Es wurde mal wieder Zeit für ein paar Wanderungen im Harz, um weitere Stempelstellen der Harzer Wandernadel anzusteuern. Das Projekt starteten wir im Jahr 2012, als wir zum ersten Mal für einen Reiseführer bzw. Wanderführer über den Harz in der Region unterwegs waren. Da wir während so einer beruflichen Recherche außerordentlich viel wandern und unterwegs sind, bekamen wir damals auch schnell viele Stempel zusammen.

Doch nachdem das erste Buchprojekt über den Harz fertiggestellt war, fuhren wir nur noch gelegentlich in den Harz. Entweder für eine Aktualisierung bzw. für weitere Bücher, die aber weniger Wanderungen erforderten oder halt auch mal privat. Außerdem kam noch eine Pandemie dazwischen und das Projekt Harzer Wandernadel war für uns eine Zeit lang nicht die oberste Priorität.

Aber natürlich geben wir nicht auf und haben auch echt Spaß daran, von Stempelstelle zu Stempelstelle zu wandern. 222 sind es an der Zahl und das auf drei Bundesländer aufgeteilt. So ist es kein Wunder, dass wir dafür auch mal länger brauchen. Immerhin wohnen wir nicht gleich um die Ecke. Aber im letzten Jahr haben wir das Thema wieder aufgegriffen und es in diesem Jahr gleich mal fortgeführt.
Zwischenstopp mit dem Wohnmobil in Imbshausen
An einem langen Wochenende machten wir uns mit dem Wohnmobil auf den Weg und kamen – bis auf die Autobahn 44. Dann standen wir erstmal im Stau. So richtig im Stau. Mit Vollsperrung und dem ganzen Programm. Über eine Stunde tat sich nichts mehr und die anderen wartenden Menschen gingen mit ihren Hunden Gassi, schlugen sich selber in die Büsche oder breiteten einfach eine Picknickdecke aus.

Für uns war das nur Zeit und nicht weiter dramatisch. Da das Wetter an dem Tag ohnehin sehr stürmisch werden sollte, hatten wir ohnehin Zweifel, ob es eine gute Idee wäre, im bewaldeten Harz zu übernachten. Daher stoppten wir nur kurz in Göttingen, um ein paar Einkäufe zu erledigen und fuhren schließlich nach Imbshausen, einem Ortsteil von Northeim. Dort steuerten wir einen kleinen privaten Wohnmobilstellplatz an, der sich an einem Bauernhof befindet. Drei Parzellen standen zur Verfügung und wir hatten die freie Auswahl.

Der Besitzer begrüßte uns freundlich und gab uns Tipps, wo wir an diesem Tag noch hin spazieren könnten. Das taten wir auch und genossen von einer Hollywoodschaukel auf einem nahegelegenen Hügel die Aussicht über die Landschaft. Das Glück war uns dabei auch noch hold, denn wir kamen wieder rechtzeitig am Wohnmobil an, bevor es wenige Minuten später wie aus Kübeln regnete.
Die ersten beiden Stempel der Harzer Wandernadel
Am nächsten Morgen fuhren wir kurz nach Braunlage, um ein paar Brötchen zu kaufen und stellten das Wohnmobil an Drei Annen Hohne ab. Die erste Wanderung stand an und nun ging es endlich wieder los auf die Wanderwege. Zu erzählen gibt es hier eigentlich nicht viel. Wir erreichten nach einem steten, aber sanften Aufstieg den Trudenstein (Stempelstelle 17) und wanderten weiter zur Leistenklippe (Stempelstelle 15).



Wieder zurück am Wohnmobil, steuerten wir das in ein Wohnviertel nach Wernigerode, um den Elversstein zu erwandern (Stempelstelle 29). Da die Zeit bereits schon fortgeschritten war, beschlossen wir, direkt zum Wohnmobilstellplatz in Friedrichsbrunn bei Thale zu fahren. Dort angekommen und eingecheckt, zogen wir sofort wieder los. Denn der Stellplatz ist ein idealer Ausgangspunkt für weitere Stempelstellen, die wir noch nicht hatten. Also wanderten wir am Abend zum Laubtalblick (Stempelstelle 191) und beendeten den Tag mit einem leckeren Abendessen im Wohnmobil.


Da wir den Stellplatz erst um 12 Uhr verlassen mussten, zogen wir gleich am nächsten Morgen zu Fuß los und erreichten nach knapp 45 Minuten Wanderung die Echowiese (Stempelstelle 57). Auf gleichem Weg gingen wir zurück zum Wohnmobilstellplatz und fuhren mit unserem Camper nach Thale, um dort noch ein paar Sachen für den Abend zu besorgen.
Steiler Aufstieg auf den Stapenberg
Das Kloster Michaelstein war unser nächstes Ziel, denn von hier aus konnten wir gleich wieder zwei Stempel einsammeln. Einmal direkt hinter dem Kloster (Stempelstelle 59) und noch eine gute Stunde später, tiefer im Wald, die Stempelstelle Volkmarskeller (Stempelstelle 87). Vom Kloster Michaelstein aus ist es nur eine kurze Fahrt bis Benzingerode, wo wir das Wohnmobil erneut in einem Wohnviertel abstellten und uns aufmachten, den Stapenberg zu erklimmen (Stempelstelle 33).

Diese Wanderung ist sehr steil und erforderte mehr Zeit als geplant. Ein Zeitfresser ist mittlerweile aber auch die viele Fahrerei. Denn wir haben ja nun schon 210 der insgesamt 222 Stempelstellen geschafft. Die letzten zwölf Stempel verteilen sich etwas ungünstig über den gesamten Harz und so mussten wir schauen, wie wir das am besten umsetzen. Eine Stelle hatten wir noch bei Goslar und so fuhren wir dorthin, weil es auch in etwa die Richtung nach Hause ist.



Wir parkten auf dem dortigen Wohnmobilstellplatz und waren ein wenig entsetzt. Der Stellplatz ist so eng und eigentlich hässlich, dass wir es nicht fassen konnten, dass wir vor vielen Jahren dort tatsächlich mal übernachteten. Das war für heute sicher nicht der Plan. Wir wollten eigentlich nur von hier aus eine weitere Wanderung unternehmen. Doch ein Blick auf die Uhr, die Entfernung und die Höhenlage der Stempelstelle ließ uns vorsichtig werden.
Übernachtung auf dem Wohnmobilstellplatz Ellierode
Da wir noch ein wenig zu unserem geplanten Übernachtungsziel zu fahren hatten, würde das vielleicht zu spät werden. Manchmal will man ja zu viel und weniger ist eigentlich mehr. Daher verließen wir den Stellplatz schnell wieder und fuhren weiter. Ein wenig schade war es schon, denn so verließen wir den Harz auch schon wieder, aber so ist es eben, wenn man nur ein Wochenende zur Verfügung hat. Aber immerhin acht Stempel konnten wir in dieser kurzen Zeit wieder einsammeln.

Wir steuerten Ellierode an, ein kleiner Ortsteil weit außerhalb von Bad Gandersheim und hatten dort auch schon wieder einen Bauernhof mit nur drei Stellflächen entdeckt. Und siehe da, wir waren wieder ganz alleine für uns. Die Lage versprach absolut ruhig zu sein und das wäre es auch gewesen, wenn nicht die Glocke von der benachbarten Kirche stündlich die Uhrzeit mitteilen müsste – auch in der Nacht. Und damit man nicht nur die volle Stunde kennt, ertönt die Glocke auch zu jeder halben Stunde mit einem Gong. Kurz gesagt, wir hörten das Kirchengeläut sehr oft in der Nacht.


Am nächsten Morgen kam aber noch die Mutter des Betreibers zu uns und verwöhnte uns mit selbst gebackenen Plätzchen. Das war sehr lieb und wir freuten uns darüber. Überhaupt war auch diese Reise mal wieder ein voller Erfolg. Das Wetter war zwar während der Zeit unsicher, aber passte trotzdem. So freuen wir uns schon auf die nächste Tour, um weitere Stempel der Harzer Wandernadel anzusteuern. 12 haben wir noch vor uns.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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