Schon vor wenigen Monaten waren wir unterwegs, um mit dem Wohnmobil nach Verdun zu reisen. Doch wir kamen damals nur nach Bastogne, weil uns das Museum über die dortigen Kämpfe des Zweiten Weltkriegs aufhielt. Genau dieses Museum wollten wir aber noch einmal aufsuchen. Würden wir es also dieses Mal schaffen, nach Verdun zu gelangen?





Doch der Reihe nach. Anders als auf der Fahrt zuvor hatten wir dieses Mal etwas mehr Zeit übrig, es war wärmer und wir kannten ja schon einen großen Teil des Museums in Bastogne, so dass der Zwischenstopp kürzer ausfallen würde. Die grobe Richtung blieb aber zunächst ähnlich. Wir starteten unser Wohnmobil in Nordkirchen und folgten in südwestliche Richtung, bis wir die belgische Grenze überquerten und in Eupen erstmal unseren Vorrat auffüllten.

Denn wenn wir schon grob in der Ecke sind, dann wollen wir uns auch an dem dort üblichen Reisfladen gütlich tun. So kauften wir zwei dieser leckeren Kuchen und fuhren – zurück. Genau, wir fuhren nur wegen der Reisfladen nach Belgien und suchten anschließend eine Übernachtungsmöglichkeit in Deutschland auf. Eine dieser tollen Errungenschaften eines freien Europas.
Ankunft am Wohnmobilstellplatz Vogelsang in der Eifel
Der Wohnmobilstellplatz Vogelsang in der Eifel sollte es werden und wir erhofften uns dort im Nationalpark ausreichend Ruhe für die erste Nacht. Das Areal der Burg Vogelsang, der Überreste vom Ort Wollseifen und alles, was es sonst so dort gibt, kannten wir schon ausführlich. Immerhin schrieb ich bereits einen Reiseführer über den Eifelsteig und erstellte in der Vergangenheit Textarbeiten für Eifel Tourismus. So hatten wir also schon vor vielen Jahren die Vorzüge dieser Region wandernd erkundet. Nur den Stellplatz – den hatten wir noch nicht kennenlernen dürfen, was wir an diesem Abend aber nachholten.

Warum man aber mit dem Wohnmobil in den Nationalpark und damit zu einem abseits und ruhig gelegenen Wohnmobilstellplatz reist, um dort dann das Autoradio so laut aufzudrehen, damit gleich drei weitere Parzellen beschallt werden, erschließt sich uns nicht. Aber gut, nach einer gewissen Zeit kehrte Ruhe ein und wir verbrachten sowieso den Abend mit einem Spaziergang durch die menschenleere Anlage der sogenannten Ordensburg Vogelsang.

Nach einer ruhigen Nacht spazierten wir ein weiteres Mal zur Gedenkstätte und beschlossen, auch die Räumlichkeiten mit den Ausstellungen über die NS-Zeit und über die Wildnis des Nationalparks zu besuchen. Interessant und wichtig definitiv, aber leider nicht so zeitgemäß wie es heutzutage sein müsste. Diese Kritik richtet sich vor allen Dingen an die Sonderausstellung, die ausschließlich aus ca. 20-25 intensiv beschrifteten Roll-Ups handelte. Ein Teil dieser Roll-Ups war sogar aus Platzgründen versteckt unter eine Treppe aufgestellt. Mit so einer sehr textlastigen Ausstellung erreicht man doch viel zu wenige Menschen. Hier sollte das Konzept dringend überdacht werden.
Blöd – in einer Baustellensackgasse gelandet
Nach der Ausstellung hatten wir noch eine Begegnung mit dem Betreiber des Wohnmobilstellplatzes, der beim Check-Out ein wenig übergriffig wurde, weshalb wir ihn dann auch links stehen ließen. Doch das vergaßen wir ganz schnell und fuhren wieder nach Belgien, um in St. Vith ein paar kleinere Brötcheneinkäufe zu tätigen.

In Gouvry wurde unsere Fahrt jedoch leider unterbrochen. Die einzige Brücke, die hier eine Bahnstrecke überspannt, war nämlich Baustelle und komplett gesperrt. Eine vorherige Beschilderung fiel leider aus und so strandeten wir also in einer Sackgasse. Wir hatten nun die Wahl zwischen einem weiten Umweg und einer Fahrt über kleine Landstraßen auf luxemburgischen Gebiet. Unsere Entscheidung fiel auf Letzteres und wir steuerten unser Wohnmobil über schmale Sträßchen zwischen Feldern, bis wir schließlich eine Unterführung der selben Bahnstrecke erreichten.

Die Höhenangabe sollte eigentlich reichen, aber die Unterführung kam uns eng und niedrig vor. Außerdem stieg die Straße gleich hinter der Unterführung steil an. Daher gingen wir auf Nummer Sicher und Moni entsprechend voraus. Aber sie zeigte an, dass tatsächlich noch genug Luft nach oben war und wir uns weiter über die schmalen Wirtschaftswege bewegen könnten. Allerdings waren wir dann schon froh, als wir in Luxemburg wieder auf herkömmlichen Straßen unterwegs waren.
Und wieder am War Museum in Bastogne
Doch die Fahrt durch Luxemburg war nur von kurzer Dauer, weil es sich ja nur um einen baustellenbedingten Umweg handelte. Kurze Zeit später fanden wir uns erneut in Belgien wieder. Übrigens auch ohne Grenzschild gut an dem deutlich schlechteren Straßenzustand zu erkennen. Bei Bastogne fuhren wir auf direktem Weg zum dritten Bereich des Museums, den wir eben noch nicht kannten.

Das Bastogne War Museum besteht nämlich aus einem Hauptbereich an der Gedenkstätte Mardasson sowie aus zwei Außenbereichen. Alle drei Einrichtungen an einem Tag zu besuchen, wäre sehr umfangreich und daher hat man beim Kauf des Tickets ein halbes Jahr Zeit für alle drei Orte. Auf unserer Reise wenige Monate zuvor besuchten wir das Hauptmuseum sowie die Ausstellung über den legendären Ausruf „Nuts!“. Was uns noch fehlte, war das originale Schlachtfeld in einem Waldstück nahe der Stadt.

Dort findet man die sogenannten Fox Holes, in denen sich die Soldaten der Easy Kompanie in den Waldboden eingruben, um die harte Zeit und die Kämpfe im Winter 1944/45 zu überstehen. Bekannt sind diese auch durch die Serie „Band of Brothers“, in der die Geschichte der Easy Kompanie vom D-Day bis zum Ende des Kriegs erzählt wird.
Mit dem Wohnmobil nach Luxemburg
Bei diesem dritten Abschnitt des Museums handelt es aber nicht nur einfach um ein Waldstück. Vielmehr wird hier mit Augmented Reality gearbeitet. Das heißt, mit dem eigenen Smartphone kann man über die entsprechende App an verschiedenen Stationen Videos anschauen, die einen in die damalige Zeit mitnehmen und die genau an der Stelle spielen, an der man gerade eben selber steht.


Unsere Reise führte uns anschließend wieder zurück nach Luxemburg. Wir hatten schon vorher beschlossen, wieder auf dem Wohnmobilstellplatz am Campingplatz Fuussekaul übernachten zu wollen. Wir hatten zwar noch zwei andere Campingplätze als Alternative notiert, doch den Stellplatz kannten wir nun schon vom letzten Mal und er lag strategisch einfach günstig. Nach dem Check-In zogen wir noch für einen kleinen Spaziergang los, wobei der für unsere Verhältnisse viel zu klein ausfiel. Großartige Möglichkeiten hat man rund um den Platz leider nicht. Außerdem hatten wir ohnehin schon an diesem Tag mit den Wetterverhältnissen zu kämpfen.

Kurz vor der Besichtigung des Waldstücks bei Bastogne harrten wir im Womo aus, um einen starken Graupelschauer auszusitzen und nun am Abend kamen wir gerade noch rechtzeitig zum Wohnmobil zurück, bevor der Regen wieder los ging. So gesehen passte alles wunderbar und wir konnten uns am nächsten Tag auf den weiteren Weg gen Frankreich machen. Schnell getankt und ab durch Luxemburg.
Ankunft in Verdun
Unterwegs wurden wir Zeuge, dass auch im kleinen, niedlichen und aufgeräumt wirkenden Luxemburg nicht alles Gold ist. Irgendwo in einem der kleinen Orte liefen vier seltsame Gestalten mit alkoholischen Getränken in der Hand, die bewusst ihren Müll aus den Jackentaschen holen und im Laufen auf den Boden warfen. Was hätten wir groß tun sollen? Na ja, wir hupten sie wenigstens an. Zumindest waren sie sehr erschrocken. Mehr war in dieser Situation für uns leider auch nicht möglich.

Hinter Luxemburg folgte mal wieder ein kurzes Stück Belgien und wenig später überquerten wir zum ersten Mal in diesem Jahr die Grenze zu Frankreich. Die Fahrt verlief zunächst über relativ leere Landstraßen und wir spürten, dass dies keine typische Touristenregion ist. Wer sich als Ausländer hierher verirrt, der hat Verdun als Ziel im Blick. So sahen wir dort in der Stadt auch erst wieder Wohnmobile. Nach einem kurzen Stopp bei Carrefour und an einer Bäckerei, um unsere Vorräte aufzufüllen (die Reisfladen aus Belgien waren natürlich schon weg), steuerten wir das Wohnmobil zur Gedenkstätte Verdun.







Das Areal, auf dem diese furchtbare und 300 Tage andauernde Schlacht stattfand, ist riesig. Der Parkplatz an der eigentlichen Gedenkstätte war absolut überfüllt und wir fuhren direkt zum Beinhaus, wo die Parksituation deutlich entspannter ist. Das Beinhaus befindet sich oberhalb eines Hangs, an dem tausende Grabsteine einen riesigen Friedhof bilden. Im Inneren des Beinhauses lagern wild zusammengeworfene Knochen von über 300.000 Soldaten.
Die Schlacht von Verdun dauerte 300 Tage
Wir besichtigen die Kapelle und gingen im Inneren des Glockenturms hinauf, um uns einen Überblick zu verschaffen. Auch hier wird mal wieder klar, wie viel Elend sich der Mensch antun kann. Nach der Besichtigung des Beinhauses gingen wir über den Friedhof und beschlossen, über einen Waldweg bis zur Gedenkstätte zu gehen. Es war deutlich sinnvoller, das Wohnmobil auf dem großen Parkplatz am Beinhaus stehen zu lassen, als sich am Museum einen Parkplatz zu erhoffen. Das wäre sowieso aussichtslos gewesen.




Es sind ohnehin nur gut 20 Minuten Fußweg und so standen wir also wenig später im Eingangsbereich des Museums. Wir waren überrascht, wie voll das ist. Gleichzeitig fanden wir das aber auch gut. Es ist so wichtig, sich so etwas anzuschauen und so wichtig, dass an die Ereignisse von damals erinnert wird. Wir kauften uns auch die Tickets und machten einen Rundgang durch das Museum. In einer Sonderausstellung wurde mit VR-Brillen visualisiert, wie die Kämpfe damals abgelaufen sind.


Das fanden wir super und war ein riesiger Kontrast zu der textlastigen Sonderausstellung in der Ordensburg Vogelsang. Allerdings verzichteten wir, weil die Brillenhelme nicht wirklich hygienisch waren. Ein jeder Besucher hatte die Technik auf dem Kopf und so waren an den Geräten mehr Haare als an Kleidungsstücken von Katzenbesitzern. Ansonsten war das Museum aber auf jeden Fall einen Besuch wert.
Campingplatz in der Nähe von Verdun
Da es nun aber schon recht spät geworden war, beschlossen wir, einen nahegelegenen Campingplatz aufzusuchen. Eine einzige schlechte Rezension, die wohl gerade recht aktuell war, sorgte jedoch dafür, dass wir mit Vorbehalten dort hingefahren sind. Aber weit gefehlt. Der Besitzer, ein älterer Herr, war absolut freundlich und sprach mit uns Englisch, obwohl wir Französisch versuchten. Der Mann war der lebende Beweis, dass dieses Vorurteil, Franzosen würden nur ihre eigene Sprache sprechen wollen, völlig überholt ist. Überrascht waren wir auch, dass auf diesem kleinen, charmanten Platz Kartenzahlung möglich war.

Das hätten wir hier nicht erwartet und so bezahlten wir 20 Euro für alles inklusive. Eine absolut ruhige Nacht hatten wir zudem auch noch. Allerdings hatten wir hier auch ein wenig Glück. Denn wie uns der Besitzer sagte, würde es am folgenden Abend eine Party auf dem Platz geben. Da waren wir wohl zur rechten Zeit am richtigen Ort.

Da wir mit dem Areal der Gedenkstätte von Verdun noch nicht fertig waren, fuhren wir mit einem weiteren kurzen Zwischenstopp an einer Bäckerei zurück zum Museum. Früh am morgen war es uns sogar noch möglich, einen Parkplatz zu ergattern und so spazierten wir durch die Überreste des Dorfes Douaumont. Überreste ist dabei schon sehr viel gesagt. Eigentlich handelt es sich um eine Fläche, die nur noch aus überwucherten Granattrichtern besteht. Die Deutschen hatten hier im Ersten Weltkrieg einfach alles rigoros zerstört.
Erneut zum Beinhaus und zum ehemaligen Dorf Douaumont
Schilder geben heute Hinweis darauf, wo sich welche Straßen des Dorfes befanden und welche Gebäude sich an entsprechender Stelle befanden. Wieder einmal ein trauriges Geschichtskapitel. Zu guter Letzt fuhren wir noch zum heiß umkämpften Fort wenige hundert Meter hinter dem Beinhaus. Zwischen Beinhaus und Fort verläuft neben der Straße auch noch ein damaliger Schützengraben, den wir ebenfalls besichtigten. Jetzt, wo wir das alles gesehen haben und einen Überblick über das Gelände bekamen, ist es immer unvorstellbarer, wie man sich hier so dermaßen bekämpfen konnte. Allerdings ging uns der Gedanke nicht aus dem Kopf, dass wir aktuell im Jahr 2026 Augenzeuge von diversen Kriegen sind und es an den Orten eines Tages vielleicht auch Gedenkstätten geben wird, um sich dort zu versöhnen. Da stellt sich die Frage, warum man sich nicht sofort versöhnt. Nun ja.





Nach dem Dort Douaumont und dem Fort verließen wir die Gedenkstätte und fuhren wieder in Richtung Deutschland. Wir entschieden uns für eine mautfreie Fahrt durch Luxemburg, um nach Saarlouis zu gelangen. Auch schon lange stand bei uns der Wunsch im Raum, auf einer Bergehalde das Saarpolygon zu besichtigen. Halden des Bergbaus kennen wir ja im Ruhrgebiet zu Genüge und haben dort als ehemalige Ruhrgebietler jede Halde erklommen – sowohl privat als auch für diverse Reiseführer über das Ruhrgebiet.








Doch die Halde bei Saarlouis kannten wir nicht. Wir hatten nur mal vor einiger Zeit beim Vorbeifahren das Saarpolygon aus der Ferne gesehen. Das Wohnmobil parkten wir an einem Schwimmbad und machten uns anschließend auf, den Berg zu erklimmen. Oben genossen wir einerseits die Aussicht auf das für uns unbekannte Umland, andererseits beäugten wir das Saarpolygon aus jedem Winkel, da sich der Anblick aus unterschiedlichen Richtungen immer wieder anders ergibt.



Vom Saarpolygon wieder zurück in die Eifel
Es hat uns gut gefallen und zum Abschluss trauten wir uns auch, das Saarpolygon zu besteigen und die Brücke in luftiger Höhe zu überqueren. Das hat uns gut gefallen und wir bereuten diesen kleinen Umweg nicht. Für den Abend hatten wir uns den Wohnmobilstellplatz Pulvermaar in der Eifel als Übernachtungsort ausgesucht und machten daher ein paar Kilometer gut. Wir hatten Glück und der Platz war alles andere als voll. So hatten wir viel Platz um uns herum, eine tolle Aussicht und konnten nach dem Einchecken noch eine kleine, schnelle Runde um das Maar machen.




Die Nacht war ebenfalls sehr ruhig und wir freuten uns, dass unsere Reise mit Reisfladen über Bastogne, Verdun und Saarlouis ganz nach Plan verlief. Nur die Rückfahrt war ein wenig nervig, weil die Autobahnen doch sehr voll waren. Aber gut, so lange das alles war. Eine entspannte Tour mit interessanten Eindrücken endete aus unserer Sicht erfolgreich.
Hier noch ein Video vom Roadtrip:

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
Die Weltenbummler – ältester deutschsprachiger Reiseblog (seit 2000)


