Duschmünze 2.0

Da das Thema letztens in www.molls-reiseforum.de angesprochen wurde, habe ich bei einem Besuch auf einem Campingplatz in Luxemburg in der letzten Woche mal besonders auf die dortigen Duschmöglichkeiten geachtet.

Ich muss aber vorab zugeben, dass ich ein bekennender Gegner von Duschmünzen bin. Ich lasse mich nicht gerne bevormunden, schon gar nicht von einem in der Decke montierten Duschkopf, der nach einer voreingestellten Zeit meint, ich bräuchte kein Wasser mehr. Außerdem bin ich Spontanduscher, d.h. ich weiß doch beim Einchecken am Nachmittag noch gar nicht, ob ich noch am Abend duschen möchte. Und wenn ich es dann will, muss ich extra noch mal los, Duschmünzen „kaufen“. Da verzichte ich lieber – und zwar nicht nur auf die wohltuende Dusche, sondern gleich auf den gesamten Campingplatz. Ja, ich habe Campingplätzen schon den Rücken zugedreht, nur weil sie diese wirklich blöden Duschmünzen haben. Und ja, ich kann auch die Betreiber eines Campingplatzes verstehen, die so etwas haben. Aber mögen muss ich diese Dinger deswegen noch lange nicht. Für mich sind sie ein Relikt aus der frühen Campingplatzsteinzeit.

Doch zurück zum Campingplatz in den Ardennen auf luxemburgischer Seite. Ein ruhiger, idyllischer Platz in einem engen Tal, durch das leise ein kleiner Fluss plätschert. Nur alle 20 Minuten wird die Ruhe durch den vorbei fahrenden Regionalexpress gestört – aber ansonsten wirklich schön. Der niederländische Betreiber, ein sehr netter Mann, hat auf diesem Campingplatz die moderne Version der Duschmünzen eingeführt.

Beim Einchecken fragt er, ob man einen kleinen, gelben Plastikchip haben möchte, auf dem man einen bestimmten Betrag buchen kann. Hä? Plastikchip, Betrag buchen? Ja, genauso habe ich auch geguckt. Es handelt sich um einen kleinen Schlüsselanhänger: Er erklärt, dass zwei Minuten Duschen 30 Cent kosten und man den übrig gebliebenen Betrag beim Auschecken wieder zurück erhält. Ohne nachzurechnen sage ich ihm also, dass er 10 Euro drauf buchen soll. Sicher ist sicher – erst später wird mir klar, dass ich damit eine Stunde duschen könnte und die zehn Euro vielleicht ein wenig übertrieben waren. Egal, ein 10-Euroschein wechselt den Besitzer und ich erhalte einen hochmodernen Schlüsselanhänger. Mit diesem kann ich nun am Sanitärgebäude die Tür öffnen, indem ich den Chip vor eine kleine Digitalanzeige halte und sofort wird der Restbetrag angezeigt.

9,70 € sind es in diesem Fall, weil 30 Cent schon vorher verbraucht wurden. Beim ersten Mal standen dort noch die 10 Euro – wirklich. Und nach diesem Sesam-öffne-Dich des 21. Jahrhunderts offenbart sich dann das gepflegte und nett eingerichtete Duschhäuschen. Auf den Bildern nicht zu erkennen, ist das RTL Radio, welches leise aus den Lautsprechern dudelt:

Tja, und zu guter Letzt erreicht man dann seine Duschkabine, wo sich ebenfalls eine Digitalanzeige befindet. Hält man den Chip nun hier vor, so werden automatisch 30 Cent abgehalten und man bekommt 2 Minuten lang heißes Wasser. Getestet habe ich das aus nachvollziehbaren Gründen nur ohne Kamera, denn gemeinerweise kommt das Wasser sofort und lässt einem keine Zeit, den Chip zur Seite zu legen. Im Endeffekt hat man also nur 1:58 Minuten Wasser:

Nun ja, ich finde es allerdings immer noch schöner, wenn ich duschen kann, so lange ich will und wenn ich nicht am nächsten Tag an der Rezeption den Chip wieder abgeben muss. Denn manchmal muss ich schon so früh wieder los, dass ich den Platz verlasse, bevor die Rezeption wieder geöffnet hat. Aber das ist ein anderes Thema.

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