Soweit ich mich erinnern kann, habe ich das Aurlandsfjell in Norwegen bisher immer nur von Süd nach Nord überquert. Ich weiß gar nicht, warum. Das hat sich wohl einfach auf den jeweiligen Reisen so ergeben. Das bedeutet, ich startete immer in Aurlandsvangen und fuhr dann über das Gebirge nach Lærdalsøyri. Bei genauerer Überlegung wäre aber die Fahrt von Nord nach Süd vermutlich schöner und die Highlights der Strecke kommen dann zum Schluss. Aber das liegt ja immer im Auge des Betrachters.

Ich werde dennoch oder gerade deswegen den Straßenverlauf so beschreiben, wie ich ihn gewohnt bin. Wie schon erwähnt, beginnt die Reise im kleinen Ort Aurlandsvangen, am gleichnamigen Aurlandsfjord. Man ist noch im Ort und schon zeigt die Straße, was in ihr steckt. Es geht nämlich nicht nur direkt in die Höhe, sondern die Straße wird auch sehr schmal. Da Gegenverkehr hier keine Seltenheit ist, fährt man also vorsichtig und achtsam.

Über dieses Thema schrieb ich bereits in einem Zeitschriftenartikel im Magazin Camping & Reise, Ausgabe 1/2026 sowie in meinem Wohnmobilreiseführer über Südnorwegen. In dem Reiseführer gibt es weitere Tipps und Informationen zu einer Reise mit dem Wohnmobil durch den Süden Norwegens.
Langsam fährt man sowieso, da die Fahrt über das Aurlandsfjell gleich mal mit sieben sehr engen Spitzkehren beginnt. Fahrer von größeren Wohnmobilen könnten hier unter Umständen an ihre Grenzen kommen. Eine sorgfältige Planung der Reise ist also unabkömmlich. Die Aussicht auf den Fjord wird mit jedem Höhenmeter schöner und ein erster Aussichtspunkt folgt nach der vierten Serpentine. Der Parkplatz ist allerdings sehr klein und man muss schon etwas Glück haben, um hier anhalten zu können.
Mit Spitzkehren zum Aurlandsfjell
Nach der siebten Spitzkehre folgt ein weiterer Parkplatz, der sich aber ebenfalls großer Beliebtheit erfreut. Denn dort befindet sich Stegastein. Dabei handelt es sich um eine typische Landmarke entlang der Nationalen Landschaftsrouten Norwegens. In diesem Fall ist Stegastein eine Art Skywalk und ragt über dem bewaldeten Abhang hinaus. Am Ende des kurzen Wegs hat man einen wunderbar freien Blick auf den Aurlandsfjord und auch geradewegs nach unten.

Doch wie gesagt, sind die Parkmöglichkeiten eher überschaubar. Nach zwei weiteren Spitzkehren folgt ein weiterer Wanderparkplatz. Von dem aus könnte man allerdings auch noch zurück zu Stegastein laufen. Wer allerdings dort parkt, könnte auch gleich dem Wanderweg weiter nach oben folgen. Die Aussicht von dort ist noch beeindruckender und der Besucheransturm dort nicht mehr ganz so groß.

Bei diesen beiden letzten Serpentinen, die kurz hinter Stegastein kommen, endet die Reise im Winter. Denn die Nationale Landschaftsroute Aurlandsvegen, wie die Fahrt über das Aurlandsfjell korrekt heißt, hat eine Wintersperre üblicherweise von Oktober/November bis Mai/Juni. Das hängt halt von der Witterung ab.
Raue Landschaft im Aurlandsfjell
Die Strecke führt zunächst noch weiter nach oben und es folgen auch noch ein paar Kurven. Diese sind aber nicht mehr so eng und so hat man hier den anstrengendsten Teil der Auffahrt hinter sich. Landschaftlich wird es nun rauer und baumlos. Nach kurzer Fahrt folgt dann die erste größere Parkmöglichkeit, bei der es sich eigentlich nur um eine Schotterfläche rechts und links der Straße handelt. Für uns ist das der eigentliche Beginn des Aurlandsfjells.



Denn ab hier verläuft die Reise nun nur noch im leichten Auf und Ab durch das Gebirge. Viele kleine Seen erstrecken sich auf beiden Seiten der Straße und selbst im Juli kann man hier vielleicht sogar noch Schneefelder genießen, Eisschollen auf dem Wasser sehen oder sogar direkt neben einem Schneehaufen parken.


Parkmöglichkeiten gibt es immer wieder mal, so unter anderem eine mit dem Namen Flotane. Dieser Parkplatz liegt an einem der vielen Seen und kurze Wege führen zu einem kleinen Wasserfall, der direkt in den See hineinplätschert. Außerdem gibt es hier die einzige Toilette auf der Strecke. Diese ist natürlich wieder – ganz typisch für die Toilettenhäuser auf den Nationalen Landschaftsrouten – als Einzelstück gestaltet worden. Sie wirkt ein wenig so wie ein Kubus, der halb im Boden versinkt. Die Glasfront auf der einen Seite entpuppt sich als Solarfläche, damit das Toilettenhäuschen mit Strom versorgt wird.

Der Aurlandsvegen zwischen Aurlandsvangen und Lærdalsøyri
Hinter Flotane beginnt so langsam wieder Abstieg, wenn auch am Anfang erstmal nur sehr sanft. Kurz bevor man die raue Landschaft verlässt und sich die ersten Bäume wieder blicken lassen, folgt ein weiterer Parkplatz. Vedahaugane heißt er und besticht mit einer langen, halbrunden Sitzbank. Die Aussicht ist hier auch noch nett, aber unserer Meinung nach nicht mehr so spektakulär wie oberhalb des Aurlandsfjords. Die Besonderheit am Parkplatz Vedahaugane ist der Zugang zu einer Höhle, in der eine Kunstinstallation untergebracht ist.



Von nun an geht die Fahrt dann doch deutlich schneller talwärts und es werden auch wieder einige Serpentinen durchfahren, die jedoch nicht ganz so eng sind wie zuvor. Die Abfahrt ist landschaftlich nicht mehr ganz so spannend, wenn auch weiterhin schön. Spannend ist nur, dass man hier natürlich auf die Bremsen achtgeben sollte. Das Gefälle ist nämlich lang und entsprechend sollte man hier behutsam bremsen, viel besser noch runterschalten.

Am Ende der Fahrt über das Aurlandsfjell ist man schließlich in Lærdalsøyri angekommen. Zwischen Lærdalsøyri und Aurlandsvangen verläuft übrigens auch der 24 Kilometer lange Lærdalstunnel. Wer sich die steile Auf- und Abfahrt nicht zutraut, kann also einfach durch den Tunnel fahren. Im Winter ist er ohnehin die einzige Möglichkeit, zwischen den beiden Ortschaften zu verkehren. Interessanterweise habe ich diesen Tunnel allerdings bisher auch nur von Süden nach Norden durchquert – soweit ich mich erinnern kann.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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