Waldreiche Region in der Vulkaneifel

Kleine Wanderung bei Bad Bertrich

Nach einem erholsamen Spaziergang durch die gemütliche Fußgängerzone des Kurortes Bad Bertrich wandern wir auf einem sanft ansteigenden Weg bis zu den Moselhöhen. Dort erwarten nicht nur herrliche Picknickplätze, sondern auch tolle Aussichten auf die Mosel. Zwischen weiten Feldern blicken wir über die Eifel und genießen die Frische. Anschließend wandern wir durch grün leuchtende Wälder zurück nach Bad Bertrich, um uns am heilenden Wasser des Ortes laben.

Der folgende Text stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer „Wanderungen an der Mittelmosel“. Die Angaben können daher veraltet sein.

Das Film- und Fotomuseum in Bad Bertrich

Das Film- und Fotomuseum in Bad Bertrich

Frische Waldluft und bewaldete Hänge umgeben uns, wenn wir unsere Wanderung am Parkplatz bzw. an der Haltestelle im Südwesten von Bad Bertrich beginnen. Wir lassen die Zufahrt vom Parkplatz hinter uns und begeben uns in Richtung Ortszentrum. Die 20 Stufen am Ende des Parkplatzes überwinden wir mit Leichtigkeit und genießen das Plätschern des flachen Üßbaches zu unserer Linken.

Wir wandern oberhalb des Bachs in den idyllischen Ort hinein. Zu unserer Rechten erheben sich eleganten Fassaden. Eines der ersten Häuser besticht durch seinen Fachwerkstil und Erker. Und wenn wir unsere moderne Digitalkamera wieder eingepackt haben, werfen wir einen Blick in das Innere des Gebäudes, wo das Film- und Fotomuseums uns in die Vergangenheit entführt. In mehreren Räumen wird anschaulich erläutert, wie früher fotografiert wurde. Unsere Route führt uns aber geradeaus in die Fußgängerzone von Bad Bertrich.

Wildromantisch liegt Bad Bertrich im engen Tal des Üßbaches. Der abgeschiedene sehr ruhige Ort wurde 1097 das erste Mal urkundlich festgehalten. Durch die Heilquelle, die bereits von den Römern als Thermalquelle genutzt wurde, erlangte Bad Bertrich schon früh den Status eines Staatsbades – genauer gesagt am 24. Oktober 1476.

Bad Bertrich war schon früh ein Kurort

Ende des 18. Jahrhunderts erbaute der letzte Trierer Kurfürst das Kurfürstliche Schlösschen. Es diente ihm als Sommer- und Jagdresidenz. Nachdem napoleonische Truppen den Ort zwei Jahrzehnte besetzt hielten, erblühte das Bad wieder und lockte namhafte Persönlichkeiten in das Seitental der Mosel. Alexander von Humboldt untersuchte das Heilwasser, während sich Kinderbuchautor Heinrich Hoffmann, bekannt für den Struwwelpeter, in Bad Bertrich erholte. Auch heute ist der ruhige Ort mit seiner frischen Luft und dem heilenden Wasser ein beliebtes Ziel. Berühmter Gast im Jahr 2006 war die Fußballnationalmannschaft der Schweiz, die sich in Bad Bertrich auf die Weltmeisterschaft vorbereitete.

Wanderweg bei Bad Bertrich

Während wir langsam durch die ruhige Fußgängerzone bummeln und die Auslagen in den Schaufenstern begutachten, locken rechter Hand das Hotelrestaurant Zumbusch und kurz darauf das Kurhotel Fürstenhof mit leckeren Speisen. Nur wenige Meter später erreichen wir die Vulkaneifel-Therme und Informationstafeln erklären uns, was es mit der Vulkanstraße auf sich hat.

Aschewolken ragten kilometerweit in die Höhe, Lavaströme ergossen sich hangabwärts und Felsbrocken wurden im hohen Bogen aus dem Berg gesprengt. In der Vulkaneifel waren solche Ereignisse vor rund 50 Millionen Jahren an der Tagesordnung. Der letzte große Ausbruch lag sogar nur 13.000 Jahre zurück. Erdgeschichtlich betrachtet, ist das nur ein Wimpernschlag, weshalb auch zukünftig noch mit Vulkanausbrüchen in der Region gerechnet werden kann. Zu spüren ist diese Unberechenbarkeit durch Kaltwassergeysire und Gasaustritte in den mit Wasser gefüllten Maaren, wie die Vulkankrater der Eifel genannt werden.

Erinnerungen an Clara Viebig

An den Informationstafeln biegen wir rechts ab und gehen ein Stück die Straße hinab. Wir kommen sowohl an der Touristeninformation zu unserer Rechten als auch am Clara-Viebig-Pavillon zur Linken vorbei.

Clara Viebig erblickte 1860 in Trier das Licht der Welt, zog aber noch als Kind mit ihrer Familie zunächst nach Düsseldorf, später nach Berlin. Dort begann sie mit dem Schreiben von Erzählungen und veröffentlichte zunächst in lokalen Zeitungen und im Laufe der Zeit im Verlagshaus ihres späteren Gatten. Die meisten ihrer Werke, die zu ihren Lebzeiten zum Standardlesestoff gehörten, spielen in der Eifel. Inspirieren ließ sich Clara Viebig durch zahlreiche Aufenthalte in Bad Bertrich, wo sie ihre Sommerfrische verbrachte. Anlässlich ihres 40. Todestags wurde 1992 in Bad Bertrich die Clara-Viebig-Gesellschaft gegründet. Sie befasst sich mit den literarischen Werken und organisiert Ausstellungen zur Erzählerin.

Kleine Kapelle am Wegesrand

Kleine Kapelle am Wegesrand

Nur wenige Meter hinter der Touristeninformation wählen wir auf der rechten Straßenseite den Einstieg zu unserer Waldwanderung. Eine kleine Treppe führt zu einem Waldweg hinauf. Wir wandern auf weichem Waldboden durch den dichten Wald leicht bergauf. Einzelne Sonnenstrahlen versuchen, bis auf den Waldboden durchzudringen, doch das grüne Dach über unseren Köpfen behält die Oberhand. Während wir zu unserer Linken immer tiefer hinunter blicken können, macht der Wald rechter Hand einer steil aufragenden Felswand Platz.

Gemütlich durch die Wälder rund um Bad Bertrich

Eine Sitzbank unter dem weiten Blätterdach einer Eiche lädt uns zu einer kleinen Pause ein, um gemütlich einen der wenigen Ausblicke zu genießen. Über eine schmale Holzbrücke queren wir einen kleinen Zufluss zum Üßbach und gewinnen weiterhin sanft an Höhe. Moosbewachsene Felsen, zwischen denen kleine Farne sprießen, säumen unseren Weg und schaffen kleine Höhlen, in denen sich Waldmäuse versteckt halten. Unser wurzeliger Pfad mündet in einen asphaltierten Weg, dem wir nach rechts folgen, noch immer sanft bergauf.

Schon bald erreichen wir einen idyllisch gelegenen Picknickplatz mit einer Schutzhütte. Sitzbänke, in deren Zentrum sich ein Grillplatz befindet, laden uns zu einer Pause ein. Sollten schon alle Plätze belegt sein, macht uns das nichts – der nächste Halt ist nicht weit. Wir wandern ein Stück bergauf bis zu einer T-Kreuzung und biegen nach links ab. Wir verlassen den schattigen Wald – und schon erreichen wir die 1994 errichtete Don-Bosco-Schutzhütte, die uns die versprochene Pause ermöglicht.

Waldreiche Region in der Vulkaneifel

Waldreiche Region in der Vulkaneifel

Wandertour mit Ausblick Richtung Mosel

Linker Hand sehen wir in der Ferne die Dächer von Kennfus, einem Ortsteil von Bad Bertrich. Wir aber wenden uns hinter der Hütte nach rechts auf einen asphaltierten Weg. Apfelbäume zu unserer Rechten halten uns ihre saftigen Früchte entgegen, während wir unseren Blick über die Felder streifen lassen. An einer kleinen Trauerweide legen wir abermals einen kurzen Stopp ein. Denn von der dortigen Sitzbank können wir in der Ferne einen ganz kleinen Abschnitt der Mosel erkennen. Nicht umsonst wird dieser Platz auch Moselblick genannt. Zu sehen ist übrigens der Moselabschnitt zwischen Bullay im Vordergrund und Zell im Hintergrund. Nur wenige Meter später erreichen wir eine mannshohe Kapelle, malerisch zwischen zwei duftenden Linden gebettet.

Wir wandern weiter, verabschieden uns von den Obstbäumen und beobachten die Ähren auf den Feldern, welche sich sanft im Wind wiegen. Wie kleine Farbkleckse tauchen ab und zu die Blüten des rot leuchtenden Klatschmohns auf. Sie harmonieren mit dem prachtvollen Gelb des Echten Johanniskraut, welches an den Rändern der Felder sprießt. Unser Weg führt uns leicht bergab, und wieder kommen wir an einer kleinen Kapelle vorbei, dieses Mal liegt sie zwischen zwei mächtigen Kastanienbäumen. In einer Rechtskurve genießen wir ein letztes Mal den Fernblick über die Felder, bevor ein Schotterweg uns allmählich wieder in einen Wald hineinführt. Die Farbenvielfalt der Blumen am Wegesrand will aber nicht enden: Leuchtende Bartnelken wechseln sich mit dem schönen, aber sehr giftigen Fingerhut ab.

Schutzhütte an der Viktoriahöhe

Schutzhütte an der Viktoriahöhe

Gründung des Eifelvereins in Bad Bertrich

Wir wandern leicht bergab und halten uns an einer Gabelung links. Wenig später verläuft der Waldweg durch eine Rechtskurve, in der wir jedoch nach links einem kleinen Pfad folgen. Das dichte Laub schützt uns vor der Sonne, während wir mit einer Serpentine sanft an Höhe verlieren, bis wir zur Viktoriahöhe kommen. So heißt der hölzerne Unterstand, der uns einen tollen Ausblick auf das grüne Tal von Bad Bertrich spendiert. Vor der Viktoriahöhe wenden wir uns nach links, wandern abwärts bis zu einer Kreuzung, entscheiden uns für den unteren Weg und erreichen nach einer langgezogenen Linkskurve wieder die ersten Häuser von Bad Bertrich – in Bad Bertrich wurde übrigens der für fast alle hiesigen Wanderwege verantwortliche Eifelverein gegründet.

Vor der stattlichen Kirche wenden wir uns nach rechts und folgen entlang einer mit Efeu berankten Mauer der Straße hinab in den Ort. In einer Linkskurve kommen wir zu einem Quellbrunnen. Aus diesem sprudelt das Bad Bertricher Heilwasser – leider nur in den Morgenstunden von 8 bis 9 Uhr. Wir gehen vor dem Brunnen nach links durch die schmale Gasse und erreichen wieder die Fußgängerzone, in die wir uns nach links wenden. Leise hören wir das Klappern von Geschirr und das Rascheln der Zeitungen aus der Konditorei Müller und lassen bei einem frisch zubereiteten Kaffee und einer leckeren Süßspeise die Wanderung Revue passieren. Am Film- und Fotomuseum vorbei finden wir zum Parkplatz.

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