Gartenzwergmanufaktur in Gräfenroda

Ein kleines Häuschen im Grünen mit einer wuchtigen Eichenschrankwand im Wohnzimmer, und draußen auf dem Rasen grinsen die Gartenzwerge um die Wette. So stellen sich Menschen mit einer Gartenzwerg-Antipathie wohl den typischen Spießer vor. Kaum eine andere Figur polarisiert so sehr wie ein Gartenzwerg. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn.

Ein Dazwischen gibt es nicht. Das Sinnbild des deutschen Michels präsentiert sich in der Regel mit roter Zipfelmütze und einem weißen Vollbart. Würde er Geschenke bringen und keine Schubkarre über die Wiese schieben – man könnte ihn glatt mit dem Weihnachtsmann verwechseln. Und den Weihnachtsmann liebt jeder. Vermutlich wegen der Geschenke. Vielleicht aber auch deshalb, weil er nur einmal im Jahr präsent ist. Gartenzwerge dagegen sieht man das ganze Jahr über. Trotz ihrer Größe von maximal 69 Zentimetern.

Auf den Spuren der Spießbürger

Größer dürfen sie nämlich nicht sein, um als echte Gartenzwerge zu gelten. So hat es die Internationale Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge definiert. Außerdem muss ein echter Gartenzwerg männlich sein. Weibliche Gartenzwerge sind bei wahren Liebhabern verpönt. Genauso wie die Zwerge, die ihren blanken Hintern oder den Mittelfinger zeigen. Aber wie schön, dass es moderne Firmen wie die Gartenzwergmanufaktur Philipp Griebel gibt, die nach eigener Aussage den ersten weiblichen Gartenzwerg der Welt hergestellt haben. Gräfin Roda, benannt nach Gräfenroda, wo das Unternehmen seinen Sitz hat, ist zarte 21 Zentimeter hoch und trägt unter ihrer Zipfelmütze schwarzes Haar.

Die Firma wurde wegen der emanzipierten Gleichstellung von der Gartenzwergvereinigung gerügt, was niemanden davon abhalten sollte, die Firma inklusive Museum und Manufaktur zu besichtigen. Neben zahlreichen Gartenzwergen gibt es dort natürlich auch die legendären sieben Zwerge mit Schneewittchen zu sehen und für den eigenen Garten zu kaufen.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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