Thüringer Warte

Bei der GPS-Position 50.518615 Nord und 11.351312 Ost müssen wir ein bisschen flunkern. Denn diese befindet sich nicht in Thüringen und damit natürlich auch nicht im Thüringer Wald. Wer sich zu dieser Position begibt, betritt bereits den nächsten Freistaat, nämlich Bayern. Die Landesgrenze zu Thüringen ist jedoch nur 120 Meter entfernt.

Zwischen dem bayerischen Lauenstein und dem thüringischen Gräfenthal erhebt sich der 678 Meter hohe Ratzenberg. Seine Nähe zu Thüringen zeigt sich schon allein dadurch, dass er als der nördlichste Berg Bayerns gilt. Dennoch könnte man eigentlich sagen, dass der Ratzenberg nur einer von vielen Gipfeln hier im Mittelgebirge sei, wäre da nicht die Thüringer Warte.

Ausflugsziel der Wessis

Die Thüringer Warte ist ein strahlend weißer Aussichtsturm auf dem höchsten Punkt des Ratzenbergs. Sein Aussichtsplateau in einer Höhe von rund 26 Metern überragt die Wipfel der umstehenden Bäume und bietet eine tolle Fernsicht. Der Blick reicht dabei über Gräfenthal und Probstzella hinweg bis Schmiedefeld und auf die Saalfelder Höhe. Das ist heute so und das war auch so, als am Fuße des damals westdeutschen Turms die innerdeutsche Grenze verlief und die Besucher von nah und fern kamen, um einen Blick in den Osten, in die DDR zu erhaschen.

Gebaut wurde der Turm im Jahr 1963. Seine feierliche Eröffnung fand am 17. Juni statt – exakt zehn Jahre nach dem Volksaufstand in der DDR – am damaligen Tag der Deutschen Einheit. In den Jahren darauf reisten nicht nur Touristen an, zu denen auch immer wieder ehemalige DDR-Bürger gehörten, die in ihr altes Land schauen wollten, sondern auch hochrangige Politiker, die das Amt als Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen beziehungsweise innerdeutsche Beziehungen innehatten – ein Amt, das im Jahr 1991 aufgelöst werden konnte. Im Jahr nach der Fertigstellung der Thüringer Warte kam sogar der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke an die innerdeutsche Grenze, um den Turm auf dem Ratzenberg zu besteigen.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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