Da liegt der Hund begraben. Eine Redensart, mit der man andeuten möchte, wo die Schwierigkeiten bei einem scheinbar unüberwindbaren Problem sind. Und wenn es danach geht, befindet sich die Ursache aller Probleme im Thüringer Wald. Das ist nicht schön, aber leider die Wahrheit. Denn in Winterstein, das zu Waltershausen gehört, liegt der sprichwörtliche Hund tatsächlich begraben.

Hinweis: Der Inhalt dieses Blog-Artikels stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer mit dem Titel „111 Orte im Thüringer Wald die man gesehen haben muss„.
Dort befindet sich die Ruine einer einstigen Wasserburg. Sie wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts erbaut und während des Dreißigjährigen Krieges beschädigt. Seither ragt sie zerstört zwischen einigen Bäumen empor. Im Schlosspark vor der Ruine befindet sich in einem Halbrund das Grab von Stutzel dem Hund. Ein schöner Grabstein ziert den Ort, auf dem ein Hund in Stein gemeißelt zu sehen ist. Die Rasse ist nicht eindeutig zu erkennen. Für einen Dackel sind die Beine zu lang, für einen Pudel sieht er zu nackt aus. Aber ein Männchen schien Stutzel gewesen zu sein.
Ruhe in Frieden, kleiner Stutzel
Es war der Hund des Burgherren Christof von Wangenheim, und die Legende besagt, dass der Vierbeiner so klug gewesen sein soll, dass er heimlich die Liebesbriefe seines Herrn zum Schloss Friedensstein nach Gotha gebracht haben soll. Das sind immerhin über 20 Kilometer. Als von Wangenheim starb, übernahm seine Witwe die Pflege des Tiers bis zu dessen Tod. Sie hatte das Tier abgöttisch geliebt und trauerte so sehr um ihn, dass sie darauf bestand, den Hund auf dem örtlichen Friedhof begraben zu lassen.

Nachdem ausreichend Geld geflossen war, stimmte der Pfarrer zwar zu, musste sich aber nach höhnischen Bemerkungen und Spötteleien aus anderen Dörfern vor einem Kirchengericht verantworten und seinen Hut nehmen. Stutzel wurde daraufhin exhumiert und in sein heutiges Grab überführt. Seitdem liegt in Winterstein der Hund begraben, aber immer noch besser, als wenn dort der Hase im Pfeffer liegen würde.


Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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