Der Geruch von Benzin liegt in der Luft. Von der Seite tönt ein unaufhörliches Rauschen von zügig vorbeiziehenden Autos und Lkws. Ein Rasthof ist kein Ort, wo man länger als nötig verweilen möchte. Schnell den Tank auffüllen, noch einen Schokoriegel aus der Auslage, ein kurzer Gang zur Toilette, und dann wieder zurück auf die Autobahn, um weiter seinem eigentlichen Ziel entgegenzusteuern. Den meisten Reisenden wird es am Rasthof Eisenach an der Autobahn 4 nicht anders ergehen. Doch wer genau hinschaut, wird schnell merken, dass es hier am nördlichen Rand des Thüringer Waldes ein wenig anders aussieht als auf anderen bundesdeutschen Rastplätzen.

Hinweis: Der Inhalt dieses Blog-Artikels stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer mit dem Titel „111 Orte im Thüringer Wald die man gesehen haben muss„.
Die erste Besonderheit ist die Tatsache, dass es hier zwei Tankstellen gibt, die sich beide auf derselben Seite der Autobahn befinden – nämlich auf der nördlichen. Wer also von Bad Hersfeld in Richtung Erfurt unterwegs ist, unterquert nach der Abfahrt zunächst die Autobahn, um eine kleine Pause einlegen zu können.
Sind wir gleich da?
Beim Einschwenken auf den Parkplatz folgt schließlich das Gefühl, eine Zeitreise zu machen. Hohe Scheinwerfermasten sowie ein Raststättengebäude im Plattenbaustil bestimmen das Bild, und ein Wachturm der DDR-Grenzer erinnert an zum Glück vergangene Zeiten. Der Rasthof war die Grenzübergangsstelle Wartha/Herleshausen und befand sich auf dem Gebiet der DDR. Er war einer der wenigen Grenzübergänge zwischen Ost und West.

Im nordwestlichen Bereich befindet sich noch heute die Zollstelle für Lkw-Fahrer. In dem kleinen Bau musste sich bis 1989 jeder, der in die DDR einreisen wollte, dort sein Visum abholen. Danach folgte die Abfertigung und Kontrolle des Fahrzeugs, die von den meisten Reisenden als Schikane empfunden wurde.

Angesichts dessen, was man damals als Reisender erlebte, stört der Geruch von Benzin nun nicht mehr, und man ist gerne bereit, auch ein paar Minuten länger zu bleiben, um sich die Relikte der Vergangenheit anzuschauen – denn heute kann man glücklicherweise einfach weiterfahren, wann man möchte.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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