Wer sich selbst den vertrauenserweckenden Namen Giftmischer gibt, der hat bestimmt Interessantes zu zeigen und zu berichten. Und so ist es auch. Das Gebäude, in dem der Schmiedefelder Giftmischer anzutreffen ist, ist ein grasgrünes, beinahe unauffälliges Haus an der Landstraße bei Schmiedefeld. Über eine Treppe gelangt man ins Innere des Olitätenmuseums.

Hinweis: Der Inhalt dieses Blog-Artikels stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer mit dem Titel „111 Orte im Thüringer Wald die man gesehen haben muss„.
Schnell stellt sich heraus, dass der Giftmischer ein ganz freundlicher Mensch ist, der einen gerne durch die kleine Ausstellung führt und zunächst einmal erklärt, was der Begriff Olität überhaupt bedeutet. Denn viele Besucher stehen vor dem Museum und fragen sich, was es hier eigentlich zu sehen gibt. Eine Olität ist ein Öl oder eine Salbe, die in früheren Jahrhunderten in Apotheken verkauft wurden.
Von Kräuterhexen und Giftmischern
Das Besondere an diesen Olitäten war jedoch, dass sie durch sogenannte Buckelapotheker vertrieben wurden. Ihren Namen hatten sie von einem Holzgestell, das sie auf dem Rücken trugen und damit durch die Lande zogen. Solche Buckelapotheker waren oft viele Monate zu Fuß unterwegs. Nicht umsonst kann man bei Schmiedefeld auf den Spuren der alten Medizinmänner unterwegs sein und auf einem 177 Kilometer langen Olitätenrundwanderweg durch 44 Ortschaften wandern. Mittels Stempelheft lässt man sich anschließend zur Thüringer Olitätenmajestät krönen. Ein Teil dieses Wanderwegs wird auch als Buckelapothekerstieg bezeichnet.

Im Olitätenmuseum sind zahlreiche Gegenstände zu sehen, die für die Herstellung der Kräuteressenzen und Limonaden wichtig sind. Ein besonderes Highlight ist die Besichtigung des Trockenbodens, der über eine schmale Treppe zu erreichen ist. Oben, unter dem Dach, hängen die Kräuter zum Trocknen, und es scheint, als wäre man in die Zeit des Mittelalters zurückgereist. Zum Abschluss des Besuchs kann man übrigens einige Kräutertees und -liköre kaufen. Frisch zubereitet vom Giftmischer.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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