2026 – Museumstour in den Niederlanden

Ein Wochenende ganz im Zeichen von Ausstellungen und Museen – sowie vom D-Day. Und das nicht an den Stränden der Normandie in Frankreich, sondern in den Niederlanden. So gestaltete sich unsere Reise mit dem Wohnmobil im März. Die kurze Anreise gleich hinter der Grenze ermöglichte es uns, auf direktem Weg zum Kriegsmuseum in Overloon zu fahren und die dortige Ausstellung ganz in Ruhe besuchen zu können.

Das Museum entstand schon im Jahr 1946, also nur ein Jahr nach Kriegsende und wurde auf einem Schlachtfeld errichtet. Hier fand im September und Oktober 1944 die größte Panzerschlacht auf niederländischem Boden statt. Dazu kam es, nachdem die Operation Market Garden bei Arnhem fehlschlug und die alliierten Truppen einen anderen Weg in Richtung Berlin einschlagen mussten.

Trotz seines Alters ist das Museum modern gestaltet und konzeptioniert. Eine große Fläche der Ausstellungshallen wird durch zahlreiche Kriegsfahrzeuge eingenommen. Flugzeuge, Panzer und andere Fortbewegungsmittel nehmen natürlich viel Platz ein. Am größten und beeindruckendsten ist dabei ein Amphibienfahrzeug, das auf Rädern steht, welche über drei Meter Durchmesser besitzen.

Ein weiterer Bereich des Museums berichtet darüber, wie die Niederländer die Zeit des Zweiten Weltkriegs erlebten. Das Highlight für die meisten Besucher dürfte aber zweifellos die D-Day-Experience sein. Hierbei handelt es sich um eine Art immersives Erlebnis und man wird von Raum zu Raum geleitet, um ein wenig nacherleben zu können, wie der D-Day für die Soldaten der Alliierten gewesen sein muss. So ist man beispielsweise in einem Raum, der ein sogenanntes Higgins-Boot simuliert.

Mit diesen Booten landete man an den Stränden der Normandie und musste man sich sofort dem Widerstand der Deutschen aussetzen. Wir hatten solch ein Boot erst kürzlich gesehen, als wir mit dem Wohnmobil in die Normandie fuhren und die D-Day-Feierlichkeiten besuchten. Nachdem man den Raum des Higgins-Boots verlassen hat, wird es laut – richtig laut. Man versucht, die damaligen Ereignisse möglichst original darzustellen und dazu gehört eben auch der Krach, hervorgerufen durch Motoren, Maschinengewehr, Kommandos und Schreien.

Am Ende der D-Day-Experience wartet ein Raum, in dem Telefonzellen die Möglichkeit geben, mit der KI zu kommunizieren. Hier wird deutlich darauf hingewiesen, dass es sich um das Sprachmodul von ChatGPT handelt. Ich fand das beachtlich, da es die KI in dieser Form ja noch gar nicht so lange gibt. Und hier in dem Museum hat man diese technische Möglichkeit schon eingesetzt.

Bei der Kommunikation mit ChatGPT geht es darum, die gerade erlebten Ereignisse zu besprechen. Dass das Museum aktuell bleibt und stets mit neuen Exponaten ausgestattet wird, zeigt sich auch mit den Überresten eines Flugzeugwracks. Dieses wurde erst vor wenigen Jahren entdeckt und 2021 Teil der Ausstellung.

Alles in allem war der Besuch des Museum sehr interessant und empfehlenswert. Wir blieben einige Stunden und fuhren anschließend mit einem kurzen Zwischenstopp bei Albert Heijn schließlich zu einem Stellplatz am nahegelegenen Nationalpark De Maasduinen. Hier kamen wir recht spät an, hatten aber Glück, noch einen freien Platz zu bekommen. Wir hatten sogar so viel Glück, dass wir neben uns gar keine direkten Nachbarn hatten. Das war überraschend.

Dafür gab es eine Gruppe Camper ein paar Fahrzeuge weiter, die lauthals viel Spaß hatten, als sie Kubb spielten. Es sei ihnen gegönnt, aber sie waren dementsprechend laut. Sehr laut. Das ist übrigens mit ein Grund, warum wir auf unserem Wohnmobilstellplatz in Nordkirchen keine Gruppentreffen mehr stattfinden lassen.

Um der Lautstärke zu entgehen, zogen wir los, vor Sonnenuntergang wenigstens noch einen kleinen Teil des Nationalparks kennenzulernen. Die freundliche Besitzerin empfahl uns eine schöne, kurze Tour. Gerne hätten wir auch noch etwas längeres als Wanderung unternommen. Doch der Sonnenstand ließ das nicht zu. Die Sonne würde bald schon untergehen.

Am nächsten Morgen schliefen wir erstmal aus und änderten den Plan ein wenig. Eigentlich wollten wir nach dem Tagesplan wieder zu diesem Stellplatz zurück. Doch wir ahnten, dass es am Abend wieder nicht sonderlich ruhig sein würde. Also entschieden wir uns für einen anderen Übernachtungsort. Bis dahin sollten jedoch noch einige Stunden vergehen. Diese verbrachten wir damit, eine Kleinigkeit einzukaufen und dann nach Oosterbeek bei Arnhem zu fahren.

Eigentlich wollten wir auch noch nach Wageningen, weil sich dort eine Stele des Voie de la Liberté befindet. Diese kleinen Markierungen kennen wir schon. Sie markieren den Weg der alliierten Soldaten von den Stränden der Normandie bis nach Bastogne, wo wir erst vor wenigen Wochen waren, als wir mit dem Wohnmobil in die Ardennen fuhren.

Dass es auch in Wageningen eine dieser Stelen gab, liegt an der bereits erwähnten Operation Market Garden. Damit wollte man bei Arnhem den Fluss überqueren. Leider kamen wir auf dieser Reise nicht nach Wageningen. Baustellenbedingt. Daher beschlossen wir im Stau kurzerhand, direkt nach Oosterbeek zu fahren. Die kleine Gemeinde grenzt an Arnhem an und ist Standort für das Museum Hartenstein.

Hartenstein war einst ein Hotel und diente später als Hauptquartier. Heute erzählt es die Geschichte von der Operation Market Garden und der Schlacht um die Brücke von Arnheim. Neben dem gleichnamigen Film aus den 70ern erzählt übrigens auch die Serie „Band of Brothers“ von den damaligen Ereignissen. Für uns in diesem Jahr nach der Ardennenreise bereits das zweite Mal, dass wir uns auf einer Tour mit dieser Thematik befassen.

Auch für dieses Museum nahmen wir uns viel Zeit und waren von den Audioguides ganz angetan. Einerseits mussten wir sie nicht direkt ans Ohr halten und dennoch störten wir andere Besucher nicht. Andererseits funktionierten sie per RFID-Chip. Jedes Mal, wenn wir einen entsprechenden Raum betraten, hielten wir den Guide an den Chip und konnten den Erläuterungen lauschen.

Nur in einem Raum funktionierte das System anders. Dort sollte man das Gerät in Richtung Decke halten, damit der in dem Raum gezeigte Film mit dem Audioguide synchron läuft. Und siehe da, es funktionierte wunderbar. Nachdem wir die Räumlichkeiten in den oberen Etagen besuchten, gingen wir in das Untergeschoss.

Dort wartete ein ähnlicher Rundgang wie am Vortag auf uns. Dieses Mal ging es aber nicht mit dem Higgins-Boot an die Strände der Normandie, sondern mit einem Fluggleiter an den Frontverlauf. Aber auch hier kann man sagen, dass der Rundgang bewusst immersiv dargestellt wurde und sämtliche Sinne gereizt wurden. Einerseits wirkt das ein wenig wie „Puppen gucken“ im Disneyland, andererseits bekommt man aber so die Möglichkeit, einen winzig kleinen Teil der damaligen Ereignisse halbwegs nachzuerleben.

Nach dem Besuch von Museum Hartenstein begaben wir uns noch auf den nahegelegenen Soldatenfriedhof. Er ist nur einer von vielen zwischen Overloon und Arnhem. Doch er gehört zu den größten und beherbergt außerdem jede Menge polnische Soldaten. Denn bei der gescheiterten Operation Market Garden war auch eine umfangreiche Einheit der polnischen Armee beteiligt.

Wir waren überrascht, wie gut der Friedhof besucht war und dass es dort mehrere Führungen gab. Anschließend fuhren wir zur eigentlichen Brücke von Arnheim. Doch die Parkmöglichkeiten dort waren mit einem Wohnmobil eher speziell und so gaben wir den Versuch irgendwann auf, dort einen adäquaten Parkplatz zu finden. Es war ohnehin schon spät genug und wir wollten irgendwann auch mal zur Ruhe kommen.

So steuerten wir den Stellplatz De Flinders bei Hengelo an. Wir versprachen uns hier deutlich mehr Ruhe. Zum einen ist der Platz mit fast 60 Parzellen sehr groß und zum anderen gibt es dort weder Wasser noch Nationalpark. Man steht also mitten in der Pampa, um es mal etwas despektierlich auszudrücken. Daher rechneten wir mit wenigen anderen Gästen. Aber genau das wünschten wir uns für diesen Tag.

So kam es denn auch. Der Besitzer empfing uns freundlich mit Handschlag, wir bezahlten, wählten eine abseits gelegene Parzelle und erfreuten uns daran, dass der Stellplatz übersetzt „Schmetterling“ bedeutet. Schaut man sich den Platz von oben an, so wird man auch sehen, dass er in Form eines Schmetterlings gestaltet ist. Nett, gefiel uns.

Tragischerweise hatten wir dann doch wieder Pech mit der Lautstärke. Am Abend starteten nämlich die Bässe in der Ferne und wir fragten uns, woher das kommen könne. So viel gibt es ja nicht um den Platz herum. Unsere Google-Suche erbrachte keine Veranstaltung oder dergleichen. Aber wir fanden das Gemeindeblatt, in dem eine private Party genehmigt wurde. Knapp eineinhalb Kilometer von unserem Standort entfernt, durfte jemand das Abrahamsfest feiern.

Man, das muss man auch erstmal lernen. Abrahamsfest bedeutet, dass jemand seinen 50. Geburtstag feiert. Kannte ich nicht. Ich feierte meinen 50. Geburtstag im Disneyland Paris (den 40. übrigens auch). Andere feiern ihr Jubiläum so dermaßen, dass sie dafür sogar eine Genehmigung einholen müssen. Interessant. Na ja, irgendwann war damit Schluss und wir konnten wenigstens wunderbar ruhig ausschlafen. Nach einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir zu der Adresse, an der die Party veranstaltet wurde. Wir waren neugierig, denn beim Abrahamsfest gibt es wohl auch immer eine große Puppe zu sehen. Die fanden wir nicht, dafür aber das Partyzelt. Da musste sich ein Schützenverein nicht hinter verstecken. Wie auch immer. Gemütlich rollten wir mit dem Wohnmobil wieder nach Hause und freuten uns, eine schöne Tour gehabt zu haben.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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