Tanzlinde von Sachsenbrunn

Das berühmte Baumhaus der Familie Robinson ist fast nichts gegen die Tanzlinde in Sachsenbrunn. Mitten im Ort, am Ufer der Werra, wächst die Linde sowohl in die Höhe als auch in die Breite und lädt dazu ein, innezuhalten. Über eine Leiter mit neun Holzstufen gelangt man in eine Höhe von fast zwei Metern, wo sich ein Podest auf den unteren Ästen des Baumes befindet. Wenn der Baum im Frühsommer seinen kräftigen Lindenduft verströmt und man auf dem Holzpodest steht, kann man sich kaum etwas Romantischeres und Idyllischeres vorstellen. Während in Thüringen und in Franken eine Handvoll Tanzlinden wachsen, sind sie im übrigen Deutschland fast gar nicht verbreitet oder gar bekannt.

Das Alter der Linde in Sachsenbrunn wird auf weit über 300 Jahre datiert, und man schätzt, dass der Baum kurz nach Ende des Dreißigjährigen Krieges gepflanzt wurde. Eine erste schriftliche Erwähnung erhielt die Sachsenbrunner Tanzlinde im Jahr 1662. Um aus einer Linde eine Tanzlinde zu machen, benötigt man viel Geduld und mehrere Generationen. Die unteren Äste müssen über Jahrzehnte hinweg in die richtige Richtung gezogen und geleitet werden, sodass später das Tanzpodium darauf errichtet werden kann.

Wo das Tanzbein geschwungen wird

Das allein reicht jedoch nicht aus. Immerhin hat die Plattform einen Durchmesser von rund sieben Metern und bietet nicht wenigen Menschen Platz zum Tanzen. Daher wurden die Äste der Linde unterhalb der Plattform mit Stützen aus Sandstein versehen. Die Äste des Baumes sind mittlerweile so lang, dass sie unter der Tanzfläche nach außen ragen und nach oben wachsen. Das macht die Tanzlinde in Sachsenbrunn erst so richtig gemütlich, denn dadurch entsteht ein beinahe geschlossener Raum rund um den dicken Stamm.

Das Wahrzeichen von Sachsenbrunn ist noch heute Mittelpunkt von Veranstaltungen und natürlich Veranstaltungsort für das regelmäßig stattfindende Lindenfest.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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