»Zwei Kilometer zähfließender Verkehr auf der Autobahn 85 zwischen Wasungen und Breitungen in Richtung Eisenach« – so würde es heute möglicherweise aus dem Radio tönen, wenn die Planungen aus den 1930er Jahren verwirklicht worden wären. Diese sahen nämlich den Bau einer Reichsautobahn zwischen Eisenach und Bamberg vor. Die als Strecke 85 bezeichnete Trasse sollte bei den Hörselbergen von der heutigen Autobahn 4 nach Süden abzweigen und parallel zur Werra durch das Tal verlaufen. Südlich von Meiningen, dort wo die noch junge Autobahn 71 verläuft, hätte die Strecke 85 das Grabfeld und wenig später auf dem Weg nach Bamberg den heutigen Naturpark Haßberge durchquert.

Hinweis: Der Inhalt dieses Blog-Artikels stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer mit dem Titel „111 Orte im Thüringer Wald die man gesehen haben muss„.
Im Jahr 1938 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, und es entstanden unter anderem bei Wutha und Fambach mehrere Widerlager für kleinere Brücken. Der zum damaligen Zeitpunkt größte Bauabschnitt befand sich östlich von Breitungen, wo eine rund zehn Kilometer lange Schneise geschlagen und eine Trasse fertiggestellt wurde.
Die Autobahn, die nie fertig wurde
Im Jahr darauf begann der Zweite Weltkrieg, und damit wurden die Arbeiten an der Reichsautobahn 85 eingestellt. Nach Ende des Krieges war Deutschland zweigeteilt, und eine unüberwindbare Grenze trennte Bayern und Thüringen, womit die geplante Strecke 85 in Vergessenheit geriet.

Nach der politischen Wende im Jahr 1989 und der damit verbundenen Einheit entstand die Autobahn 71 zwischen Schweinfurt und Suhl, während Meiningen und Eisenach über die Bundesstraße 19 verbunden wurden. Die Strecke dieser Bundesstraße verläuft seither auch über die zehn Kilometer lange Trasse der einstigen Strecke 85. Im südlichen Bereich dieser Trasse wurde bei Niederschmalkalden im Jahr 2013 eine Brücke fertiggestellt.

Als Relikt aus der Zeit des Nationalsozialismus wurde das nördliche Widerlager aus den 1930er Jahren in das Brückenprojekt integriert und hat damit nach fast 80 Jahren doch noch seinen Nutzen gefunden.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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