Werraquelle im Thüringer Wald

Es gibt einfache Flüsse und es gibt komplizierte Flüsse. Die Ruhr in Nordrhein-Westfalen ist zum Beispiel ein einfacher Fluss. Sie entspringt klar und deutlich im westfälischen Sauerland, verlässt das Bundesland nicht und mündet in Duisburg ganz ohne Aufhebens in den Rhein. Der Nil in Afrika ist hingegen ein komplizierter Wasserlauf. Da ist die Rede von einem blauen und einem weißen Nil, dessen Quellen vor noch nicht einmal einhundert Jahren entdeckt wurden. Und die Mündung ist als Delta eineinhalb Mal so groß wie das Bundesland Thüringen.

Und dann wäre da noch die Werra, die mehr Nil als Ruhr ist. Man sagt, sie habe gleich zwei Quellen. Die als allgemein gültig anerkannte Quelle befindet sich bei Fehrenbach und wurde im Jahr 1897 gefasst. Aus einer kleinen halbrunden Mauer aus Naturstein schaut ein bronzener Löwenkopf hervor, aus dessen Maul unablässig Wasser fließt. Böse Zungen behaupten, die Werraquelle sei ein sabbernder Löwe. Gleich daneben hängt eine Gedenktafel an den Förster Georg Schröder, der die Quelle einfassen ließ.

Aus der Mitte entspringt ein Fluss

Doch es gibt eine zweite Quelle. Diese wurde 13 Jahre später gefasst und befindet sich bei Siegmundsburg, einem Ortsteil von Neuhaus am Rennweg. Sie wird auch als hintere Werraquelle bezeichnet. Das Wasser, das aus ihr hervorsprudelt, wird jedoch Saar genannt – genau wie der Fluss im Saarland. Die Saar in Thüringen findet jedoch ein schnelles Ende. Schon in Sachsenbrunn vereinigt sich die Saar mit dem Wasser aus der älteren Werraquelle. Gerne und oft wird darüber diskutiert, welches nun die eigentliche Werraquelle ist.

Übrigens: 400 Meter fehlen der Werra, dann hätte sie eine Länge von 300 Kilometern erreicht. Und noch etwas macht sie besonders: Sie mündet nicht einfach in ein Meer oder in einen anderen Fluss, wie es ein Fluss für gewöhnlich tut. Sondern sie bildet zusammen mit der Fulda bei Hann. Münden ein neues Gewässer – die Weser.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


Die Weltenbummler – ältester deutschsprachiger Reiseblog (seit 2000)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert