Es müssen nicht immer gleich die Alpen sein, wenn es um aufregende Möglichkeiten geht, Höhenunterschiede zu überwinden. Auch im Thüringer Wald verkehrt eine Standseilbahn, die es in sich hat. Die Oberweißbacher Bergbahn fährt bereits seit dem Jahr 1922 und startet in Obstfelderschmiede, einem Ortsteil von Mellenbach-Glasbach bei Saalfeld-Rudolstadt. Wenn die gelb-rote Bahn ihren Haltepunkt verlässt, geht es sofort bergauf, heraus aus dem Schwarzatal. Von morgens bis abends fährt die Oberweißbacher Bergbahn im Halbstundentakt und überwindet 323 Höhenmeter auf einer Länge von gerade mal etwas über 1,3 Kilometer.

Hinweis: Der Inhalt dieses Blog-Artikels stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer mit dem Titel „111 Orte im Thüringer Wald die man gesehen haben muss„.
Das entspricht einer durchschnittlichen Steigung von 25 Prozent. Zugegeben, in den Alpen werden höhere Neigungswerte erreicht. Doch das Besondere an der Oberweißbacher Bergbahn ist, dass es sich um die einzige Standseilbahn Deutschlands mit einer Breitspur von 1800 mm handelt. Alle weiteren Standseilbahnen in Deutschland verkehren auf einer schmaleren Spur, meist als Meterbahn.
Steile Fahrt
Ein besonderer Höhepunkt für die Fahrgäste ist auch die Fahrt in einem der Personenwagen, die auf einer Güterbühne stehen. Diese Güterbühne ist keilförmig und gleicht die 25-prozentige Steigung aus, sodass der Personenwagen in der Waagerechten hinauf transportiert wird. Auf der Hälfte der Strecke kommen sich in einer Ausweiche die Bahnen entgegen, die beide jeweils am Ende eines einzigen neun Tonnen schweren Seils befestigt sind. Das Seil läuft dabei an der Bergstation in Lichtenhain über eine Umlenkrolle.

Oben angekommen verlässt der Personenwagen die Güterbühne und fährt nun eigenständig auf der sogenannten Flachstrecke weiter zu seinem Ziel nach Cursdorf, das nach weiteren zweieinhalb Kilometern erreicht wird. Wenn das Wetter mitspielt, kommt auf der gesamten Strecke auch ein Cabrio-Personenwagen zum Einsatz, sodass man unter freiem Himmel die Fahrt genießen kann. Entlang der Steilstrecke kann man übrigens auch zahlreiche Holzskulpturen mit lokalem Bezug, wie den Buckelapotheker, bewundern.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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