Die Teilung von Ruhla

Mitten im Thüringer Wald gab es eine geteilte Stadt. Und diese Teilung hatte trotz der Nähe zur ehemaligen innerdeutschen Grenze nichts mit dem Eisernen Vorhang zu tun. Ruhla war schon einige Jahrhunderte vor der Existenz der DDR geteilt.

Ein nachempfundener Grenzstein am Ruhlaer Bach mitten im Ort erinnert an die Teilungen, die Ruhla im Mittelalter durchlebt hat. Die ersten Grenzziehungen in Thüringen erfolgten, wie natürlich auch in anderen Regionen, durch die Franken. Dabei orientierte man sich an unveränderlichen, geographischen Merkmalen wie Gebirgszügen oder Flüssen. So entstanden die Breitunger und die Lupnitzer Mark, die im Gebiet von Ruhla aufeinander trafen. Eine erste formelle Grenzziehung, die auch urkundlich belegt wurde, folgte im Jahr 1391, als Ruhla in ein westliches und östliches Amt aufgeteilt wurde.

Kleiner Ort mit bewegter Geschichte

Über zwei Jahrhunderte später fiel der westliche Teil des Amtes Wartburg an Johann Ernst Herzog von Sachsen-Eisenach. Der östliche Bereich ging an Johann Casimir von Sachsen-Coburg. Der Ruhlabach, der damals wie heute mitten durch den Ort fließt, galt offiziell als Grenze zwischen den beiden Landesteilen. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde es noch ein wenig konfuser, als sich eines der Landesteile teilte und damit drei Ortsteile mit den Namen Ruhla Eisenacher Orts (EO), Ruhla Tenneberger Orts (TO) Ruhla Uetterodschen Orts (UO) entstanden.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts folgten mehrere Wiedervereinigungen und weitere Trennungen. So wurde aus Ruhla EO und Ruhla TO ein Ruhla GA, das für Ruhla Gothaischer Anteil stand, während Ruhla UO als Ruhla Weimarischen Anteils (WA) bezeichnet wurde. Die Trennung von Ruhla GA und Ruhla WA hatte sogar noch Bestand, als beide Gemeinden im Jahr 1896 Stadtrechte erhielten. Erst als im Jahr 1920 aus der Kleinstaaterei das Land Thüringen entstand, wurden die Ortsteile von Ruhla zur heutigen Stadt vereint.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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