Kloßpressenmuseum im Thüringer Wald

In einem herkömmlichen Reiseführer über Thüringen würde man wohl in der Rubrik über regionale Spezialitäten neben der klassischen Rostbratwurst auch die Thüringer Klöße aufführen. Es existiert wohl kaum ein Gasthof, an dem nicht mit weißer Kreide auf schwarzen Tafeln Thüringer Klöße angeboten werden. Natürlich gibt es auch in anderen Regionen Klöße, man denke nur an Semmelknödel, Grießklößchen und an die aus Hackfleisch bestehenden Königsberger Klopse.

Doch die traditionellen Thüringer Klöße sind auch weit außerhalb von Thüringen bekannt und beliebt. Und innerhalb Thüringens? Da wird über sie gedichtet und sie werden sogar besungen. In Meiningen zwischen Rhön und Thüringer Wald gibt es auf dem Töpfermarkt ein Kloß-Denkmal, um das herum alljährlich ein Kloßfest stattfindet.

Von Klößen und Kräutern

Doch wenn wir von Klößen reden, dann meinen wir immer das fertige Produkt. Rund, gelb und von weicher Konsistenz. Darüber hinaus sollte aber nicht die Herstellung in Vergessenheit geraten. Gerade junge Leute dürften sich auch in Thüringen wohl immer schwerer damit tun und greifen lieber zu den Fertig-Päckchen aus dem Supermarkt. Angesichts der Tatsache, was für eine umfangreiche Arbeit die Zubereitung von Klößen ist, ist das aber auch nur allzu verständlich. Angefangen von der Verarbeitung der Kartoffeln zu einem Brei bis hin zum Formen der Klöße vergeht schnell ein ganzer Vormittag. Im Kloßpressenmuseum in Großbreitenbach kann man sich gut ein Bild davon machen.

Das Museum besteht zwar nur aus einem Raum innerhalb des Wald-Kreativ-Museums, doch es präsentiert eindrucksvoll die Kloßpressen des letzten Jahrhunderts. Wären die Pressen nicht beschriftet, könnte man sie mit ihren riesigen Schraubzwingen auch für mittelalterliche Folterinstrumente halten. Daneben erfährt man in dem historischen Geschäftshaus aus dem 18. Jahrhundert auch vieles über die örtliche Porzellanmalerei und über den Musikinstrumentenbau. Zum Wald-Kreativ-Museum gehört auch noch ein umfangreicher Kräutergarten. Falls die Klöße also mal zu fade sind, lassen sie sich auch noch mit Kräutern würzen.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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