Die Linden-Lichtspiele von Ilmenau

111 Orte im Thüringer Wald, die man gesehen haben sollte. Oder in diesem Fall besser gehört haben sollte. In Ilmenau befindet sich, wie in jeder anderen größeren Stadt ein Kino. Die Linden-Lichtspiele, benannt nach den Linden, die vor dem Gebäude in der Lindenstraße wachsen, beherbergen einen Kinosaal, der weltweit als erster mit Iosono-Technik ausgestattet wurde.

Zugegeben, der Begriff Iosono ist nicht jedem geläufig. Dabei handelt es sich um ein Soundsystem, das als revolutionär gehandelt wird und zukünftig die heutigen Soundsysteme ablösen könnte. Doch bevor wir in die Zukunft schauen beziehungsweise lauschen, werfen wir einen Blick zurück in die Vergangenheit. Im Jahr 2004 wurde das gleichnamige Unternehmen Iosono gegründet; es ist ein kommerzieller Ableger des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie, das auch auf den Feldern Akustik und Musiktechnologie forscht.

Licht aus, Ton ab

Das Unternehmen Iosono entwickelte ein Soundsystem, das eine realistische Audiowiedergabe versprach und eine Vielzahl an Lautsprechern einsetzte. Man sprach von einer technischen Revolution, die es auf diesem Gebiet zuletzt beim Wechsel von Mono auf Stereo gegeben hat. Für die Entwicklung mitverantwortlich war auch der mehrfach ausgezeichnete Elektrotechniker Karlheinz Brandenburg, der zusammen mit anderen Technikern das heute gängige mp3-Format konzipierte. Noch im Jahr der Unternehmensgründung wurden die Bregenzer Festspiele mit dem System beschallt, wofür 820 Lautsprecher notwendig waren.

Zwei Jahre später wurde das Prinzip von der Initiative »Deutschland – Land der Ideen« durch die Bundesregierung ausgezeichnet. Hintergrund war die Installation des Iosono-Systems in den besagten Linden-Lichtspielen. 192 Lautsprecher, natürlich jeder einzelne computergesteuert, sorgen für ein dreidimensionales Hörerlebnis, das auch als Audio-Hologramm bezeichnet werden kann. Dummerweise musste der Hersteller zehn Jahre nach der Firmengründung Insolvenz anmelden. Hören wir mal, wie die Zukunft so klingt.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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