2026 – Nationalpark Sallandse Heuvelrug

Unsere erste Reise in diesem Jahr führte uns mit dem Wohnmobil in den niederländischen Nationalpark Sallandse Heuvelrug. Dabei stand die Reise mit dem Wohnmobil weniger im Vordergrund. Denn es wurde gewandert – und wie.

Doch der Reihe nach. Den Nationalpark Sallandse Heuvelrug kannten wir noch nicht. Dabei liegt er gar nicht so weit weg, nämlich keine zwei Stunden Fahrt von Nordkirchen entfernt. Von Gronau aus sind es sogar nur 40 Kilometer Luftlinie. Wir sollten also schnell und einfach dort sein.

Auf dem Weg dort hin, stoppten wir jedoch noch an einem größeren Supermarkt in Enschede, um uns – wie üblich – mit einigen niederländischen Produkten einzudecken. Danach steuerten wir direkt den Camperplaats De Bosweide an. Dabei handelt es sich um einen privat geführten Stellplatz mit etwas mehr als 20 Parzellen an einem Bauernhof.

Selbst im Januar war er mit sieben Fahrzeugen schon gut belegt, allerdings spielte das Wetter erfreulicherweise sehr gut mit. Es war nämlich überraschend mild und beinahe schon frühlingshaft. Tagsüber hört man ein wenig die Straße und auch den Regionalzug haben wir zwei, drei Mal wahrgenommen. Wohlgemerkt auf das gesamte Wochenende hin betrachte. Kurzum, der Stellplatz war ziemlich ruhig und genau das, was wir uns wünschten.

Gleich nach der Ankunft bemerkten wir jedoch, dass unsere Wasserpumpe nicht funktionierte. Wir waren etwas überrascht, weil der Wagen gerade erst wegen einer Dichtigkeitsprüfung und eines Garantiefalls in der Werkstatt war. Keine Ahnung, was dort gemacht wurde, aber auf jeden Fall stellte sich heraus, dass die Sicherung für die Wasserpumpe durchgebrannt war. Schnell eine neue Sicherung rein, getestet und funktioniert. Müssen wir beobachten.

Bei der Self-Service-Anmeldung sahen wir eine Wanderempfehlung ausliegen. Die klang interessant: 6,5 Kilometer im Wald nördlich des Stellplatzes. Genau die richtige Länge für einen schnellen Spaziergang am Nachmittag, bevor es dunkel würde. Außerdem hatten wir den Wald nördlich des Stellplatzes und damit des Nationalparks nicht auf dem Schirm. Unser Plan war nämlich eine lange Tour am nächsten Tag südlich des Stellplatzes.

Als Ergänzung also ideal. Daher stopften wir uns kurz eine Kleinigkeit in den Mund, damit wir etwas im Bauch hatten und zogen sofort los. Um diese Jahreszeit wird es um 17 Uhr dunkel und wir hatten natürlich keine Lust auf Nachtwanderung. In Ruhe essen konnten wir auch noch nach der Tour. Allerdings wollen wir nicht vergessen, dass wir an diesem Tag bereits fünf Kilometer Wanderung hinter uns hatten, als wir morgens zu unserem Wohnmobil spazierten, bevor wir losfuhren. Aber so um die zehn Kilometer Fußweg pro Tag sind wir ja ohnehin gewohnt und stellt uns nicht wirklich vor eine Herausforderung.

So folgten wir der blauen Route, die wahrlich gut ausgeschildert war und kamen zunächst zu einer Ferienhaussiedlung. Hier gab es sogar eine Art Souvenirladen und wir konnten nicht umhin, mal einen Blick hineinzuwerfen. Andenken kauften wir zwar nicht, doch dafür machte uns eine lokale Süßigkeit neugierig. Nun ja, was soll ich sagen? Wir waren nicht zum Einkaufen hier und hatten daher keine Tasche und keinen Rucksack. Also trugen wir diese kleine Leckerei über fünf Kilometer durch den niederländischen Wald.

Die Tour selbst war echt schön und gab uns einen Vorgeschmack auf das, was uns am nächsten Morgen erwarten würde, wenn wir die eigentlich geplante Wanderung unternehmen würden. Nur kurz vor Schluss verpassten wir einen der Wegweiser oder es fehlte tatsächlich einer, obwohl der Weg ansonsten absolut super ausgewiesen war. Das war jetzt nicht so dramatisch, weil es genug andere Wege gab, auf denen wir wieder zu unserem eigentlichen Wanderweg treffen könnten, aber ich glaube, wir verpassten einen etwas schöneren Abschnitt. Na ja, Pech.

Nach einer wirklich geruhsamen Nacht, frühstückten wir nur kurz, weil wir schnell los wollten. Denn auch für diesen Tag galt natürlich das Schicksal der kalten Jahreszeit: Es würde früh dunkel werden und angesichts der langen Runde, die vor uns lag, könnte das knapp werden. Wir überquerten die Bahngleise sowie die Straße und sahen uns ganz schnell im Kern des Nationalparks wieder.

Schmale Wege führten uns durch eine wunderbare Heidelandschaft und das bei einem traumhaften Wetter, das man so eher im März oder Anfang April erwarten würde. Uns war vom ersten Augenblick klar, dass das ein echt toller Tag werden würde. Natürlich, die Heide blühte nicht und die Bäume trugen keine Blätter. Aber darum ging es uns überhaupt nicht. Zum Erkunden dieser tollen Landschaft reichte es uns komplett aus.

Nach einigen Kilometern war dann jedoch Schluss mit der sanft hügeligen Heidelandschaft und wir tauchten in die dichten Wälder des Nationalparks ein. Hier war es nicht minder schön und es lag noch eine weite Strecke vor uns. Denn das eigentliche Wanderziel lag noch 5,7 Kilometer von uns entfernt. Und dabei hatten wir ja gerade schon einen großen Teil des Nationalparks hinter uns gelassen.

Also etwas mehr als ein Stündchen später waren wir aber dann dort, wo wir eigentlich hinwollten: Am Kanadischen Soldatenfriedhof Holten. Hier legten wir eine größere Pause ein und spazierten andächtig durch die Grabreihen. Erst im Anschluss sahen wir das dazugehörige Besucherzentrum und waren ganz erstaunt über die professionelle Aufmachung und Ausstattung des Informationszentrums.

Zwei Damen begrüßten uns freundlich und gaben uns den Hinweis, das in einem speziellen Vorführraum ein Film über den Soldatenfriedhof starten würde, wenn wir hineingehen würden. Das taten wir gerne. Einerseits weil wir uns informieren wollten, andererseits aber auch, um eine Sitzpause einzulegen. Immerhin lag unser heutiges Pensum bereits im zweistelligen Bereich – und zurück mussten wir ja auch noch.

Das Informationszentrum war beinahe schon wie ein Museum ausgestattet. Der Film war wirklich absolut sehenswert und in weiteren Bereichen der Räumlichkeiten konnte man sich mit einzelnen Schicksalen der kanadischen Soldaten befassen, die hier in den Niederlanden und im Norden Deutschlands ihr Leben ließen.

Nach dem Besuch des Friedhofs führte unser Weg in Richtung Naturmuseum, das nur ein paar hundert Meter entfernt lag. Für einen weiteren Besuch würde die Zeit nicht reichen, daher beließen wir es bei einem kurzen Rundgang durch den Souvenirshop. Im Umfeld des Naturmuseums war es uns dazu ein wenig zu rummelig. Grund hierfür waren mehrere Einkehrmöglichkeiten und so sahen wir plötzlich so viele Menschen auf einen Schlag wie am gesamten Tag während unserer Wanderung nicht. Nö, da wollten wir nur schnell wieder weg.

So wanderten wir wieder durch den Wald nach Norden und kamen an einigen Aussichtspunkten vorbei, die Ausblicke in kleine Schluchten und in die Ferne ermöglichten. Auch hier begeisterte uns der Nationalpark Sallandse Heuvelrug mal wieder. Einziger Makel: Hier gab es kleine Rundwege, die vom nahegelegenen Parkplatz aus gut erreichbar waren. Das heißt, hier war es nicht weniger voll als kurz zuvor auf dem Parkplatz zwischen den Restaurants.

Doch das legte sich mit der Zeit und der entsprechenden Entfernung zum Parkplatz. Die Landschaft wurde jedoch nicht weniger schön. Weite offene Flächen begrüßten uns, bis wir an einer Kreuzung rechts abbiegen mussten. Auf einer breiten, autofreien Straße hatten wir nun zweieinhalb Kilometer schnurgeraden Weg vor uns. Irgendwie war das schon ein ziemlicher Kontrast zu den Wegen, die wir zuvor begangen hatten. Aber schön war es dennoch. An einem kleinen Rastplatz informierte uns eine Hinweistafel darüber, dass hier im Zweiten Weltkrieg ein Flugzeug abstürzte – vermutlich abgeschossen, und wenig später konnten wir einen Blick auf das Haus Sprengenberg werfen. Es zählt ein wenig zu den architektonischen Wahrzeichen des Nationalparks Sallandse Heuvelrug.

Wenig später trafen wir wieder auf den Weg, den wir bereits vom Vormittag kannten und brauchten nur noch gemütlich zurück zum Wohnmobilstellplatz zu gehen. Gemütlichkeit war dabei das Stichwort. Denn am Ende des Tages hatten wir rund 27 Kilometer Wanderung hinter uns. Diese merkten wir auch in den Beinen, aber taten einfach nur gut. Auf den letzten Metern unserer Tour konnten wir sehen, wie die Sonne unterging, die uns den ganzen Tag über begleitete. Zeitlich passte es also auch wunderbar.

Kein Wunder also, dass wir den Abend ganz ruhig im Wohnmobil ausklingen ließen und nachher wieder eine erholsame Nacht genossen. Am nächsten Morgen brachen wir auf, stoppten auf dem Rückweg erneut am Supermarkt, um auch für zuhause noch ein paar niederländische Kleinigkeiten zu besorgen und beendeten unsere erste Reise in diesem Jahr mit tollen neuen Eindrücken.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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