Sabbatical

“Sabbatical? Was ist denn das?”, werden sicherlich einige fragen. Eigentlich bedeutet dies nichts anderes als “Sabbatjahr”. Einfach mal für einige Zeit aussteigen, der Zeitraum hierbei spielt dabei keine Rolle. Entweder einige Monate, ein Jahr oder sogar noch länger…

 

Warum ein Sabbatjahr?

Genau darum handelt es sich bei dem was ich in regelmäßigen Abständen praktiziere. Weg von all dem Alltagsstress. Nicht jeden Morgen im Stau stehen, immer wieder zur Arbeit und nachmittags nach Hause, einkaufen, essen machen, fernsehen, ins Bett gehen und am nächsten Tag fänLangzeitreisengt es wieder von vorne an.

Ausführliche Informationen zu diesem Thema findet man noch immer relativ selten. Zwei sehr gute Bücher seien an dieser Stelle vorgestellt:

Zum Einen ist im Jahr 2007 im Reise Know How Verlag der Titel “Langzeitreisen” (ISBN 978-3-8317-1595-7) erschienen. Die Autorin Andrea Buchspieß beschreibt auf 160 Seiten zahlreiche Möglichkeiten, wie ein längerer Auslandaufenthalt aussehen und organisiert werden kann. Von den Vorüberlegungen, wann ein Sabbatical am günstigsten ist über die Reisevorbereitungen und bis zum Thema Wiedereinstieg nach der Auszeit wird das Thema ausführlich behandelt. So werden zum Beispiel auch Tipps gegeben, wie man mit seinem Chef über ein Sabbatjahr verhandeln kann, ohne gleich seinen Arbeitsplatz kündigen zu müssen.

Bereits etwas länger auf dem Markt ist das so genannte “Sabbatical Handbuch”, erschienen beim vgs (ISBN 3-8025-1386-X). Es beginnt mit einem Dialog aus dem Film “Holiday” von 1938 indem Cary Grant zu Katharine Hepburn folgende Worte sagte:

-Ich werde mir Urlaub nehmen, so lange ich brauche.-
-Nur um Spaß zu haben?-
-Nein, Ich will herausfinden, warum ich arbeite. Die Antwort kann doch nicht sein, nur Rechnungen zu bezahlen und mehr Geld anzuhäufen… Ich werde es nicht herausfinden, während ich hinter irgendeinem Schreibtisch in einem Büro sitze. Also haue ich für eine Weile ab, sobald ich genug Geld zusammen habe. Komme zurück und arbeite, wenn ich weiß, wofür ich arbeite. Macht das Sinn?-

Und genau dieses Ziel verfolge auch ich. Einfach aussteigen für eine gewisse Zeit und machen was ich will. Es gibt keinen Menschen, der einem das verbieten kann. Ich bin unverschuldet, werde nicht per Haftbefehl gesucht, muss bei keinem Amt regelmäßig vorstellig werden und habe keinerlei Verpflichtungen anderen Menschen gegenüber. Wer kann mich aufhalten, einfach vor die Tür zu treten und zu gehen? Irgendwohin? Nur ich selbst. Denn nur ich bin für mich verantwortlich, sonst niemand.

Sabbatical und die Finanzen

Leider höre ich häufig das Argument: “Ja, wie kannst du denn bloß? Denk doch mal an deinen Lebenslauf. Wie willst du das bei deinem nächsten Vorstellungsgespräch erklären?”

Was kaum einer weiß, ist die Tatsache, dass in anderen Staaten ein Sabbatjahr zum Arbeitsalltag gehört:

In Australien gibt es nach zehn Jahren im öffentlichen Dienst einen Anspruch auf drei Monate bezahlten “long service leave”.

So unglaublich es klingen mag, doch in Dänemark kann man nach drei Jahren Berufstätigkeit für sechs Monate mit einem Arbeitslosen tauschen und bekommt weiterhin 80% seines Lohnes.

Jedem französischen Bürger steht per Gesetz nach sechs Arbeitsjahren – davon drei im selben Betrieb – ein sechs- bis elfmonatiges unbezahltes “congé sabbartique” zu.

Auch im benachbarten Niederlande können sich Arbeitnehmer nach einem Jahr fester Arbeit für einen Bildungsurlaub bis zu sechs Monate freistellen lassen und werden sogar mit maximal 500 € unterstützt. Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber für den Zeitraum einen Arbeitslosen einstellt.

Man sieht also, dass andere Länder bereits gemerkt haben, dass es auch für einen Betrieb besser ist, wenn ein Arbeitnehmer nach langer Abwesenheit erholt zurück kommt. Nur in Deutschland herrscht in vielen Köpfen der Gedanke, man muss 40 Jahre ohne Unterbrechung im selben Betrieb beschäftigt sein, mit 60 Jahren ein Fahrzeug der Oberklasse fahren und ein Häuschen im Grünen haben. Das dies den wenigsten gelingt, sei hier einfach mal so hingestellt.

Die nächste Aussage gehört immer den Finanzen. “Kannst du dir das denn auch leisten?” Was glauben die Leute? Das ich im Lotto gewonnen habe? Ein zweiwöchiger Urlaub irgendwo in der Sonne kostet mindestens € 700. Hinzu kommen die Fixkosten daheim. Wenn ich also knapp 20 Wochen wegfahre, zahlen € 14.000 + Fixkosten? Wohl eher nicht. Da bei mir auf Grund fehlender Wohnung der Hauptteil der monatlichen Belastungen weg fällt (inkl. Strom, Telefongrundgebühr, Wasser; Nebenkosten usw.) und ich nicht monatelang Urlaub im Vier-Sterne-Hotel mache, sind die Ausgaben interessanterweise geringer, als wenn ich daheim in einem Büro arbeiten ginge.

Mittlerweile hat es sich bei mir sogar so weit entwickelt, dass ich das Reisen zu meinem Beruf machen konnte und so die Arbeit damit verbinden kann. (Es soll bitte nicht der Eindruck entstehen, ich will mich auf die faule Haut legen, DAS ist damit nicht gemeint! Ganz im Gegenteil, mittlerweile vereinnahmt mich die Arbeit als Dauerreisender so sehr, dass ich 12-15 Stunden am Tag beschäftigt bin – und das an sieben Tagen in der Woche).

Tja, und wenn man alle diese Argumente aus dem Weg geräumt hat, was meistens nicht klappt, dann kommt nur noch: “Bewundernswert, ich könnte das nicht!”. “Und warum nicht?” “Ne, weiß ich nicht, ich kann doch nicht einfach los fahren, nein, das geht nicht…”

Eine plausible Antwort hierauf habe ich noch nie erhalten. Sicherlich gibt es Menschen, die wirklich nicht können, Menschen mit einem Handicap, Menschen, die sich um einen anderen kümmern müssen oder Menschen, die unverschuldet in eine Situation gerieten, bei der ein Sabbatical das Letzte ist, woran sie denken können. Allerdings muss ein Sabbatjahr auch nicht immer mit einer Reise verbunden sein. Man kann sich auch eine Auszeit nehmen und sich seinem Hobby widmen oder für andere da sein. Auch das habe ich bereits hinter mir…

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