Grausame Todesarten, brutale Verstümmelungen und unmenschliche Folter bestimmen das Bild von Tabarz. Nein, hier wird keine neue Folge der amerikanischen Fernsehserie Criminal Minds gedreht, in der sogar einer der Hauptdarsteller freiwillig ausgestiegen ist, weil er die Grausamkeiten der Serie nicht mehr ertragen konnte.

Hinweis: Der Inhalt dieses Blog-Artikels stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer mit dem Titel „111 Orte im Thüringer Wald die man gesehen haben muss„.
Die Rede ist vielmehr von der Märchenwiese im Lauchagrund. Sie wurde zu Ehren des Kinderbuchautors Heinrich Hoffmann angelegt, der mehrmals in Tabarz seine Sommerfrische verbrachte. Den nachfolgenden Generationen vermachte er ein Buch, das der amerikanischen Fernsehserie in Sachen Grusel in nichts nachsteht, sondern im Gegenteil, sogar als Drehbuchvorlage dienen könnte – den Struwwelpeter.
Es war einmal
Der Struwwelpeter wurde 1845 von Hoffmann verfasst und erzählt gereimte Geschichten, in denen Kinder schicksalhaftes Unheil erfahren, weil sie nicht brav waren. Schon allein das Titelbild, auf dem ein Junge namens Peter mit zotteligen Haaren und kurviglangen Fingernägeln abgebildet ist, wirkt erschreckend. Dabei ist Struwwelpeter noch die kürzeste und eine der harmloseren Geschichten in Hoffmanns Werk. Bei der Geschichte vom Daumenlutscher werden die Daumen mit einer Schere abgeschnitten, weil der daumenlutschende Konrad nicht mit dem Lutschen aufhören will.

Noch schlimmer trifft es sogar den Suppenkasper, der die Nahrungsaufnahme verweigert und sich auf den Darstellungen von einem dicklichen Jungen zu einem Strich in der Landschaft wandelt, bevor das letzte Bild eine Suppenschüssel auf einem Grab zeigt. Da sind die Geschichten vom Hans Guck-in-die-Luft und vom fliegenden Robert geradezu harmlos.

Auf der Tabarzer Märchenwiese im Lauchagrund sind die ungehorsamen Kinder allesamt mit ihren Schicksalen als geschnitzte Holzfiguren vertreten. Auf einem kleinen Rundweg kann man sich ihre Schicksale erneut vor Augen führen. Gruselfaktor garantiert.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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