Wenn man durch Ruhla nach Süden fährt, passiert man auf der rechten Seite ein markantes Gebäude, das nicht so recht mit der idyllischen Umgebung von bewaldeten, sanften Hügeln zu harmonieren scheint. Der schmucklose Bau mit Klinkerfassade und sechs Etagen wurde hier 1932 errichtet. Sicherlich kein Meilenstein in der Geschichte der Architektur, aber der Standort des Gebäudes hat eine lange Tradition.

Hinweis: Der Inhalt dieses Blog-Artikels stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer mit dem Titel „111 Orte im Thüringer Wald die man gesehen haben muss„.
Im Jahr 1862 gründeten die Brüder Georg und Christian Thiel einen metallverarbeitenden Betrieb, der sich zunächst mit Pfeifenbeschlägen befasste. Für Ruhla keine Besonderheit. Trotz der hohen Konkurrenz im eigenen Ort konnte die Firma aber erfolgreich und vor allem zügig expandieren. Nach einigen Experimenten mit Kinderspieluhren, die besonders in Übersee großen Erfolg hatten, begann man 1892 mit der Produktion von Taschenuhren. Zu Beginn waren diese Uhren zwar nicht ganz fehlerfrei und wurden von so manchem Uhrenhändler nicht gern gesehen.
Wie die Zeit vergeht
Doch der sehr geringe Preis und der Erfolg in Nordamerika führten dazu, dass an manchen Tagen bis zu 4.000 Taschenuhren gefertigt wurden. Damit konnte sich der Thüringer Wald in die Liste von Orten einreihen, in denen Uhren erfolgreich hergestellt wurden und die traditionsgemäß von der Schweiz angeführt wird.

Nach Enteignung und Bildung eines volkseigenen Betriebs wurden hier vom klassischen mechanischen Wecker über LCD-Armbanduhren bis hin zu Funkuhren auch zu DDR-Zeiten zahlreiche Uhren hergestellt und verkauft. Im sogenannten Gebäude 1 ist heute ein Museum untergebracht, das sich mit der Geschichte und der Tradition der Uhrenindustrie befasst. Bis zu 1.300 Uhren sind in der Ausstellung zu sehen, sowohl aus der Ära der Firmengründer Thiel als auch aus der Zeit der DDR. Darüber hinaus können natürlich auch Uhren der Firma Gardé gekauft werden, die als Nachfolgebetrieb die Uhrenherstellung in Ruhla übernommen hat.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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