Der Thüringer Wald auf dem Meeresboden – diese Schlagzeile haben die Thüringer auch angesichts des drohenden Klimawandels nicht zu befürchten. Vielmehr hätte das die Überschrift eines Zeitungsartikels von vor 250 Millionen Jahren sein können, wenn es damals Zeitungen gegeben hätte. Allerdings wäre das damals keine Schlagzeile wert gewesen, weil es normal gewesen wäre, dass weite Teile Mitteleuropas unter den Fluten des frühzeitlichen Zechsteinmeeres gelegen hätten. Im damaligen Perm-Zeitalter entstanden viele geologische Besonderheiten, die sehenswert sind. So zum Beispiel auch das sogenannte Felsentheater von Bad Liebenstein.

Hinweis: Der Inhalt dieses Blog-Artikels stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer mit dem Titel „111 Orte im Thüringer Wald die man gesehen haben muss„.
Nur zehn Gehminuten von der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Burgruine Liebenstein entfernt, befindet sich im Wald eine Höhle, die durch das Zechsteinmeer entstanden ist. Korallen, Schwämme und andere Organismen aus dem Meer ließen die Riffkalke entstehen, aus denen diese Höhle hervorgegangen ist. Wo wir also heute in die Höhleneingänge hineinschauen, schwammen lange vor unserer Zeit Fischarten umher, die heute nicht mehr existieren.
Friedrich Schiller Open Air
Bis zum Mittelalter war die Höhle sogar noch größer, bis ein Teil der Decke im 16. Jahrhundert einstürzte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließen die Herzöge von Sachsen-Meiningen den Ort zu einer Naturbühne unter freiem Himmel umgestalten. Kleine Treppen und Wege führten zu einer etwas erhöht gelegenen Bühne, während weiter unten eine Art Zuschauerraum entstand. Gerahmt wird das Felsentheater von markanten Felswänden, die rechts und links bis zu acht Meter aufragen.

Mitte des 19. Jahrhunderts sollen dann sogar kleinere Theateraufführungen stattgefunden haben, schriftlich überliefert ist das jedoch nicht. Im letzten Jahrhundert geriet das Felsentheater in Vergessenheit und wurde der Natur überlassen. Erst in den vergangenen Jahren haben die Natur- und Heimatfreunde von Bad Liebenstein die Wege wieder freigeschnitten und die Treppen wieder begehbar gemacht. Einer Theateraufführung in wildromantischer Umgebung steht damit nichts mehr im Wege.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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