Landschaft

Wohnmobiltour nach Kecskemét in Ungarn

SÜDLICHE TIEFEBENE
7. BAJA – KECSKEMÉT
Entfernung: Rund 136 Kilometer.
Strecke: Straße 51 bis Abzweig Hajos – Nebenstraße über Hajos bis nach Kalocsa – Nebenstraße bis nach Kiskőrös – Straße 53 bis nach Soltvadkert – Straße 54 und Straße 5/E75 bis nach Kecskemét.
Reisedauer: mindestens ein Tag.
Höhepunkte: Erzbischofspalast von Kalocsa * – Wanderung durch den Nationalpark Kiskunság ** – Spaziergang durch die Innenstadt von Kecskemét **.

Route: Die Stadt Baja verlassen wir in Richtung Norden und folgen auf der 51 der Beschilderung nach Kecskemét. Nach 29 km erscheint der Abzweig in den Weinort Hajós nach links.

Die südliche Tiefebene beginnt östlich der Donau und reicht bis an die rumänische Grenze bei Gyula. Sie wird von Nord nach Süd von der Theiß durch trennt. Die Tiefebene gilt als die sonnenreichste Region in Ungarn. Hier nähern wir uns nun langsam der berühmten Puszta und ihren Reitern. Pferdefreunde finden hier garantiert einen Reiterhof, auf dem sie einen Ausritt wagen können. Zahlreiche Naturparks bringen Ihnen die unberührte Natur näher aber, auch zahlreiche Gedenkstätten aus der Zeit der Türkenbesatzung sind hier vorzufinden.

Route: Hajos verlassen wir, indem wir auf der Hauptstraße weiter in Richtung Norden fahren. Das gut 10 km entfernte Miske durchqueren wir und treffen auf eine T-Kreuzung, an der wir links abbiegen um kurz darauf Kalocsa zu erreichen.

Ungarn verfügt sogar über ein Paprikamuseum. Es befindet sich in der so genannten Paprikastadt Kalocsa. Weite Felder liegen um die Stadt herum, auf denen das Gewürz heranwächst. So darf man sich nicht wundern, wenn Paprikaschoten zu Kränzen gebunden und zum Trocknen an Dachrinnen aufgehängt werden. Wissenswertes über das ungarische Nationalgewürz sowie Informationen über den Anbau und die Verarbeitung erhält man in dem bereits erwähnten Museum.

Doch Kalocsa ist nicht nur für Paprika berühmt. Die handgemachten bunten Blumenmuster und die hauchdünnen Stickereien der Kalocser Frauen sind ebenfalls weltberühmt. Wer sich für die Herstellung der Decken und Kleider mit den hübschen Blumenmotiven interessiert, ist im Volkskunsthaus richtig. Dort kann man einigen Frauen bei ihrer Arbeit zuschauen und sich mit den Handwerksarbeiten im wahrsten Sinne des Wortes eindecken.

Ein weiteres interessantes Museum, das über eine Sammlung dieser Volkskunst verfügt, ist das Viski-Museum. Neben dem traditionellen Kunsthandwerk gibt es auch eine Münzsammlung und eine Ausstellung über die Heimatgeschichte.

Sehenswert in Kalocsa, das im Jahr 1009 erstmals erwähnt wurde, ist der Szentháromság tér. Dort befinden sich unübersehbar die erzbischöfliche Basilika und der von Franz Anton Maulbertsch verzierte Erzbischofspalast. Im letzteren befindet sich die Schatzkammer mit mehr als 150.000 Büchern, darunter auch eine Bibel, die von Martin Luther unterschrieben wurde. Die Basilika ist im italienischen Barock errichtet. Dort wo sich heute der zweitürmige Bau befindet, standen schon in früheren Jahren mehrfach Gotteshäuser, die aber aus den unterschiedlichsten Gründen immer zerstört wurden. Das jetzige Bauwerk stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und enthält in der Schatzkammer auch die Herme des heiligen Stephan. Der Orgel, eine der größten im Land, wurden schon von Ferenc Liszt Töne entlockt.

Zwischen Kalocsa und Kecskemét befindet sich seit 1975 der Nationalpark Kiskunság. Der Park besteht aus neun verschiedenen Gebieten, die meisten von ihnen liegen um den Ort Izsák herum. Insgesamt umfasst er eine Fläche von rund 500 qkm. Das östlichste Teilgebiet ist die Bugac-Puszta und liegt westlich der gleichnamigen Ortschaft. Hier in diesem Biosphärenreservat werden vom Touristikzentrum Reiterführungen wie z.B. der Puszta-Fünfer angeboten. Doch auch Herden von Graurindern, Zackelschafen und Wildpferden kann man hier begegnen. Aber es ist nicht nur eine trockene Landschaft, wie man vielleicht fälschlicherweise annehmen könnte. Zahlreiche Seen beherbergen hier Brutstätten für zahlreiche Vogelarten, die das Herz von Ornithologen höher schlagen lassen, wie die Vogelwarte bei Izsák beweist. Interessant ist beispielsweise der Kolon-See, der von Moor- und Auenwäldern umgeben ist. Im Westen reicht eine Sanddünenlandschaft bis an das Ufer. Ansonsten ist der Kolon-See stark versumpft, aber daher ein idealer Ort für die Entfaltung der Fauna im Zwischenstromland, wie die Region zwischen Donau und Theiß auch genannt wird.
Im Ort Bugacpuszta kann man zusätzlich ein Hirtenmuseum besichtigen, das über die in der Puszta lebenden Hirten und ihr Leben informiert.

Route: Etwas über 30 km sind es bis nach Kiskőrös, das wir erreichen, indem wir in Kalocsa die Straße stadtauswärts benutzen, auf der wir dort angekommen sind.

Landschaft

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Kiskőrös ist der Geburtsort vom Dichter Petőfi Sándor. In seinem Geburtshaus ist heute ein Museum eingerichtet. Doch mindestens genauso interessant ist die Sammlung im Fachbereich des Straßenverkehrs. In diesem Freilichtmuseum kann man die Geschichte des Straßenbaus von der Römerzeit bis heute verfolgen. Unter anderem wird ein Meilenstein aus dem letzten Jahrhundert, ehemalige Armeelandkarten und eine Dampfwalze gezeigt. Viele Gerätschaften dürfen von den Museumsbesuchern selber ausprobiert werden.
Auch das 15.000 Einwohner zählende Kiskőrös verfügt über Heilwasser. Dieses 50° C Grad warme Wasser soll Linderung bei Rheuma-Erkrankungen versprechen. Wer sich nicht für geschmackloses Wasser interessiert, für den bietet sich möglicherweise ein Besuch im Haus der Weine an. Dort kann man Gerätschaften betrachten, die zur Weinherstellung notwendig waren und auch heute noch sind.

Thermal Camping, Erdötelki útca 17, Tel: 078-31 15 24, Fax: 078-31 27 66. Rund 100 Stellplätze in unmittelbarer Nähe des Thermalbades. Geöffnet ist der Platz lediglich von Mai bis einschließlich September.

Route: In Kiskőrös treffen wir auf die Straße 53, folgen dieser nach rechts und überqueren am Ortsausgang die Bahngleise. Nach ca. 5 km vereinigen sich die Straßen 53 und 54. Wir fahren nun auf der 54 weiter, durchqueren erst Soltvadkert und überqueren nach knapp 40 Kilometern die Autobahn M5 (Budapest – Kiskunfélegyháza). Kurz dahinter erscheint der Abzweig nach Kecskemét. Auch an der Autobahnauffahrt ist Kecskemét bereits ausgeschildert. Doch die Fahrt über die M5 lohnt sich an dieser Stelle nicht mehr.

Kecskemét wurde erstmals 1368 schriftlich erwähnt als es den Rang eines Marktfleckens erhielt. Zwei geschichtsträchtige Vorkommnisse gab es hier in der Stadt. In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden die Schulden Kecskeméts beglichen und damit begann ein wirtschaftlicher Aufschwung, dessen Wirkung man auch in heutiger Zeit noch sieht. Denn es bestand nun die Möglichkeit Obst, Gemüse und Wein anzubauen. Noch heute sieht man rund um die Stadt zahlreiche Obstplantagen. Hauptsächlich Pfirsich und Aprikosen werden hier angepflanzt, aus denen dann der Barackpálinka hergestellt wird, ein Aprikosenschnaps der über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Das zweite wesentliche Ereignis fand im Sommer 1911 statt, als ein schweres Erdbeben einen Schaden in Millionenhöhe anrichtete und fast die gesamt Stadt zerstört wurde.

Das Zentrum der 110.000 Einwohner zählenden Stadt ist relativ klein und von vielen Straßen umgeben, wo sich zahlreiche Parkbuchten befinden. Wer dennoch keinen Parkplatz in unmittelbarer Nähe des Zentrums findet, kann getrost auch etwas weiter entfernt parken, denn innerhalb des Ortskerns sind alle Sehenswürdigkeiten sehr eng beieinander.

Beginnen wir unseren Rundgang am Katona tér am südlichen Ende der City. Auf dem Platz befindet sich die Pest- bzw. Dreifaltigkeitssäule aus dem Jahr 1742. Sie steht direkt vor dem Haupteingang des József-Katona-Theaters. Dem Namen des neobarocken Theaters begegnet man in Kecskemét auch noch an anderen Stellen. Beispielsweise gleich gegenüber, wo der Kossuth tér beginnt und sich auf der linken Seite das Rathaus befindet. Auf dem Kossuth tér wurde ein Gedenkstein errichtet, der daran erinnert, das József Katona im Alter von nur 39 Jahren an dieser Stelle einem Herzversagen erlegen ist.

Das Rathaus wurde Ende des 19. Jahrhunderts nach mehrjähriger Bauzeit fertig gestellt. Ebenso eindrucksvoll wie die Jugendstil-Fassade ist das Innere des Rathauses. Alleine die Empfangshalle mit seiner breiten Holztreppe wirkt einladend. Zur Besichtigung muss man sich jedoch rechtzeitig anmelden. Zu jeder vollen Stunde ertönt eine Melodie von Zoltán Kodály aus dem Glockenspiel über der Eingangspforte. Im Festsaal des Rathauses bestimmen Fresken von Bartalan Székely die Wände. Dargestellt ist unter anderem die Krönung von Franz Joseph. Die Deckenleuchte besitzt 62 Glühbirnen und wiegt sagenhafte 12 Zentner.
Gegenüber dem Rathaus erhebt sich die älteste Kirche der Stadt. Bei dem 600 Jahre alten Bauwerk handelt es sich um die einstmals gotische Franziskanerkirche. Die St. Nikolauskirche, wie sie heute heißt, ist umgeben von einem ummauerten Hof der durch zwei Tore betreten werden kann.

Spaziergang durch Kecskemét

Schräg gegenüber, also neben dem Rathaus und der dort ansässigen Touristeninformation steht die Große Kirche. Über drei Jahrzehnte dauerte die Fertigstellung dieses 73 m hohen Bauwerkes im Zopfstil, die im Jahr 1806 erfolgte. Der Kirchturm steht den Besuchern für einen Rundblick über die Stadt zur Verfügung.

Spätestens hier merkt der Besucher von Kecskemét, dass die Innenstadt sehr viel Grün zu bieten hat. Vor der Großen Kirche und dem Rathaus fließt der Kossuth tér fast unmerklich in den Szabadság tér über. Dieser Platz, der uns in nordöstliche Richtung führt, gleicht schon bald einem Park. Nachdem wir diesen durchquert haben, sehen wir auf der anderen Straßenseite der Kohány útca den Cifra-Palais. Dieses aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts errichtete Jugendstilgebäude beherbergt im Inneren die Gemäldegalerie mit zahlreichen Werken ungarischer Maler aus den letzten zwei Jahrhunderten. Doch bereits von außen ist der Palast einen Besuch wert. Die Fassade des Gebäudes ist mit zahlreichen bunten Blumenmustern verziert. Weitere sehenswerte Bauten sind zum einen die alte Synagoge, direkt gegenüber dem Cifra-Palais. In dem jüdischen Gotteshaus ist heute das Haus der Wissenschaft und der Technik untergebracht. Etwas weiter die Straße hinauf treffen wir zum anderen auf das Piaristenkloster. Das aus dem 18. Jahrhundert stammende Bauwerk ist im ungarischen Barock errichtet.

Erwähnenswert sind auf jeden Fall noch zwei Museen. Da wäre zum Beispiel am westlichen Ende der Innenstadt das Spielzeugmuseum in dem mehr als 10.000 Modelleisenbahnen und Spielwaren aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts besichtigt werden können. Und unseren Rundgang schließen wir wieder am Katona tér, wo sich das einzige Fotomuseum in Ungarn befindet. Dort sind über 3.000 Exponate zum Thema Fotografie ausgestellt.

Autós Camping, Csabay Géza krt. 5, Tel: 076-32 93 98, Fax: 076-32 95 98. Wiesengelände mit einigen Bäumen für rund 200 Wohnmobile oder Zelttouristen. Entsorgungsmöglichkeit für die Chemie-Toilette. Geöffnet ist der Platz von April bis Oktober.

Route: Auf dem Ring, der um den Innenstadtbereich Kecskeméts führt, liegt am nordöstlichen Rand der Hauptbahnhof. Wenn wir an diesem weiter nordwärts fahren, so zweigt kurz darauf die Ceglédi útca (Straße 441) nach rechts ab. Erst überqueren wir die Gleise und fahren dann einige Kilometer parallel neben diesen her. Auf der Hälfte der Strecke nach Cegléd durchreisen wir Nagykőrös und kommen nach insgesamt 32 Kilometern in Cegléd an.

Durch Ungarn nach Cegléd

In dem nördlich von Kecskemét gelegenen Cegléd existieren keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten. Doch Erwähnung hat der Ort dennoch verdient, denn im Jahr 1848 hat hier der bedeutende ungarische Staatsmann Kossuth Lajos, nach dem viele Straßen und Plätze in den Städten benannt wurden, seine Reise für den Freiheitskampf begonnen. Der talentierte Redner sprach vor einer großen Anzahl von Freiwilligen und mobilisierte sie für die Revolutionsarmee. Aus Anlass seines 100. Todestages wurde 1994 eine Statue ihm zu Ehren aufgestellt. Eine umfangreiche Ausstellung über sein Leben und sein Privatbesitz findet man im Kossuth-Museum, das täglich außer Mo von 10-18 Uhr zu einer Besichtigung einlädt.

Route: In Cegléd fahren wir nicht über die 441, sondern biegen vor der Kirche nach Lajosmizse ab. Auf dieser kleineren Straße erreichen wir erst Csemő und folgen weiter der Beschilderung nach Lajosmizse. Dieses befindet sich westlich der Autobahn M5, die wir kurz vor dem Ort überqueren.

Abschluss in Lajosmizse

Auf dem Rückweg nach Kecskemét machen wir einen kurzen Halt in Lajosmizse. Hier findet man die alte Tanyascárda, ein typisches Einzelgehöft der Region, das als Museum zahlreiche Stallungen, Wagenschuppen und vieles mehr zeigt. Alternativ hierzu kann man auch einer Pferdevorführung beiwohnen, so genannte Einödpartys feiern oder einfach bei einem rustikalen ungarischen Mittagessen der Zigeunermusik lauschen.
Die Stadt Lajosmizse wurde auf einem Schuttkegel errichtet. Bereits die Kumanen lebten hier, aber damals handelte es sich noch um drei verschiedene Siedlungen: Lajos-Szállása, Bene-Szállása und Mizse-Szállása. Erst im Jahr 1871 schlossen sie sich zusammen und nannten sich fortan Jász-Lajos-Mizse. Der heutige Name wurde schließlich 1902 beschlossen. Die beiden Hauptkirchen, eine evangelisch, eine katholisch stammen aus der Wende zum 20. Jahrhundert.

Reiterhof und Campingplatz Tanyacsárda, Bene 625, Tel: 076-35 61 66, Fax: 076-35 65 76. Dieser vom Ungarischen Tourismusamt als besonderer Vorführungsort gekennzeichnete Reithof zeichnet aus durch ein Restaurant und einen Campingplatz. Zum täglichen Programm des Gehöfts gehören Reitprogramme und Reitervorführungen des Nachts mit Fackeln und Lagerfeuer sowie Kutschfahrten oder auch Fahrten mit einem Ochsengespann. Zum Gestüt gehören ein Gehöftmuseum, 20 Lipizzaner sowie Ungarische Sporthalbblutpferde.

Route: Von Lajosmizse aus ist der Weg nach Kecskemét zurück äußerst einfach. Wir folgen einfach der einzigen Hauptstraße die durch Lajosmizse führt südwärts bis in die Komitatshauptstadt. Es handelt sich um die Straße 5/E 75. Nicht zu verwechseln mit der M5, die parallel her führt.

Der vorliegende Text ist ein Auszug aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer über Ungarn. Die Angaben können daher veraltet sein.

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