. Die Inselgruppe gehört zwar politisch zu Finnland, doch eigentlich ist sie nur eine autonome Provinz des Landes. Amtssprache auf den Åland-Inseln ist wiederum Schwedisch.

Für uns Mitteleuropäer ist das eigentlich eine ganz praktische Sache, denn durch die Zugehörigkeit zu Finnland können wir einerseits mit dem Euro bezahlen und uns andererseits auf Schwedisch verständigen, was deutlich einfacher ist als Finnisch. Diese Kombination gibt es sonst nirgends.Aber heute wollen wir weder einkaufen noch kommunizieren, sondern einfach nur wandern. Die Åland-Inseln bieten nach Aussage des Touristenbüros rund 30 markierte Wanderwege, die teilweise bis zu 60 Kilometer lang sind. Ja, man glaubt es kaum. Doch wir befassen uns mit einem kurzen Rundkurs auf der Insel Prästö.

Prästö liegt nordöstlich der Hauptstadt Mariehamn und wer auf der Karte der Straße Nummer 2 folgt, wird automatisch dorthin gelangen. Der Ausgangspunkt dieser Wanderung liegt direkt am Bomarsund, wo sich die Überreste einer ehemaligen russischen Festung befinden. Die Festung war eines der größten Bauwerke auf der Inselgruppe und beherbergte bis zu 5.000 russisches Soldaten. Und zwar bis zum Jahr 1854, als britisch-französische Truppen die Festung angriffen und sie bis auf die Grundmauern zerstörte. Wir gehen über die Brücke und sehen auf der linken Seite das kleine Bomarsund-Museum, in dem liebevoll über die damalige Geschichte erzählt wird. Aber erst wollen wir wandern und folgen daher den roten Holzpfählen, die mit einem weißen Pfeil auf blauem Grund markiert sind. Schon nach wenigen Metern erreichen wir Doniken. Hierbei handelt es sich um eines der wenigen erhalten gebliebenen Häusern aus der Zeit der Russen auf Åland. Es beherbergte den russischen Telegrafisten. Einige Zeit später treffen wir auf weitere Erinnerungen an die Russen.

Uralte Grabsteine markieren einen kleinen russisch-orthodoxen Friedhof mit nicht mehr als zehn Gräbern. Weiter geht es auf einem breiten Grasweg, der erstaunlich gut gepflegt ist. Er erinnert schon fast an eine Gartenlandschaft im Süden Englands. Gesäumt wird der Weg von kleinen Steinmauern, die wir bald über eine Holztreppe überwinden. Und dann geht es auch schon bergauf. Zugegeben, bergauf ist vielleicht übertrieben, wenn man bedenkt, dass die Åland-Inseln doch sehr flach sind und der höchste Berg knapp 130 Meter hoch ist. Aber über moosbewachsene Felsen und Holztreppen gewinnen wir an Höhe und stehen am höchsten Punkt der Insel Prästö plötzlich vor einem hölzernen Aussichtsturm. Ich kann nur sagen: Ein grandioser Blick über die bewaldeten Inseln mit ihren Schären, die in die Ostsee eintauchen.

Da es der höchste Punkt der Insel ist, geht es nun langsam wieder bergab. Wir machen noch einen kleinen Abstecher zu einem weiteren Grabgelände. Dazu überqueren wir eine Schafweide, wo uns die Tiere blökend entgegenspringen und erreichen zwei Grabfelder, die ebenfalls mit einem kniehohen Mäuerchen umgeben sind. Auf einem der Felder erheben sich jüdische Grabsteine. Obligatorisch die kleinen Kiesel auf den Grabsteinen und natürlich die hebräischen Inschriften. Bei dem anderen Feld soll es sich um einen muslimischen Friedhof handeln. Diese Info haben wir vorab vom Touristenbüro in Mariehamn erhalten. Im Gegensatz zu den jüdischen Gräbern ist davon jedoch nichts zu erkennen.

Wir wandern wieder an unseren neuen vierbeinigen Wollfreunden zurück, besichtigen die Überreste eines ehemaligen Wehr- und Wachturmes und erreichen nach gut zwei Stunden wieder das Bomarsund-Museum. Der Eintritt ist frei und eigentlich besteht das Museum auch nur aus einem einzigen Räumchen. Aber eine nette Dame heißt uns Willkommen und fragt, ob wir einen zehnminütigen Film über die russische Festung sehen wollen. Wir sind die einzigen Besucher weit und breit und die Dame freut sich sehr, dass wir Interesse an dem Museum zeigen. Wie können wir also ihre Frage verneinen? Nach dem Film hinterlassen wir eine kleine Spende, tragen uns ins Gästebuch ein und kaufen noch einen Ansteckpin.

Es war ein netter und zugleich informativer Museumsbesuch. Und außerdem war es eine tolle Wanderung durch eine fantastische Landschaft. Wenn alle anderen Wanderwege auf den Åland-Inseln so sind, dann lohnt sich ein Wanderurlaub dort auf jeden Fall. In meinem Reisebericht über die Inseln habe ich selbstverständlich mehr Bilder und Informationen über die Åland-Inseln.

 

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