Wohnmobil in London

Hauptuntersuchung mit einem Wohnmobil bei der Dekra

Mai 2012 – es ist soweit. Das Wohnmobil muss zum TÜV, genauer gesagt zur Hauptuntersuchung bei einer Prüfanstalt. Da gibt es ja noch GTÜ und die Dekra. Ich entscheide mich für die Dekra. Mit dem Tüv habe ich nicht ganz so gute Erfahrungen gemacht. Das kann aber auch daran liegen, dass ich immer mit Autos vorfuhr, die das durchschnittliche Alter eines Fahrzeugs um das Doppelte hinter sich hatten. 😉 Ich erinnere da nur an meinen alten VW-Bus, der im letzten Jahr sein 30. Lebensalter erreichte und nun mit H-Kennzeichen im Raum Frankfurt herumfährt.

Jetzt, mit dem Wohnmobil Baujahr 2007 sollte es eigentlich kein großes Problem werden. Die erste Hauptuntersuchung wurde noch vom Vorbesitzer gemacht. Ein Blick auf die Bescheinigung von damals besagt, dass der Wagen die Dekra bereits kennt und damals mängelfrei weiter fahren durfte.
Doch bevor es zur Untersuchung geht, steht noch eine Gasprüfung an. Auch diese ist dieses Jahr fällig. Immerhin reden wir von einem Wohnmobil mit Gasanlage. Man will ja kochen und warmes Wasser zubereiten. Also führt die erste Fahrt zum Zubehörgeschäft nach Gladbeck. Dort wartet die Firma Pieper, die im Ruhrgebiet jeder Camper kennen dürfte. Der nette Herr empfängt mich freundlich, nimmt das gelbe Kontrollheftchen entgegen und schließt seine Handpumpe an die Schläuche im Gaskasten. Jetzt heißt es zehn Minuten warten, ein Blick auf die Anzeige und schwupps, klebt eine neue Plakette an der Außenhaut des Wohnmobils.

Das wäre für die nächsten beiden Jahre erledigt. Schnell noch die 20 Euro bezahlt und schon geht es am nächsten Tag weiter zur Dekra. Ich steuere den Wagen auf das Gelände, sehe ein Schild mit dem Hinweis „Ohne Anmeldung vor die Halle fahren“. Gut, wird gemacht. Ich entscheide mich für die Halle der Lkw, stelle mich dort hin und beachte einfach das nächste Schild: „Der Prüfer kommt zu Ihnen“.
Und tatsächlich, es dauert keine 5 Minuten, bis ein junger Mann mich herein winkt. Nach einem freundlichen „Guten Morgen“ wirft er einen Blick in das Kontrollheftchen der Gasprüfung, nimmt den Fahrzeugschein entgegen und schaut schon mal nach den Lichtern. Auf Zuruf setze ich den Blinker links, den Blinker rechts, trete auf die Bremse, lege den Rückwärtsgang ein und …. und suche den Schalter für die Nebelschlussleuchte. Nebelschlussleuchte? Ja, da war was. Aber das benutze ich so selten. Ah hier, Lichtschalter anheben. Keine Reaktion von hinten. Der Prüfer kommt zu mir: „Die Nebelschlussleuchte?“ „Äh ja, habe ich gerade gefunden“. Nochmal geht der Prüfer nach hinten: „Nö, da tut sich nix. Übrigens, vorne rechts das Standlicht ist auch defekt.“
Okay, ich fange an, nervös zu werden. Das fängt ja gut an. Zwei dumme, überflüssige Mängel, die ich einfach auch mal vorher hätte prüfen und beheben können. Das defekte Bremslicht habe ich ja auch zwei Tage vorher repariert.
Der Prüfer nimmt die Papiere und sagt: „Ich gebe mal die Daten ein und komme gleich wieder. Das mit den Lichtern ist ja nichts wildes.“ In der Zeit suche ich im Kofferraum noch Glühbirnen. Und der Kofferraum eines Wohnmobils ist groß, dass man eine Wanderkarte dafür gebrauchen könnte. Aber trotzdem werde ich fündig, bevor der nette Herr zurück kommt. Stolz zeige ich ihm die Birne für die Nebelschlussleuchte, aber er beschwichtigt: „Ist kein Weltuntergang.“
Mit einer Art Spachtel hebt er eine Innenverkleidung unter dem Lenkrad ab, stöpselt einen Stecker an und bringt mich so zur Aussage: „Sie können ja Sachen. Ich wusste gar nicht, dass da sowas ist“, während ich gleichzeitig darüber nachdenke, was man dort wohl hightech-technisch noch so alles machen kann. Er lacht: „Ist nicht schlimm, hauptsache ich weiß, dass da sowas ist.“
Der Prüfer setzt sich ins Auto, fährt auf den Bremsenprüfstand, testet vorne, testet hinten, klettert in die Grube, leuchtet mit der Taschenlampe auf die Reifen und kommt nach nicht ganz 5 Minuten wieder an die Oberfläche. Derweil versuche ich meine Nervosität abzulegen, indem ich meine Mails lese. Ich merke, dass mich 20 Jahre Tüv-Erfahrung total beunruhigen, sobald mein Auto untersucht wird.

Der Prüfer kommt auf mich zu: „Alles okay. Der Motor verliert etwas Öl, aber nicht viel. Und hinten die Bremsscheiben müssten beim nächsten Belagwechsel auch mal gemacht werden“ – sprichts und pappt eine neue Plakette an das hintere Kennzeichen. Geschafft!
Ich bezahle 82 Euro, wünsche ein schönes Wochenende und brause vom Hof. Erst da fällt mir auf, dass ich auch eine Bescheinigung über die Abgasuntersuchung erhalten habe. Das war dann wohl das Anstöpseln des Steckers unter dem Lenkrad. Moderne Technik, tz. Ich kenne noch das Überprüfen direkt am Auspuff mit irgendwelchen Kabelanschlüssen im Motorraum.

Alles in allem hat die Aktion mit Wartezeit keine 20 Minuten gedauert. Da kann ich nur eines sagen: Top!

Danke, bis in zwei Jahren!

————

Nachtrag vom 30. Mai 2014 (zwei Jahre später):

Dieses Mal habe ich mich vorher um die Beleuchtung gekümmert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:

Und wieder bin ich rundum zufrieden und habe die Plakette für die nächsten zwei Jahre erhalten.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: 2014 – Mit dem Wohnmobil in die Alpen | Die Weltenbummler

  2. Vielen Dank für den hilfreichen Beirag. Ich habe auch ein Wohnmobil, doch habe mich beim Kauf nicht über die Untersuchungen erkundigt. Mein Gedanke war es, dass eine HU eines Wohnmobils anders ablaufen würde. Glücklicherweise wurde ich im Internet fündig.

    • Und ganz zufällig ging Ihr Link auf die Seite Ihrer Prüfstelle? Immer interessant, für wie doof Webseiten-Betreiber gehalten werden. Ersparen Sie doch sich, mir und dem Rest der Welt solche Kommentare, wenn es nur darum geht, Werbelinks zu platzieren.

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