2 Monate USA – Tag 16 – Missouri

So wie wir es am Abend zuvor befürchteten, wurde es schließlich auch in diesem Hotel in Rolla. Wir hatten schon bessere Nächte, allerdings auch schlechtere, wie sich später noch zeigen würde. Kein Wunder also, dass wir morgens schnell das Hotel verließen und uns wieder auf den Weg machten. Dabei kamen wir vom schlechten Hotel direkt in den Regen. Zum Glück war das aber nur ein Schauer und im Laufe des Tages lockerte das Wetter deutlich auf.

Zum ersten Mal auf dieser Reise fuhren wir in die eigentlich falsche Richtung. Da wir nämlich gestern auf die Übernachtung in Cuba verzichteten und uns auf direktem Weg nach Rolla begaben, reisten wir an einer Sehenswürdigkeit vorbei, die wir unbedingt noch einmal besuchen wollten.

Eigentlich handelt es sich um nichts Besonderes und wir kannten es eben auch schon von unserem Roadtrip von vor vier Jahren. Da war zum einen der größte Schaukelstuhl der Welt, der uns aber tatsächlich dieses Mal nicht interessierte und der General Store gleich nebenan. An der sogenannten Fanning Outpost wollten wir nämlich etwas einkaufen.

Beim letzten mal erwarben wir dort nämlich ein Schneidebrett mit einer Route 66-Gravur und es stellte sich in den letzten vier Jahren heraus, dass es sich um eine ziemlich gute Qualität handelte. Daher beschlossen wir, ein weiteres für unsere Küche dazu zukaufen. Wie es aber das Schicksal so will, gab es exakt dieses runde Schneidebrett nicht mehr. Doch der Verkäufer empfahl uns ein längliches, das vom selben Hersteller stammte. Tja, und so erweiterten wir unser Gepäck und im Nachhinein finden wir es gar nicht schlecht, zwei optisch unterschiedliche Schneidebretter zu besitzen, die aber eine Route 66-Prägung besitzen und tatsächlich an der Route 66 gekauft wurden – im Abstand von vier Jahren.

Anschließend fuhren wir zurück bzw. nun endlich wieder weiter nach Rolla, wo wir noch den Miniaturnachbau des englischen Stonehenges betrachteten und die Stadt über den Verlauf der historischen Straße verließen. Dabei kamen wir auch zu Vernelle’s Motel, einem alten Motel aus den 1930er-Jahren.

Ehemaliges Motel
Ehemaliges Motel

Ich wusste auf Grund meiner Recherche zu einem meiner USA-Bücher bereits, dass der Besitzer hier einen Wohnmobilstellplatz, also einen RV-Park plant. Aber ich wusste auch schon, dass der Bau wohl sehr langsam voran schreitet und na ja, so war es dann auch vor Ort zu sehen. Viel hatte sich hier noch nicht getan und es stand zu befürchten, dass es wohl noch sehr lange dauern würde, bis da mal wirklich ein Wohnmobilstellplatz entstehen würde.

Auch das Motel ist schon lange nicht mehr in Betrieb. Eigentlich alles sehr schade, denn hier könnte man – abseits der Interstate – ein wirklich ruhiges Refugium schaffen.

Unsere Reise ging weiter zum Big Piney River, der von drei Brücken überspannt wird. Da wäre die Autobahnbrücke der Interstate, die uns dieses Mal nicht interessiert sowie die Brücke der Route 66. Aber es gibt auch die Devils Elbow Bridge, die in den Anfängen der Route 66 entstand und von den Reisenden zunächst überquert wurde. Eben bis sie von dem etwas moderneren Abschnitt der Route 66 abgelöst.

Eine niedliche kleine Brücke, auf der heute eigentlich nichts mehr los ist. Wer hierher kommt, will einfach nur die Brücke besuchen oder seine Füße in den Fluss halten. Und trotz dieser Abgeschiedenheit fällt uns ein Schild auf, das so typisch deutsch sein könnte: Man dürfe nur auf der einen Straßenseite parken, nicht auf der anderen. Dabei war hier sonst nichts mehr, außer das mittlerweile schon seit vielen Jahren geschlossene Gebäude des Elbow Inn.

Hier war im letzten Jahrhundert deutlich mehr los. Wir fuhren wieder zurück zur „neueren“ Route 66, fotografierten ein paar wilde Truthähne, die uns über den Weg liefen und machten uns auf zur nahegelegenen Uranus Fudge Factory. Dieser Ort ist schon sehr speziell und besteht aus mehr als nur einem Süßigkeitenladen.

Hier gibt es die weltgrößte Gürtelschnalle, ein Kuriositätenkabinett und einen Kasten, in dem man angeblich ein Alien berühren kann. Dient natürlich dazu, denjenigen zu erschrecken, der seine Hand hineinhält. Und wenn man den Laden betritt, dann schreit einer Mitarbeiter eine Art Willkommensgruß, der von den anderen Mitarbeiten wiederholt wird. Gute Güte, was für ein skurriler Ort.

Bei unserem letzten Besuch hatten wir vieles irgendwie nicht verstanden oder auch den Humor nicht verstanden. Dieses Mal sind wir dort etwas anders durchspaziert und haben das alles einfach mit Humor genommen. Genau dafür ist es nämlich gedacht. Es ist zwar immer noch alles sehr seltsam in unseren Augen und wir sind uns sicher, dass so ein Geschäft in Deutschland nicht funktionieren würde. Aber wir sind hier in Amerika an der Route 66 und da passt es irgendwie hin.

Auch St. Robert ist nicht weit weg und hier stoppten wir, um uns den Neon Sign Park anzuschauen. Hierbei handelt es sich um eine Art Freilichtmuseum, in dem zahlreiche historische bzw. echte Neonschilder von einst aufgestellt wurden. Diese leuchteten früher tatsächlich mal und machten Werbung für Diner, Motels und Co.

Sie existieren heute nicht mehr, aber die Neonschilder hat man zum Glück aufbewahrt, restauriert und nun hier zu einer kleinen Parkanlage zusammengestellt.

Eine weitere Grünanlage gibt es in Lebanon. Dort hat man ein altes Motelzimmer aufgestellt, um zu vermitteln, wie die Reisenden früher nächtigten. Das berühmte Munger Moss Motel kannten wir hingegen schon vom letzten Mal, stoppten aber natürlich auch dort. Was wir noch nicht kannten, war das kleine Museum, in das wir hinein wollten.

Hier bekamen wir abermals einen Stempel für unseren Route 66-Stempelpass. Doch wir wunderten uns zunächst, als wir das Gebäude betreten wollten. Es ist nämlich nicht ein reines Museum, sondern ein Gebäude der Stadtverwaltung und hier befindet sich auch die Führerscheinstelle. Und daher standen hier zahlreiche Menschen in einer Schlange, behielten aber zu ihren Vorderleuten jede Menge Abstand – beinahe so wie damals zur Coronazeit.

Ein bisschen wirkte es so, als müssten diese Menschen gerade einen Test ausfüllen und dürften nicht voneinander abschreiben. Es machte einen etwas seltsamen Eindruck und wir waren zunächst verunsichert, ob wir hier richtig waren. Aber kurz hinter der Menschenschlange erblickten wir das Museum, das wiederum menschenleer war.

Wir verließen die Stadt und fuhren zum angeblich größten Geschenkeladen der Welt. Beim letzten Mal waren wir zu spät und er hatte schon geschlossen. Dieses Mal wollten wir aber hinein und mal ein wenig stöbern. Ob er wirklich der größte Laden seiner Art ist, steht auf einem anderen Blatt. Ein ähnliches Schild sahen wir später nämlich auch in Las Vegas.

Es ist halt wieder einmal typisch amerikanisch, es muss immer das größte sein. Groß war der Shop definitiv und auch sehr aufgeräumt bzw. sortiert. Aber jetzt kommt die Ironie: Wir fanden nichts für uns. Dabei kaufen wir ja gerne Souvenirs oder sonst irgendwelche Andenken wie Puzzle und dergleichen. Aber hier im angeblich weltgrößten Gift Shop? Nichts.

Unsere Reise ging weiter nach Springfield, einer deutlich größeren Stadt. Sie gilt als die Geburtsstadt der Route 66. Denn hier wurde in einem Hotel der Name 66 festgelegt und per Telegramm übermittelt. Der Standort des Hotels ist heute ein Parkplatz, doch mittlerweile besinnt man sich der Thematik und hat Skulpturen in Form von Schlüsseln aufgestellt und mit Stahlrohren einen Teil der Hotelfassade symbolisch aufgestellt.

Auch die 66er-Ziffern dürfen hier natürlich nicht fehlen. Besonders gut gefallen hat uns aber das moderne Büro der Tourist Information. Nicht nur, dass wir hier außerordentlich freundlich begrüßt wurden, es war auch eine sehr modern gestaltete und offene Information. So etwas sieht man entlang der Route 66 oder generell in den USA eher selten.

Wir spürten schon, dass die Route 66 hier noch gelebt wird. Selbst Fahrradständer erinnern an den Schriftzug und es gibt einen kleinen Park, der darauf aufmerksam macht, dass die Stadt als Geburtsort der Mother Road genannt wird. Das hat uns alles gut gefallen, doch als Übernachtungsort stand Springfield nicht auf unserer Liste.

Daher fuhren wir weiter, stoppten wie schon beim letzten Mal an der restaurierten Gary’s Gay Pirita-Tankstelle und hielten auch nochmal kurz in Carthage an. Dort warfen wir einen Blick auf das restauriere Boots Court Motel und betraten die benachbarte Tourist Information, die wiederum in einer ehemaligen Tankstelle untergebracht ist.

Unterwegs erfreuten wir uns noch anderer Wandbilder wie in Webb City oder Route 66-Ziffern und kamen in Joplin an. Dort warfen wir noch einen Blick auf den Route 66 Mural Park. Dieser bestand eigentlich auch aus mehreren Wandgemälden und einem Auto, das künstlerisch in die Wand integriert wurde. Wieder einmal stellten wir fest, dass sich die lokalen Behören und Einwohner viel Mühe gegeben haben, um den 100. Geburtstag der Route 66 gebührend zu feiern.

Zur Inhaltsangabe für die weiteren Reisetage

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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