Trigonometrischer Punkt in Waltershausen

Es gibt Dinge, die trotz ihrer Offensichtlichkeit völlig unauffällig sind und über die man nur wenig weiß. Außer man hat beruflich damit zu tun. Dazu dürften auch trigonometrische Punkte gehören. Gesehen hat sie jeder schon, manche sind vielleicht schon darüber gestolpert, doch die meisten Menschen haben sie wahrscheinlich einfach ignoriert.

Die Rede ist von kleinen Granitsteinen, denen man in der Landschaft begegnet. Im freien Gelände oder im Wald schauen sie als Würfel aus dem Boden. Doch sie reichen bis zu einem Meter in die Tiefe, damit der sichere Stand gewährleistet ist und sich beim Vermessen der Geländeform und der Landschaft keine Fehler einschleichen. Denn genau hierfür sind diese Markierungen gedacht, zur Vermessung und zur Nutzung in der Kartografie. Kein Wunder also, dass trigonometrische Punkte auch in Wanderkarten zu finden sind.

Für die bessere Orientierung

Sie sind in der Regel als kleines, schwarzes Dreieck gekennzeichnet. Die Vermessungspunkte haben auf ihrer Südseite immer die Inschrift TP für Trigonometrischer Punkt, während auf der Nordseite ein kleines Dreieck in den Stein eingemeißelt ist. So können die Steine auch Wanderern ohne Karte zur Orientierung im Gelände dienen.

Aber es gibt auch Trigonometrie-Punkte, die auffälliger sind. Dazu zählen zum Beispiel Kirchtürme, Sendemasten, Gipfelkreuze und auch der Große Inselsberg. Der Gipfel ist durch sein markantes Äußeres deutlich sichtbar und wurde bereits im frühen 19. Jahrhundert zur Vermessung herangezogen. Er gilt sogar als trigonometrischer Punkt erster Ordnung, was bedeutet, dass die Vermessung auch aus einer Entfernung von bis zu 50 Kilometern erfolgen kann. Eine dreibeinige Metallskulptur und ein Marmorblock auf dem Gipfel erinnern seit 1995 an die sogenannte Hannoversche Gradvermessung und an die Landesvermessung des Königreichs Preußen, des Kurfürstentums Hessen sowie verschiedener Herzogtümer. Außerdem wird unter anderem auch Carl Friedrich Gauß gedacht, der sich als Geodät gut mit Trigonometrischen Punkten auskannte.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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