Ruine Isenburg

Wanderung durch den Schellenberger Wald in Essen

Bei einer 12 Kilometer langen Umrundung der grünen Lunge Essens nutzen wir zunächst eine Trasse, auf der in früheren Zeiten dampfende Lokomotiven ratterten. Weiter gelangen wir durch den Schellenberger Wald auf die hügeligen Ruhrhöhen. Diese offenbaren nicht nur Panoramen über das Stadtgebiet hinaus, sondern lassen uns auch in die Geschichte der Stadt blicken. Von den sehenswerten Überresten der Isenburg geht es abschließend zum majestätischen Schloss Schellenberg.

Der folgende Text stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer „20 Wanderungen in und um Essen“. Die Angaben können daher veraltet sein.

Wanderer, die mit dem Bus anreisen, gehen auf der kleinen Straße der Ruhrbrücke (Zufahrt zum Restaurant) ca. 50 Meter bis zum Parkplatz des Annentals, wo der Ruhrtalradweg nach Bochum abzweigt. Hier beginnen wir unsere Wanderung und folgen zunächst der Radwegebeschilderung nach Rüttenscheid. Zu beachten gilt hier, dass der Weg auch von vielen Radfahren gerne genutzt wird und diese wegen des Gefälles ab Rüttenscheid teilweise sehr sportlich fahren.

Gemütliche Wohnsiedlung in Essen

Gemütliche Wohnsiedlung in Essen

Rundweg in Rellinghausen

Als Erstes unterqueren wir die Ruhrallee und folgen dem schotterigen Weg stets leicht bergauf. Am Wegesrand laden in regelmäßigen Abständen Sitzbänke zum Ausruhen ein. Insbesondere zur Linken können wir zwischen den Bäumen gelegentlich einige Wohnhäuser von Rellinghausen erspähen. Sportlich geht es rechter Hand zu, wo wir den Spielern des Tennisvereins Rellinghausen beim Training zuschauen können. Gleich dahinter folgen Felder, bis wir nach etwas über zwei Kilometern unter Eichenbäumen auf einen Kilometerstein stoßen, der uns daran erinnert, dass wir uns auf einer ehemaligen Bahntrasse befinden.

Die einstige Bahntrasse verband seit 1878 Bochum-Dahlhausen mit Mülheim-Heißen. Ab den 1960er-Jahren fand keine Personenbeförderung mehr statt, und es verkehrten nur noch Güterzüge auf diesem Abschnitt. In den 1980er-Jahren ist der Betrieb gänzlich eingestellt worden, und es begannen erste Umbauten, um auf der einstigen Trasse einen Radwanderweg anzulegen.
Seit 2005 ist die Strecke zwischen Mülheim-Heißen und Essen-Steele ausgebaut und mündet in den Ruhrtalradweg.

Wenig später treffen wir auf eine Stahlbrücke mit mächtigen Bögen, die über die Wittenbergstraße führt. Direkt vor der Brücke verlassen wir den Weg auf dem kleinen Fußweg nach links und überqueren an der Fußgängerampel die Wittenbergstraße sowie die Wittekindstraße, die nur durch eine Verkehrsinsel voneinander getrennt sind. Dabei wandern wir in das ruhige Wohnviertel schräg gegenüber der Verkehrsinsel. Den Von-Bodenhausen-Weg verlassen wir aber sofort wieder nach rechts in die Sackgasse Gantesweiler. Es sind nur rund 100 Meter bis zum Ende der Sackgasse, wo uns auf der linken Seite ein schmaler Fußweg in die Büttnerstraße hochführt. Dort zweigen wir rechts ab und werden nun (leider) ein kurzes Stück von der Geräuschkulisse der A 52, die gleich hinter den hübschen Einfamilienhäusern auf der rechten Seite verläuft, begleitet.

Wanderung durch den Schellenberger Wald

Wanderung durch den Schellenberger Wald

Gemütlich durch den Schellenberger Wald

Hinter einer kleinen Kurve erscheint ein grünes Dreiecksschild mit dem Hinweis auf ein Landschaftsschutzgebiet. Direkt vor dem Schild gehen wir rechts in den Wald hinein und folgen dem ausgetretenen und schmalen Pfad durch das Gehölz. Nach Überquerung einer kleinen Brücke wird der Pfad wieder breiter und trifft an einer weiteren Brücke mit Holzgeländer auf einen „richtigen“ Wanderweg, der mit einem Rautensymbol gekennzeichnet ist. Diesem nur ein kurzes Stück folgend, biegen wir sofort hinter dem Holzgeländer an einer Weggabelung nach links ab.

Blick auf den Baldeneysee

Blick auf den Baldeneysee

Unser Weg verläuft abermals stetig bergauf und endet an der nächsten Hauptstraße, der Frankenstraße. Eine Ampel für Reiter hilft auch uns Wanderern, die Straße zu überqueren. Auf der anderen Straßenseite lassen wir den Wanderparkplatz rechts liegen und folgen zunächst dem asphaltierten Wanderweg A1, der nach rund 100 Metern an einer weiteren Weggabelung zu einem Schotterweg wird. Auf einer Lichtung sehen wir links einen überdachten Picknickplatz, der besonders bei schlechtem Wetter zum Ausruhen einlädt. Nur wenig später biegen wir nach links in den Wanderweg S ab, der uns steil hinab zu einer Sitzbank lenkt. Dort führt uns der Wanderweg nach rechts, parallel zu den S-Bahngleisen der Linie 6 zwischen Essen und Köln, bis wir in einem engen Tal auf das ehemalige Waldrestaurant Zur Kluse treffen, welches sich genau auf der Hälfte des Rundkurses befindet.

Unterwegs an der Kluse

Der Begriff Kluse stammt von Klause ab, was unter anderem eine Einsiedelei bezeichnet. Dieser Begriff ist sehr passend, wenn man sich die einsame Lage der Essener Kluse aus dem 14. Jahrhundert anschaut. Sie besteht heute aus einem über 200 Jahre alten, denkmalgeschützten Fachwerkhaus mit Nebengebäude sowie einer Kapelle. Im Herbst 2009 brannte das Fachwerkhaus mit dem sich darin befindlichen Restaurant Zur Kluse leider komplett aus. 

Unser Weg verläuft links an der Kluse vorbei, dann biegen wir links ab, um die S-Bahngleise sowie die Lerchenstraße zu unterqueren. Der Schotterweg geht nun steil rechts bergauf und trifft auf eine Asphaltstrecke, an der wir uns nach links und an der nächsten Möglichkeit nach rechts wenden. An einer weiteren Gabelung folgen wir der Beschilderung zum Emil-Frick-Haus, gehen also rechts hinab auf das weiter unten stehende Fachwerkhäuschen zu, vor dem wir allerdings wieder links hinauf wandern. Jetzt bleiben wir für ein kurzes Stück auf dem mit X29 gekennzeichneten Bergischen Weg des Sauerländischen Gebirgsvereins. Hinter dem Fachwerkhaus zweigen wir wieder nach rechts ab und passieren eine kleine Streuobstwiese. An der Infotafel über den Obstanbau müssen wir links abbiegen und den sehr steilen Weg bergauf benutzen. Dabei gelangen wir automatisch zum Wanderparkplatz mit dem romantischen Namen Heimliche Liebe, wo sich nicht nur eine beliebte Minigolfanlage befindet, sondern auch das gleichnamige Restaurant.

Ausblick von der Korte Klippe

Ausblick von der Korte Klippe

Aussicht auf den Baldeneysee

Vor dem Restaurant Heimliche Liebe folgen wir der Beschilderung des Fußwegs zur Ruine Isenburg. Dabei wandern wir ein kurzes Stück auf dem Ruhrhöhenweg, der stetig auf und ab verläuft und immer wieder schöne Ausblicke auf den Baldeneysee eröffnet. An einer T-Mündung halten wir uns rechts und erreichen nach wenigen Schritten im Schellenberger Wald die Ruine der Burg Isenburg.

Die Burg Isenburg wurde nicht lange als solche genutzt. Nur 48 Jahre nach ihrer Fertigstellung im Jahr 1240 wurde sie vom Grafen von der Mark bereits wieder zerstört. Dabei ist sie mit 135 Metern Länge eine der größeren Burganlagen der Region gewesen. Die Ruine verfiel im Laufe der Zeit, bis sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgegraben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Charakteristisch für diese Art von Burgen ist die Unterteilung in Hauptburg und Vorburg, wobei letztere bis heute archäologisch noch nicht endgültig untersucht wurde.

Nach der Besichtigung der Burganlagen gehen wir zurück zur T-Mündung am Wanderweg und folgen jetzt dem Weg A3. Es geht leicht bergab und an einer weiteren Gabelung links. Dabei treffen wir auf den Schwarze-Lenen-Weg, der uns rechts zum asiatischen Restaurant Schwarze Lene führt. Von der Außenterrasse des Lokals hat man eine tolle Aussicht auf das südliche Essen. Wir gehen jedoch über den Parkplatz des Restaurants hinweg und an den beiden Garagen vorbei wieder in den Schellenberger Wald hinein. Dabei halten wir uns an einer Abzweigung links, steigen bergauf und kommen zur Heisinger Straße. Zunächst überqueren wir die Straße nicht, sondern biegen rechts ab. Wir sehen schon das Hinweisschild des Ruhrhöhenwegs und davor einen Stein mit der Gravur Korte Klippe. Diese ist einen kleinen Abstecher wert.

Tolle Blicke von der Korte Klippe

Daher wandern wir wieder in den Schellenberger Wald hinein und erreichen nach wenigen Metern diesen vielleicht schönsten Aussichtspunkt Essens, der immer noch als Geheimtipp gehandelt wird. Zwei Sitzbänke oberhalb einer kleinen Steinmauer geben uns die Möglichkeit, fast den gesamten Baldeneysee zu überblicken. Und natürlich um die Aussicht in das Bergische Land südlich von Essen zu genießen.

Ruine Isenburg

Ruine Isenburg

Nach diesem herrlichen Ausblick können wir dem Waldweg folgen, er führt uns in einem Bogen wieder zum Ausgangspunkt an der Heisinger Straße zurück. Diesmal überqueren wir sie, biegen auf der anderen Straßenseite nach links ab und wandern zunächst in geringer Entfernung parallel zur Hauptstraße. An einer Wegkreuzung entscheiden wir uns für den zweiten Wanderweg auf der rechten Seite, der uns lange Zeit bergab führt.

Nach mehreren hundert Metern folgen wir einem Abzweig nach links. Dieser bringt uns in die Straße Kantorie, in die wir nach rechts einschwenken. Zwar haben wir hier die Stille des Waldes verlassen, laufen aber durch ein sehr ruhiges Wohnviertel. Über die anschließende Straße Alte Eichen gelangen wir automatisch zum Schloss Schellenberg, welches sich zu unserer Linken erhebt.

Schloss Schellenberg in Essen

Schloss Schellenberg in Essen

Stolzes Schloss Schellenberg

Das heutige Aussehen von Schloss Schellenberg stammt aus dem Jahr 1820. Doch der dazugehörige Wohnturm mit seinen vier Etagen ist deutlich älter und wurde bereits im 14. Jahrhundert erbaut. Die gesamte Anlage des Schlosses besteht im Wesentlichen aus dem Haupthaus sowie zwei Wirtschaftshöfen. Der älteste Teil des inneren Hofes beherbergt die Vorkammer, auch Rentei genannt (daher auch der Name der angrenzenden Straße Renteilichtung). Sie stammt ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert, während es der äußere Wirtschaftshof mit seinem Torhaus auf 200 Jahre bringt. Am Rande des Englischen Gartens hinter dem Hauptgebäude steht ein kleiner Pavillon mit achteckigem Grundriss, der den Namen „Amore Pavillon“ trägt.
Heute werden die Räumlichkeiten des seit 1984 unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes zu Seminarzwecken vermietet.

Über die Schellenbergstraße, die am Schloss bergab führt, gelangen wir zur Wuppertaler Straße. Diese überqueren wir und folgen ihr für 300 Meter bis zu unserem Ausgangspunkt, wo wir uns im Drago Restaurant In der Zornigen Ameise stärken können.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Wanderung um die Ruhrhalbinsel in Überruhr | Die Weltenbummler

  2. Was für Wanderschuhe kannst du für diese Wanderung empfehlen? Geht es viel über Stock und Stein oder überwiegend befestigt zu?

    Vielen Dank im Voraus, David

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